Eisbären-Gegner RB München : Deron Quint: Superman des Understatements

Auch mit 41 ist Deron Quint noch einer der besten Verteidiger bei RB München. Am Dienstag empfängt der amtierende Meister die Eisbären zum dritten Halbfinalspiel.

Karriere noch nicht überdehnt. Quint war nach Scorerpunkten in der Hauptrunde Münchens zweitbester Verteidiger. Foto: Gepa/Imago
Karriere noch nicht überdehnt. Quint war nach Scorerpunkten in der Hauptrunde Münchens zweitbester Verteidiger. Foto: Gepa/ImagoFoto: Gepa/Imago

Don Jackson ist ja mit 60 Jahren selbst nicht mehr der Allerjüngste. Und als der Trainer von RB München nun am Sonntagabend nach dem Spiel bei den Eisbären Berlin gefragt wurde, warum er denn stets mit sieben Verteidigern spielen lasse, da schmunzelte er und murmelte etwas von „älteren Herren“, die mit kurzen Einsatzzeiten besser bedient seien. Zwei der besten Verteidiger des Meisters spielten nämlich schon zu Jacksons Hochzeit bei den Eisbären eine große Rolle: Richie Regehr (mittlerweile 34 Jahre) und Deron Quint, im März 41 Jahre alt geworden.

Am Sonntag stand Quint beim einzigen Gegentreffer auf dem Eis. Das passiert ihm sonst eher selten, dem guten Schlittschuhläufer mit dem noch besseren Spielverständnis und dem starken Schuss. Quint ist mit 41 noch einer der besseren Verteidiger in der Deutschen Eishockey-Liga (DEL).

Seit einem Jahr ist Quint in München, er ist seinem Lieblingstrainer Don Jackson gefolgt. Den kennt er aus seinen Jahren bei den Eisbären und auf den Landsmann hält der US-Amerikaner große Stücke. Der beste Trainer unter dem er je gearbeitet habe, sei Jackson, „vor allem menschlich“. Aber sicher ist Quint auch in München, weil er in der DEL im Spätherbst seiner Karriere besser aufgehoben ist als in der unter russischer Regie stehenden KHL. Acht Jahre hat er in der besten Liga Europas gespielt, war mitunter einer der Großverdiener der Liga, in die er 2009 direkt von Berlin aus wechselte – obwohl Eisbären-Manager Peter John Lee es fast verhindert hätte. Er habe Quint gesagt: „Lass mich mit den Russen reden, ich sehe schon, ob das für dich passt“, erzählte Lee mal im Scherz.

Aber Quint war wegen seiner Qualität nicht zu halten, schon 2007 hatte er das Kunststück fertig gebracht, nach dem Play-off-Aus der Eisbären für ein paar Spiele in der National Hockey-League (NHL) bei den New York Islanders auszuhelfen. So etwas schafft nur ein ganz Großer, der Quint dann auch in Russland bei vier verschiedenen Klubs war. „Russland war eine unglaubliche Erfahrung“, sagt er, „da habe ich zum Beispiel in Tscheljabinsk mit einem Jewgeni Kusnezow zusammengespielt.“ Kusnezow ist heute ein Star in der NHL, Quint war in der NHL in fast 500 Spielen ein starker Verteidiger – wie auch in der KHL, wo er hinter Kusnezow in dessen erstem Profijahr zweitbester Scorer war. Und dann hat Quint auch bei der WM 2011 in Deutschland für das Team USA gespielt. „Neben dem großen Phil Housley“, sagt er.

Quint will in diesem Jahr mit Team USA auch an der WM teilnehmen

Deron Quint macht sich kleiner als er ist. Wenn er sich groß macht, spielt der Mann mit dem charakteristischen Bart (Stil „Short Boxed“, fast so wie Samuel L. Jackson in „Pulp Fiction“) auch mal den Team-Unterhalter. Unter seinem Trikot trägt er ein Superman-Shirt. Tore kann Quint aber noch schießen – wenn auch nicht mehr so wie 2006 oder 2008, als er die Eisbären mit fünf und sechs Treffern in den Play-offs mit zum Titel schoss.

Der Mann aus Durham im US-Bundesstaat North Carolina sieht sich nach über 20 Jahren Profi-Eishockey noch nicht am Ende seiner Karriere, zumal es ihm in München besonders gut gefällt. Das Oktoberfest und die bayrische Kultur haben es ihm angetan. „Und dann ist die Stadt sehr familienfreundlich.“ Es sei doch ein Privileg, als Eishockeyprofi so viel in der Welt herumzukommen und so viel kennen zu lernen, sagt er. „So lange ich mich gut fühle, werde ich spielen.“ Nahziel sei für ihn nach der gewonnenen Meisterschaft mit München die WM–Teilnahme mit den USA im Mai. „Das ist ja in Köln, da hätte ich es nicht so weit“, sagt Deron Quint und lacht.

Aber erst einmal stehen die Eisbären an, die sich in den beiden Play-off-Spielen gegen München als starker Gegner erwiesen – auch wenn sie dem 3:2 nach Verlängerung in München vom Freitag am Sonntag in Berlin ein weniger inspiriertes 1:2 folgen ließen. Vor dem dritten Spiel am Dienstag in München (19.30 Uhr, live auf Sport 1) steht es in der nach dem Modus „Best of Seven“ ausgetragenen Halbfinalserie unentschieden. Quint überrascht die Berliner Gegenwehr nicht: „Die Eisbären spielen hart, sie sind eine andere Mannschaft als in der Hauptrunde. Das wird hart für uns, aber das wussten wir schon vorher.“ Erfahrungswerte eben, ein Vorteil des Alters.

Alles zu den Eisbären und zur Halbfinalserie gegen München lesen Sie in unserem Blog.

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