• Eisbären-Geschäftsführer im Interview: Peter John Lee: „Unsere Ansprüche sind andere“

Eisbären-Geschäftsführer im Interview : Peter John Lee: „Unsere Ansprüche sind andere“

Eisbären-Geschäftsführer Peter John Lee spricht im Interview über die Enttäuschung nach dem Aus und Baustellen im Klub.

von
Das können wir noch besser. Peter John Lee (rechts) mit Trainer Uwe Krupp.
Das können wir noch besser. Peter John Lee (rechts) mit Trainer Uwe Krupp.Foto: picture alliance / dpa

Peter John Lee, wo waren sie am Sonntagnachmittag? Auf einem Spaziergang durch den Münchner Olympiapark?

Ich war in der Münchner Halle und habe mir unser Spiel angeschaut. Sie spielen darauf an, dass ich das in Vergangenheit nicht konnte – und das stimmt. Als die Eisbären 2013 gegen Köln das letzte Finale gewannen, war ich auf einem Spaziergang in Kreuzberg unterwegs. Ich leide einfach zu viel bei solchen Spielen.

Wie groß war Ihr Schmerz, als die Saison für die Eisbären mit der Niederlage im fünften Halbfinalspiel endete?
Das hat eine Wunde gerissen. Ich dachte, wir holen da in der Halbfinalserie mehr raus. Bis auf das dritte Spiel, in dem wir beim 1:5 chancenlos waren, waren wir mit denen auf Augenhöhe. Deshalb können wir nicht sagen, dass jetzt das Ergebnis für uns befriedigend wäre.

Aber an sich ist das Erreichen des Halbfinals ein Erfolg für Ihren Klub?
Nein.

Zuvor sind die Eisbären zwei Mal in den Pre-Play-offs ausgeschieden, dann im Vorjahr im Viertelfinale, das ist doch eine Steigerung, oder?
Das sieht vielleicht nach Fortschritt aus, unsere Ziele aber sind andere. Wir wollten auch diesmal den Titel gewinnen und wir hätten daher jetzt gerne noch weitergespielt. Das Heimspiel am Mittwoch hatte ich innerlich fest eingeplant.

Wird Ihr Saisonfazit noch negativer, wenn Sie das Gesamtbild betrachten? Die Hauptrunde verlief ja sehr holprig und am Ende sprang nur Platz acht heraus.
Bei aller Euphorie über die von uns eng gestaltete Halbfinalserie gegen München dürfen wir nicht vergessen, dass die Saison insgesamt nicht so besonders war. Vergangenes Jahr waren wir in der Hauptrunde Zweiter und sind im Viertelfinale rausgeflogen, diesmal war es quasi andersrum. Schwache Hauptrunde, aber Halbfinale. Beides ist nicht befriedigend. Wir werden uns jetzt Gedanken machen, was wir besser machen können.

"Mit Uwe Krupp sind wir sehr zufrieden"

Zum Beispiel?
Die Kaderplanung, da müssen wir einiges verbessern. Dann geht es darum, noch mehr junge Spieler an das Niveau heranzuführen. So wie Jonas Müller, der hat doch eine Super-Saison gespielt. Er ist eine Investition in die Zukunft, ein starker deutscher Verteidiger. Dass er nun mit einem Fehler die Niederlage im letzten Spiel eingeleitet hat – das kann passieren, daraus lernt er nur.

Ihre einstigen deutschen Leistungsträger um Kapitän André Rankel werden nicht jünger, wie sieht da die Planung aus?
Natürlich, das ist eine Baustelle. Da werden wir uns perspektivisch neu orientieren müssen. Wie gesagt: Wir brauchen mehr Spieler wie Jonas Müller. Die stehen aber nicht Schlange, sondern an deren Entwicklung müssen wir arbeiten.

Müssen Sie aufpassen, dass der Abstand zu einem Klub wie München nicht noch größer wird? Dort wird viel mehr Geld für Spieler ausgegeben als in Berlin.
München ist in anderen Regionen unterwegs. Wir müssen nicht nur mit Geld, sondern auch mit Ideen dagegenhalten.

Wie fällt denn das Zeugnis für die Herren aus, die neben Ihnen Ideen haben müssen? Wie zufrieden sind Sie mit der Arbeit von Trainer Uwe Krupp, Co-Trainer Stéphane Richer und Sportdirektor Stefan Ustorf?
Mit Uwes Arbeit sind wir sehr zufrieden. Was alle anderen Planungen betrifft, kann ich noch nichts sagen. Mit Stéphane und Stefan werde ich gemeinsam alles analysieren und dann werden wir entscheiden, wie oder ob das weitergeht mit uns. Was die Spieler betrifft, da werde ich mir bis zum Wochenende ein Bild machen, wer bleibt und wer geht.

So kommen wir nicht mehr zusammen. Für die Spieler der Eisbären ist nach dem 1:2 von München die Saison in der Liga vorbei.
So kommen wir nicht mehr zusammen. Für die Spieler der Eisbären ist nach dem 1:2 von München die Saison in der Liga vorbei.Foto: Sven Hoppe/dpa

Was sagt denn Ihr Aufsichtsratsvorsitzender Luc Robitaille eigentlich? Hat er das Spiel am Sonntag in Los Angeles verfolgt?
Luc hat alle Play-off-Spiele von uns gesehen. Ich habe schon mit ihm gesprochen. Er sagt: Mist.

Das ist sehr aussagekräftig…
Nein, natürlich hat er nicht nur das gesagt. Luc hat eine ausführliche Meinung zum Thema Eisbären in den Play-offs und sieht schon einen Fortschritt in der Mannschaft. Es liegt jetzt eben sehr viel Arbeit vor uns, die nächste Saison beginnt praktisch jetzt. Aber das ist alles nicht so einfach, wenn die Wunden der gerade zu Ende gegangenen Saison noch nicht verheilt sind.

Zumindest Ihnen hat die Saison aber etwas gebracht, Sie schaffen es nun, auch entscheidende Spiele live im Stadion anzuschauen.
Das habe ich schon gegen Straubing in den Pre-Play-offs und dann in Mannheim im Viertelfinale geschafft. Aber ehrlich gesagt, war es sehr anstrengend für mich. Ich weiß nicht, ob ich mir das wieder antun muss. Vielleicht spaziere ich nächstes mal doch lieber durch den Münchner Olympiapark oder durch Kreuzberg. Dann aber hoffentlich während der Finalserie.

Peter John Lee, 61, ist aktuell Geschäftsführer der Eisbären. Seit 1995 arbeitet der ehemalige NHL-Profi im Klub, für den er schon als Spieler, Trainer und Manager aktiv war.

Autor

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben