Eisbären droht Saisonende : Die Hoffnung stirbt zuletzt

Verlieren die Eisbären am Sonntag bei RB München, ist die Saison 2016/17 für die Berliner zu Ende. Doch die Mannschaft gibt sich kämpferisch.

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Offensiv zu harmlos. Die Eisbären haben in den letzten 180 Minuten gegen München nur drei Tore erzielt. Auch deshalb droht ihnen nun das Aus. Foto: Monika Skolimowska/dpa
Offensiv zu harmlos. Die Eisbären haben in den letzten 180 Minuten gegen München nur drei Tore erzielt. Auch deshalb droht ihnen...Foto: Monika Skolimowska/dpa

Für Florian Busch ist München immer noch eine Reise wert. „Ich fahre gern dahin. Egal, ob privat oder beruflich“, sagte der Stürmer der Eisbären am Freitagabend nach der 1:3-Niederlage gegen den EHC München in der heimischen Arena am Ostbahnhof. Am Sonntag könnte für Busch und seine Berliner Kollegen die letzte Dienstreise der Saison anstehen. Um 16.30 Uhr beginnt Spiel fünf der Halbfinalserie beim Deutschen Meister, eine Niederlage würde das Ende der Spielzeit 2016/17 für die Eisbären nach sich ziehen.

„Wir fahren nach München mit dem Ziel, die Serie noch einmal nach Berlin zurückzubringen“, erklärte Uwe Krupp kämpferisch. Der Trainer der Berliner wollte sich mit möglichen weiteren Szenarien angesichts des 1:3-Rückstandes in der Serie nicht beschäftigen. Dabei ist die Statistik eindeutig: Von 40 Play-off-Serien in der Deutschen Eishockey-Liga, in denen es nach vier Spielen 1:3 stand, wurde nur eine noch gedreht. Aber Krupp hat auch Recht, wenn er sagt:„ Mit drei Siegen hat noch kein Team eine Best-of-seven-Serie gewonnen.“

Tatsächlich leben die Eisbären noch, das bewiesen sie am Freitag mit einer engagierten Vorstellung. Vor allem in der Phase nach der 1:0-Führung hatten sie den Gegner gut im Griff und Chancen, das 2:0 nachzulegen. „Das zweite Drittel war vielleicht das beste, das wir in dieser Serie gespielt haben“, sagte Krupp. Dummerweise machte München aus drei Chancen zwei Tore, damit aus dem 0:1 ein 2:1 und behauptete die Führung bis zum Schluss. „Die Münchner haben clever gespielt, sie haben die Chancen genutzt, die sie hatten. Dabei waren wir eigentlich das bessere Team“, sagte Berlins Torschütze Jonas Müller.

Dass die Eisbären das Spiel am Ende nicht mehr zu ihren Gunsten gestalten konnten, lag allerdings nicht an mangelnder Fitness. Anders als noch am Dienstag beim deutlichen 1:5 in München wirkten die Spieler nicht müde. Der freie Donnerstag hatte noch einmal Reserven freigesetzt und Florian Busch zufolge, gibt es in den Play-offs ohnehin „keine Müdigkeit“.

Das Powerplay bleibt der größte Schwachpunkt bei den Eisbären

Das größere Problem war am Freitag wieder einmal das harmlose Powerplay. Im letzten Drittel konnten die Eisbären vier Minuten lang mit einem Mann mehr spielen, sie brachten dabei genau einen Torschuss zustande. „Im Powerplay muss natürlich mehr kommen. Da muss sich jeder an die eigene Nase fassen“, sagte Busch. Allerdings sei es gegen München auch nicht so einfach in Überzahl. „Die spielen sehr aggressiv, da ist es dann schwer, in die Aufstellung zu kommen. Vielleicht müssen wir das Powerplay so wie ein fünf gegen fünf sehen.“

Dass sich die nun schon die gesamte Saison andauernde Schwäche in Überzahlsituationen bis zum Sonntag beheben lässt, ist eher unwahrscheinlich. Die Eisbären haben aber gezeigt, dass sie in fast allen anderen Bereichen mit dem Gegner mithalten können. Auch deshalb glaubt Busch: „Insgesamt müssen wir nicht viel anders machen. Wir müssen einfach unseren Spielplan durchziehen.“

Dennoch ist die Lage für die Eisbären schwierig bis hoffnungslos, nicht nur wegen der Statistik. Das Münchner Spiel behagt den Berlinern ganz offensichtlich nicht, gerade im Angriff entwickelt die Mannschaft bisher in der Serie zu wenig Durchschlagskraft. In der gegnerischen Zone gewinnt Krupps Team einfach zu wenige Zweikämpfe, das Schussverhältnis nach vier Spielen lautet 156:103 für die Bayern. Und nur drei Berliner Tore in den vergangenen drei Spielen sind viel zu mager, um das Duell im Ergebnis offener zu gestalten.

Wenn es den Eisbären gelingt, vor Münchens Goalie Danny aus den Birken mehr Betrieb zu veranstalten, ist vielleicht noch nicht alles verloren. Dazu sollten sie häufiger eigene Spieler vor dem Tor des Gegners positionieren, und die müssen sich dort dann auch behaupten. Aus den Birken wurde bisher viel zu selten aus der Ruhe gebracht, auch deshalb liegen die Bayern so komfortabel vorn.

Hängen lassen werden sich die Berliner am Sonntag aber sicherlich nicht. „Die Hoffnung ist immer noch da, sie stirbt ja bekanntlich zuletzt“, sagte Florian Busch und erinnerte an das erste Spiel des Halbfinals: „Wir wissen, dass wir in München gewinnen können. Warum soll das nicht wieder passieren?“

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