Eisbären gegen Adler : Jenseits von Lampertheim

Die Adler Mannheim fördern mit viel Geld den Nachwuchs, nur spielt der dann anderswo – zum Beispiel bei den Eisbären. Am Sonntag beginnt in Berlin die Halbfinalserie zwischen den beiden Favoriten auf den Titel.

Claus Vetter
Eisbaeren Berlin - Adler Mannheim Foto: Napierski
Kommt ein Eisbär geflogen. Der Berliner Florian Busch (rechts) und Prestin Ryan.Foto: Napierski

Es gibt eher wenige architektonische Höhepunkte in Mannheim. Wer sich touristisch umschauen will, der versucht es lieber ein paar Kilometer weiter in Heidelberg. Ein Bauwerk in der Rhein-Neckar-Metropole ist allerdings kaum zu übersehen: Vor ein paar Jahren hat Deutschlands inzwischen bekanntester Sportmäzen Dietmar Hopp in Bösfeld, fast am Autobahnkreuz Mannheim, eine riesige Arena hinsetzen lassen, die besonders Abends aufgrund ihres illuminierten Daches ein unvermeidbarer Hingucker ist. Wer sich näher an das Riesenbauwerk heranwagt, sieht zudem zwei kleinere angegliederte Hallen – Eishockeytrainingshallen. Dort soll der Mannheimer Nachwuchs groß werden, damit er später einmal in der Riesenarena spielen kann. Bei den Adlern, dem Klub von Dietmar Hopp.

Die Bedingungen, die Hopp bei den Adlern seit seinem Einstieg vor zehn Jahren geschaffen hat, sind in Deutschland einzigartig. 1999 schuf der Unternehmer das Projekt „Jungadler“, in das Sportinternat wurden Talente aus ganz Deutschland gelockt. Mit Erfolg: Von den jüngsten neun Meisterschaften in der Deutschen Nachwuchs-Liga (DNL) gewannen die Jungadler sieben. Und inzwischen spielen etliche einstige Jungadler als Profis in der Deutschen Eishockey-Liga (DEL) – allerdings überall, und kaum in Mannheim.

Die Berliner Busch und Braun waren einst im Mannheimer Sportinternat

Einen flinken Stürmer wie Florian Busch oder einen stämmigen Verteidiger wie Constantin Braun – solche Spieler hätten sie gerne im DEL-Team der Adler. Hätten sie auch haben können: Die beiden Profis waren im Mannheimer Sportinternat, doch inzwischen sind sie in Berlin, bei den Eisbären. Wenn heute zum Auftakt der „Best-of-five“-Serie die Mannschaften in der Arena am Ostbahnhof auflaufen, dann werden die Berliner Fans ihren „Buschi“ bejubeln, sich auf Constantin Braun freuen und die Anhänger der Adler werden gestandene Kanadier wie René Corbet oder Pascal Trepanier feiern. Denn: Wer in Mannheim Eishockey lernt, der verdient sein Geld später anderswo. Constantin Braun, aus Lampertheim unweit von Mannheim stammend, weiß warum: „In Mannheim ist das Problem, dass die Mannschaft alle zwei, drei Jahre komplett ausgetauscht wird. Die holen teure Ausländer, dann drei, vier erfahrene deutsche Spieler und für die jungen Spieler ist kein Platz.“ Mit Frank Mauer bekomme zurzeit gerade mal ein junger Mannheimer Spielpraxis im DEL-Team. „Im Endeffekt hat der Klub nichts von seinem Projekt.“

Eisbären-Manager Lee lobt die Mannheimer Nachwuchsarbeit

Ein vernichtendes Urteil, das auch im Umfeld des Klubs schon häufig gefällt worden ist. „Die nehmen den Hopp aus wie eine Weihnachtsgans“, ist dort von einem Insider zu hören. Beim Halbfinalgegner Eisbären allerdings will sich der Manager zu derlei heftiger Kritik nicht hinreißen lassen. „In Mannheim wird sehr gute Nachwuchsarbeit geleistet“, sagt Peter John Lee. „Die haben eben ein anderes Konzept als wir. Die versuchen mit vielen erfahrenen Spielern das Risiko des Nicht-Erfolgs zu minimierem. Denn was wir in Berlin seit Jahren machen, einen jungen Deutschen nach dem anderen in das DEL-Team zu integrieren, ist mit viel größerem Risiko behaftet.“ Allerdings war das Modell Berlin zuletzt erfolgreicher als das Mannheimer: In den vergangenen Jahren wurden die Eisbären drei Mal Deutscher Meister, die Adler nur einmal.

Peter John Lee sieht die Ursache für die Mannheimer Ungeduld im öffentlichen Druck. „Die müssen ja schließlich auch ihre große Halle voll bekommen. Der Mannheimer Fan ist erfolgsverwöhnt.“ Aber ließe sich Erfolg nicht auch mit ein wenig mehr Vertrauen in den eigenen Nachwuchs realisieren? Schließlich spielt ja nicht jeder mit 18 Jahren schon so gut wie der gebürtige Mannheimer Jochen Hecht, inzwischen seit Jahren Starstürmer in der National Hockey League (NHL). Lee sagt: „Wovon habe ich mehr: Von sieben DNL-Meisterschaften oder von sieben jungen deutschen Spielern in meinem Profiteam?“ Schon verstanden: Erfolg lässt sich auch kontinuierlich aufbauen und nicht nur einkaufen. Wobei die Mannheimer diese These natürlich umdrehen könnten. Bei einem Erfolg über die Eisbären.

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