Eisbären-Gegner Ingolstadt : Chernomaz will es richten

Zwei Spiele, zwei Niederlagen: Ingolstadts neuer Trainer Rich Chernomaz ist am Freitag beim Spiel in Berlin schon unter Druck.

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In Frankfurt lief es besser. Rich Chernomaz.
In Frankfurt lief es besser. Rich Chernomaz.Foto:dpa

Rich Chernomaz hat schon vor zwei Wochen das gemacht, was er am besten kann. Der Kanadier hat als Eishockeytrainer gearbeitet. Er hat den Nachwuchs in Bad Nauheim betreut. Chernomaz hat sich nach dem plötzlichen Aus bei seinem insolvent gegangenen Arbeitgeber Frankfurt Lions aus der Deutschen Eishockey-Liga (DEL) in Bad Nauheim fit gehalten. Er habe Geduld, hatte er gesagt, es werde sich schon etwas anbieten. Nur elf Spieltage dauert es, da musste in der DEL schon der erste Trainer gehen – und Chernomaz konnte kommen, zum ERC Ingolstadt.

Als Nachfolger von Greg Thomson unterschrieb der Kanadier für zwei Jahre in Bayern. „Ich bin mir absolut sicher, dass wir die richtige Wahl getroffen haben“, sagt Ingolstadts Sportdirektor Jim Boni.

Mit den Kölner Haien holte Chernomaz im Jahr 2002 deren vorerst letzten Meistertitel, in der Saison 2003/2004 ging er zu den Frankfurt Lions und schlug in der Finalserie die favorisierten Eisbären Berlin. Unter Chernomaz wurden die Frankfurter eine Konstante in der DEL – wie ihr Trainer. Keiner hat bis zum Aus in Frankfurt so lange einen Klub betreut wie der Kanadier. Doch das ist vorbei.

Nun also geht es für den 47 Jahre alten Mann mit den herben Gesichtszügen in Ingolstadt weiter. Mit Chernomaz kommt im Normalfall der Erfolg. Harte Arbeit ist sein Motto, so wie er das auch schon als Spieler praktiziert hat. Als Profi war er ein Kämpfer, die Narben in seinem Gesicht zeigen die Spuren. Auch als Coach ließ er seine Teams in Schwenningen, Augsburg, Köln und Frankfurt an der Schmerzgrenze des Regelwerks agieren. In Köln haben ihn zwei Journalisten daher einst als „die Axt von Manitoba“ getauft.

Deswegen ist er mit anderen Trainern auch schon mal aneinandergeraten – etwa vor drei Jahren mit seinem damaligen Berliner Kollegen Pierre Pagé. Der hatte vor den Pre-Play-offs die Frankfurter unfairer Gangart bezichtigt. Eine verbale Replik von Chernomaz gab es nicht, dafür hängte der Trainer einen Spruch von Pagé in der Frankfurter Mannschaftskabine auf. Dort stand geschrieben: „Frankfurt ist ein aggressives Team, das viele Strafzeiten nimmt.“ Was Chernomaz damit erreichen wollte? „Darüber können sich andere Gedanken machen“, sagte er. Die Frankfurter gewannen schließlich die Serie gegen die Eisbären. „Man muss seine Spieler jeden Tag motivieren, immer einen neuen Weg der Ansprache finden.“ So laute seine Philosophie. Und: „Du hast nur die Spieler, die du hast. Wichtig ist, dass du ihnen keine Möglichkeit der Entschuldigung für eine schlechte Leistung gibst.“

Bislang allerdings ist der Trainer für die schlechten Leistungen seiner neuen Mannschaft in Erklärungsnotstand geraten. Das Debüt von Chernomaz hinter der Bande von Ingolstadt ging beim 0:2 gegen Wolfsburg daneben, das zweite Heimspiel unter neuer Regie verloren die Bayern dann 2:6 gegen Mannheim. Immerhin hatte der Trainer da eine Leistungssteigerung bei seinem Personal gesehen. Die Mannschaft habe großes Potenzial, glaubt der Trainer immer noch: „Und das wollen wir gemeinsam ausschöpfen – durch harte Arbeit.“ Und wenn es nach Chernomaz geht, dann sollen die Spieler des Tabellenvorletzten ihr Potenzial am Freitag endlich ausschöpfen – beim Spiel in Berlin, bei den Eisbären (Beginn 19.30 Uhr, O2-World).

Ingolstadt bekommt für das Spiel am Freitag Verstärkung: Felix Schütz darf erstmals in dieser Saison für die Bayern spielen, der 22 Jahre alte Nationalspieler erhielt von den Buffalo Sabres eine Freigabe. Schütz war bei dem Klub aus der National Hockey League (NHL) nicht zum Einsatz gekommen und wollte nicht weiterhin im Farmteam spielen. Bereits seit Tagen trainierte er in Ingolstadt mit, nun erhielt er einen Zwei-Jahres-Vertrag bei den Bayern.

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