Sport : Eisbären haben es eilig

Nach nur zwei Stunden ist Krefeld im ersten Halbfinalspiel um die Eishockey-Meisterschaft mit 4:1 besiegt

Claus Vetter

Berlin. Als Butch Goring, Trainer aus Krefeld, hörte, wie sich sein Kollege vom EHC Eisbären auf die Halbfinalserie gegen die Pinguine vorbereitet hat, war der Kanadier amüsiert. Pierre Pagé hatte verlauten lassen, dass er sich nur Aufzeichnungen von Krefelder Spielen angeschaut hätte, welche die Pinguine verloren haben. „Da hat der Pierre aber lange vorm Fernseher gesessen“, hatte Goring gesagt. Natürlich, das war ein Scherz. Kein Scherz ist hingegen, dass Eisbären-Trainer Pagé seit gestern eine neue Kassette von einer Partie der Rheinländer in seinen Videorekorder stecken kann. Denn beim ersten Spiel der nach dem Modus „Best of five“ gespielten Halbfinalserie um die Deutsche Eishockey-Meisterschaft waren die Rheinländer chancenlos. Die Berliner kamen vor 5000 Zuschauern im Sportforum zu einem ungefährdeten 4:1 (1:0, 1:0, 2:1)-Erfolg.

Es war schon erstaunlich, wie wenig die überfordert wirkenden Krefelder boten. Das Spiel hatte so gar nichts zu tun mit den brisanten Begegnungen der Eisbären im Viertelfinale. Die Hamburg Freezers hatten in körperlicher und spielerischer Hinsicht größeren Widerstand geleistet als die Pinguine.

Schon in der neunten Minute konnte Rob Shearer Krefelds Torhüter Robert Müller aus Nahdistanz überwinden. Als es im zweiten Drittel im Gegensatz zu den ersten 20 Minuten dann auch mit dem Überzahlspiel bei den Berlinern besser klappte, fiel der nächste Treffer: Nach einem Schlagschuss von Ricard Persson schob Shearer den von Müller abprallenden Puck ins Krefelder Tor. Das Spiel war nach dem 2:0 schon entschieden, die Fans auf den Rängen waren längst damit beschäftigt, sich selbst zu feiern. Zu eindeutig war die Dominanz der Berliner. John Emmons gelang in der 53. Minute das 3:0, und zwei Minuten später traf Steve Walker zum 4:0 für die Berliner. Und wenn die Krefelder schon mal vor das Tor der Eisbären kamen, dann war bei Richard Shulmistra Endstation. Der Torhüter der Eisbären bot – wie schon in der Play-off-Serie gegen Hamburg – eine überzeugende Vorstellung, was sich inzwischen auch mit Zahlen belegen lässt: Erst zwei Minuten vor Schluss wurde Shulmistra bezwungen. Es war sein erstes Gegentor seit 165 Spielminuten. Natürlich, das Krefelder Tor, erzielt durch Christian Ehrhoff, hatte nur noch statistischen Wert. Und einmal abgesehen davon, dass die Pinguine die Serie des Eisbären-Torhüters stoppten, passierte gestern aus Berliner Sicht nichts Negatives.

Am Sonntag steht in der Krefelder Rheinlandhalle das zweite Spiel zwischen den Pinguinen und den Berlinern auf dem Programm. Gemessen an der Einseitigkeit der gestrigen Partie, sollte es nicht ausgeschlossen sein, dass die Eisbären dann schon den zweiten Schritt Richtung Finale machen. Das erste Spiel war gestern schon nach zwei Stunden vorbei. So schnell und unspektakulär geht in der Deutschen Eishockey-Liga selten eine Partie über die Bühne – erst recht nicht in den Play-offs.

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