Eisbären - Freezers 4:2 : Ein Sieg, der die Firma schädigt

Die Eisbären sind nach einem 4:2-Erfolg im Duell der Anschutz-Klubs gegen Hamburg auf sicherem Play-off-Kurs. Die Chancen der Freezers sind dagegen auf ein Minimum gesunken.

Claus Vetter
Eisbären Berlin vs. Hamburg Freezers
Viel zu tun. Hamburgs Torwart Jean-Marc Pelletier musste viermal nach Toren der Eisbären hinter sich greifen.Foto: Digitalfoto Matthias

Berlin - Zwei Klubs in der Deutschen Eishockey-Liga (DEL) gehören der Anschutz-Gruppe, die Eisbären und die Hamburg Freezers. Und das aus den USA kommende Unternehmen ist kein Wohltätigkeitsverein. Anschutz will mit seinen Teams Geld verdienen, auch über die Hauptrunde der DEL hinaus. Mit den Eisbären, zurzeit Tabellenzweiter, sollte es da keine Probleme geben. Elf Spieltage vor Ende der Hauptrunde sind die Berliner so gut wie in den Play-offs. Bei den Freezers sieht es anders aus. Teilschuld daran tragen ironischer Weise die Eisbären, die am Sonntag vor 14 200 Zuschauern in der ausverkauften neuen Berliner Arena 4:2 (2:1, 1:0, 1:1) siegten. Nach der Niederlage beim anderen Firmenklub sind Hamburgs Chancen auf die Endrunde auf ein Minimum gesunken.

Es war ein bitterer Nachmittag für Hamburg, und Paul Gardner seufzte nach Spielschluss entsprechend laut. Der Hamburger Trainer mit dem mächtigen Schnauzer und der breiten Krawatte sagte: „Uns gleitet die Chance, doch noch an den Play-offs teilzunehmen aus den Händen. Wenn ich nur einen Spieler wie den Peter John Lee im Team hätte, sähe das anders aus.“ Gardner ist mit Lee einst in Nordamerika zusammen über das Eis gefegt. Der heutige Manager der Eisbären hat aber keine Lust, in Hamburg auszuhelfen. „Das erspare ich mir lieber“, sagte Lee und lachte. Die Eisbären konnten sich auch freuen. „Wir spielen zurzeit zwar nicht unser bestes Eishockey“, sagte Trainer Don Jackson. „Aber die Mannschaft reagiert immer gut nach einer Niederlage, diesmal nach dem 3:6 in Frankfurt. Das gefällt mir.“

Eine Firma, zwei Philosophien: Während die Berliner Filiale seit Jahren auf Förderung des Nachwuchses setzt, wurde in Hamburg ein ausländischer Profi nach dem anderen verpflichtet – und im Regelfall nach einer Saison wieder ausgetauscht. So langsam aber scheint Geschäftsführer Boris Capla angesichts zuverlässig ausbleibenden Erfolgs seine Taktik zu ändern. Wenn man in Hamburg schon nicht in der Lage ist, dem Beispiel Berlin nachzueifern, so kann man sich ja wenigstens dort bedienen: Sechs ehemalige Berliner liefen am Sonntag für die Freezers auf.

Zunächst waren die Hamburger aber nur Zuschauer. Nach drei Spielminuten hatte Mark Beaufait Hamburgs guten Torwart Jean-Marc Pelletier überwunden, und nur 59 Sekunden später hämmerte Deron Quint den Puck ins linke Toreck - 2:0. Der Sieg der Eisbären schien früh beschlossene Sache zu sein, die Berliner Fans sangen schon von den Play-offs: „Wir spielen Play-offs und was macht ihr über Ostern?“ Doch die Hamburger kämpften sich ins Spiel. Eisbären-Verteidiger Jens Baxmann leistete Entwicklungshilfe, als er den Puck vor dem eigenen Tor verlor. Wenig später stand es nur noch 2:1, Thomas Pielmeier hatte getroffen – ein ehemaliger Berliner. Erst im Mittelabschnitt konnten die laufstärkeren Eisbären wieder Kapital aus ihren Künsten schlagen. Zunächst testete Florian Busch den Fanghandschuh von Pelletier, dann konnte er den Hamburger Torwart überwinden. Der Treffer zum 3:1 war die Vorentscheidung.

Im letzten Drittel erreichte die Stimmung auf den zum zehnten Mal in dieser Saison ausverkauften Tribünen dann besseres Niveau als das Restspiel. Die Eisbären entfachten noch zarten Offensivdrang, schließlich ging es ihnen auch darum, den Gegner für die peinliche 1:6-Niederlage am zweiten Weihnachtstag abzustrafen. Das gelang aber nicht. Jens Baxmann legte zwar noch zum 4:1 nach, doch Francois Fortier traf auch noch für Hamburg. Immerhin war Baxmann erleichtert, dass sein Lapsus aus dem ersten Drittel keine Konsequenzen hatte. „Durch meinen Fehler sind die Freezers noch herangekommen, das war schon ärgerlich“, sagte er.

Damit haben die Eisbären das Firmenderby von Anschutz in dieser Saison damit auch gewonnen: Mit drei Siegen in vier Spielen. Wobei sich der Firmenchef aus den USA am Sonntag wohl ein anderes Ergebnis gewünscht haben dürfte.

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