Eisbären : Die Lückenschließer

Starke junge Spieler kompensieren bei den Eisbären in den Play-offs den Ausfall verletzter Routiniers.

Katrin Schulze

Berlin – Die Reihen lichten sich. Und im Fall der Eisbären ist das durchaus wörtlich zu nehmen. Nachdem sich bereits Kapitän Steve Walker und Leistungsträger Denis Pederson verletzt hatten, traf es am Mittwochabend gegen die Hamburg Freezers Routinier Sven Felski. Ab dem zweiten Drittel konnte Trainer Don Jackson nicht mehr vier komplette Sturmreihen aufbieten. Auch dem Berliner Manager wird es angesichts der Ausfälle mulmig. „Uns gehen langsam die Spieler aus“, sagte Peter John Lee. Dass die Eisbären trotzdem 4:3 nach Verlängerung gegen Hamburg gewannen und mit 4:1 Siegen ins Halbfinale um die deutsche Eishockey-Meisterschaft vorrückten, ist vor allem auf die jungen deutschen Spieler zurückzuführen – die Tore für die Berliner erzielten nämlich allesamt Nationalspieler, die nicht älter als 23 Jahre sind: André Rankel, Florian Busch und Frank Hördler.

Diese beachtliche Quote ermunterte sogar den gegnerischen Trainer nach dem Spiel am Mittwoch zu Lobeshymnen über die Nachwuchsarbeit der Eisbären. „Die Beispiele Florian Busch und Alexander Weiß zeigen, dass man hier aus jungen Knaben richtige Männer geformt hat“, sagte Bill Stewart. „Das ist es, was eine perfekte Organisation in einem Klub ausmacht.“ Tatsächlich profitieren die Berliner schon seit Jahren von ihrer Förderung im Nachwuchsbereich. Vor allem Jacksons Vorgänger Pierre Pagé holte einen Juniorenspieler nach dem anderen vom Oberligateam zu den Profis. Jackson profitiert nun von der guten Arbeit Pagés und hält nach anfänglicher Kritik an den Leistungen einiger Nachwuchstalente („sie müssten sich noch öfter hervortun“), nicht mehr mit Wertschätzungen an ihnen zurück. „Die jungen Spieler waren unglaublich, sie haben wunderschöne Tore geschossen“, sagte Jackson.

Dass sich die jungen Deutschen wie Frank Hördler oder André Rankel gerade in den Play-offs hervortun, ist der vorläufige Höhepunkt einer erstaunlichen Entwicklung. Bereits bei den Meistertiteln der Berliner in den Jahren 2005 und 2006 standen sie auf dem Eis, kennen daher die Härte und Anspannung der Endrunde. Trotzdem hat sich etwas Wesentliches geändert: Aus Mitläufern sind Führungsspieler geworden. Doch ganz spurlos gehen die Sorgen um die verletzten Spieler an den Berlinern nicht vorüber, denn neben Walker, Pederson und Felski sind auch die Verteidiger Deron Quint (Schulterverletzung) und Brandon Smith (Knieverletzung) angeschlagen. Außerdem fallen schon seit längerem Stürmer Christoph Gawlik und Torwart Youri Ziffzer aus.

Gerade in der Endrunde wiegen diese Verluste schwer und lassen die Eisbären Maßnahmen ergreifen, die über den üblichen Play-off-Poker hinausgehen. Es wurde die Maßgabe ausgegeben, den Ort einer Fraktur nur noch vage anzudeuten, damit der Gegner ja nicht weiß, was los ist. Das geht mittlerweile soweit, dass sogar Trainer Jackson das Spielchen mitspielt. Gefragt, welche Verletzung Sven Felski denn davon getragen habe, antwortete er, begleitet von höhnischem Lachen: „Er hat entweder eine Blessur im Oberkörper- oder Unterkörperbereich.“

Immerhin haben die Eisbären nun Zeit, alle Beschwerden zu behandeln, bevor sie nächsten Dienstag in ihre erste nach dem Modus Best of five ausgespielte Halbfinalbegegnung gegen die Düsseldorfer EG gehen. Sollten bis dahin dennoch nicht alle Spieler wieder fit sein, „müssen wir halt noch näher zusammenrücken“, sagt Stürmer André Rankel. Denn so fallen die lichten Reihen nicht all zu sehr auf.

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