Eisbären-Fans : Indianer im Konfettiregen

2000 Fans begleiteten die Eisbären nach Wolfsburg – das gab es noch nie. Die Berliner Anhänger feierten Karneval in der Autostadt und trieben ihre Mannschaft zum 5:3-Sieg im Spitzenspiel. Der Trainer und der Kapitän bedanken sich.

Ron Ulrich[Wolfsburg]

Die Aufregung war allen auf dem Parkplatz vor der Wolfsburger Arena anzumerken. „Kommt nach vorne, das müsst ihr euch ansehen“, rief ein Eisbären-Fan. Eilig hasteten die gerade aus dem Bus gestiegenen Anhänger los, um am Spektakel im Vorfeld der Spitzenpartie der Deutschen Eishockey-Liga, Wolfsburg gegen die Eisbären, teilzunehmen. Was sich vor den Eingangstoren abspielte, ähnelte Szenen aus dem Karneval. Schottenröcke, Indianerverkleidungen, Konfettiregen – die Fans der Eisbären feierten ausgelassen sich selbst. „Wir haben ein Heimspiel in Wolfsburg“, stimmten sie an.

Etwa 2000 Eisbären-Fans hatten die Reise ins 240 Kilometer entfernte Wolfsburg angetreten, fast so viele wie die Niedersachsen sonst insgesamt in der Arena begrüßen. „Mensch, was ist denn hier los?“, fragte denn auch ein Fan der Wolfsburger. „So viele Eisbären wie heute waren noch nie bei einem Auswärtsspiel außerhalb Berlins“, freute sich Fankoordinator Robbi Haschker. „Viele waren heute zum ersten Mal auswärts dabei und hellauf begeistert.“

Er meinte damit auch die jungen Eisbären-Fans. Zu den neun Fan-Bussen, die am Sonntagmorgen um 9 Uhr gen Wolfsburg aufbrachen, gehörten gleich zwei zum Kids-Club der Eisbären, einem Fanklub für Kinder im Alter von zwei bis 14 Jahren. Für sie wurde die erste Auswärtsreise ein Erlebnis.

Denn neben den atmosphärischen Rahmenbedingungen begeisterten auch die Spieler beim 5:3-Erfolg gegen den Titelrivalen. Bereits nach zwei Dritteln führten sie glatt mit 5:0. „Für uns war es wichtig, zu Beginn die Zweikämpfe zu gewinnen“, sagte Trainer Don Jackson gewohnt sachlich. Angesprochen auf die Unterstützung von den Rängen, sprudelte es aus ihm heraus: „Ganz großer Dank an unsere Fans, sie haben gehörigen Anteil an diesem Sieg.“

Kapitän Stefan Ustorf war noch lange nach Spielschluss in den Katakomben von der Kulisse beeindruckt: „Das war fast eine Atmosphäre wie im alten Welli.“ Nun wolle man Platz eins zurückerobern. Zwar liegt Wolfsburg drei Punkte in Front, doch der Auftritt der Berliner am Sonntag untermauerte die Ansprüche auf Platz eins: Sie agierten aggressiv, effektiv und spielfreudig wie beim 2:0 durch Rankel. „Das war in den ersten beiden Dritteln die beste Saisonleistung“, sagte Trainer Jackson.

Die hundert Mitgereisten des Kids-Clubs hatten bei der Ankunft um 21 Uhr in Hohenschönhausen noch immer leuchtende Augen. Als die älteren Fans später den „Auswärtssieg“-Gesang anstimmten, wendete ein Kind ein: „Das war doch heute ein Heimspiel.“

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