Eisbären-Gegner München : Ein Neuling mit Tradition

Aufsteiger EHC München ist die Überraschungsmannschaft der DEL. Zuletzt bezwang sie die Hamburg Freezers mit 7:4. Am Samstag warten die Eisbären.

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Lautstark: Münchens Trainer Pat Cortina
Lautstark: Münchens Trainer Pat CortinaFoto: picture-alliance / Stefan Matzke

Manchmal ist kaum zu fassen, welche Kräfte pure Euphorie freisetzen kann. „Was wir hier geschafft haben, stimmt mich rundherum zuversichtlich. Es macht unglaublich viel Spaß“, sagt Joseph Heiß, den alle nur Peppi nennen. Und wenn man Peppi Heiß so zuhört, könnte man meinen, er hätte gerade einen der erfüllendsten Jobs überhaupt. Der frühere Nationaltorwart arbeitet als Kotrainer beim EHC München und erlebt dort jeden Tag aufs Neue, „wie sich die Spieler reinhängen“. Erst am Donnerstag schlugen sie die Hamburg Freezers mit 7:4 und kletterten auf den dritten Tabellenrang der Deutschen Eishockey-Liga (DEL). Zugetraut hatte das dem Aufsteiger – keiner.

Selbst der Münchner Manager Christian Winkler gab zu Beginn der Saison die Maßgabe aus, dass „alles, was nicht der letzte Platz ist, schon ein Erfolg wäre“. Zu unerfahren schienen die Spieler, zu unterbesetzt der Kader, der größtenteils noch aus den gleichen Profis besteht wie zu Zweitligazeiten. Doch nachdem die Münchner, getrieben von der Freude am erstklassigen Sport, vor gar nicht allzu langer Zeit die Spitzenposition in der DEL übernommen und die deutsche Eishockeywelt auf den Kopf gestellt hatten, musste so mancher Experte sein Urteil revidieren. Einige verglichen den Aufsteiger sogar schon mit dem FSV Mainz 05, der die Fußball-Bundesliga durcheinanderwirbelt.

Nun wäre es vermessen, dem EHC München im ersten DEL-Jahr gleich die Meisterschaft zuzutrauen. Völlig abwegig ist der Vergleich zum Fußball aber keineswegs, immerhin „hat der Fußball diese Stadt die letzten 20 bis 30 Jahre dominiert“, sagt Heiß, „es gibt hier aber auch eine Tradition im Eishockey“. Einerseits. Anderseits ist diese durch jede Menge Turbulenzen in der Vergangenheit immer wieder angekratzt worden. Hedos, Maddogs, Barons: Ambitionierte Teams gab es im Münchner Eishockey schon viele, doch Umbenennungen, Pleiten oder die Versetzung in andere Städte machten auch vieles kaputt.

Im Jahr 2002 wurden nach dem Willen des Eigners aus den Barons die Freezers; und aus München Hamburg. Zurück blieben laut Christian Winkler „jede Menge Skeptiker“. Acht Jahre später hat die Stadt wieder erstklassiges Eishockey. Und die Aufgabe seines Teams bestehe nun auch darin, „Glaubwürdigkeit wieder herzustellen“. Zu diesem Zweck hat der Manager einen Dreijahresplan ausgearbeitet. „Im ersten Jahr soll das Fundament geschaffen werden, im zweiten will man ernsthaft um die Pre-Play-off-Plätze mitspielen und im dritten sollen die Play-offs erreicht werden“, erzählt Winkler. Dass die von Pat Cortina trainierte Mannschaft seinem eigenen Entwurf im ersten DEL-Jahr schon voraus ist, lässt ihn schmunzeln. „Wir sind natürlich mehr als zufrieden“, sagt Christian Winkler. „Aber wir bleiben realistisch.“ Was bleibt ihnen auch anderes übrig?

Zwar hat das Eishockeyteam mit dem Aufstieg geschafft, was die Basketballabteilung des FC Bayern in dieser Saison noch anstrebt, die logistischen Herausforderungen aber bleiben. Im Moment teilen sich Basketballer und Eishockeyspieler noch einen Standort. Und mehr als 3000 Zuschauer im Schnitt konnte der EHC noch nicht in die Olympiahalle locken. Also hofft man auf den im Zusammenhang mit der Bewerbung um die Olympischen Winterspiele 2018 geplanten Neubau – und auf die Wertsteigerung des eigenen Unternehmens. „Immerhin sind wir ein richtiger Verein“, sagt Heiß mit Blick auf die Vergangenheit. „Wir sind hier groß geworden und bauen langfristig etwas auf.“

Etwas aufbauen. Verstohlen blicken die Münchner bei diesem Stichwort Richtung Berlin, wo aus 5000 Kiez-Zuschauern über die Jahre ein Zuschauerschnitt von rund 14 000 erwachsen ist. „Das sollte sich jeder zum Vorbild nehmen“, sagt der EHC-Manager. „Für viele meiner Spieler ist es ein Traum, in der Berliner 02-World zu spielen.“ Wenn die Münchner heute beim großen Vorbild EHC Eisbären antreten (18.30 Uhr), steigt die Erstliga-Euphorie im Team noch einmal. Christian Winkler sagt: „Da sind wir noch ein bisschen motivierter als sonst.“

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