Eisbären - Hannover 2:1 : Europa schlägt Deutschland

Nach dem Triumph bei der Vereins-EM besiegen die Eisbären auch den Deutschen Meister Hannover Scorpions mit 2:1.

von
Glück gehabt. Die Eisbären freuen sich über das Siegtor von Jens Baxmann.
Glück gehabt. Die Eisbären freuen sich über das Siegtor von Jens Baxmann.Foto: dapd

Deutscher Meister gegen Europameister. So lautete die vereinfachte Version des gestrigen Spiels in der Berliner Großarena, wobei der Europameistertitel ein bisschen geschummelt ist. Die European Trophy, mit der die Eisbären Berlin am vergangenen Wochenende aus Österreich zurückgekommen sind, ist eher eine inoffizielle Klub-EM. In Hannover darf man sich dagegen höchst offiziell mit dem nationalen Titel 2010 schmücken. Die Ansetzung für den Saisonauftakt der Deutschen Eishockey-Liga in Berlin hätte also kaum besser ausfallen können. Zumindest für die 14.000 anwesenden Zuschauer, die die Protagonisten auf dem Eis lautstark empfingen. Bei dem 2:1 (0:0, 0:1, 1:0/1:0 )-Sieg der Eisbären nach Verlängerung bekamen sie wenig Tore, dafür aber ein ebenso hartes wie spannendes Spitzenspiel zu sehen.

Dass die Gäste aus Niedersachsen bei ihrem dritten Spiel der Saison keinesfalls nur zum Spaß angereist waren, hatte der Berliner Manager ja schon vor der Partie geahnt. „Sie bringen eine regelrechte Siegermentalität mit. Das wird es uns sehr schwer machen“, hatte Peter John Lee prognostiziert. Immerhin neun Liga-Erfolge in Folge – rechnet man die Siege aus der vergangenen Meistersaison mit – hatten die Scorpions zuletzt angesammelt. Lee verschwieg dabei, dass seine eigene Mannschaft im Rahmen des europäischen Vorbereitungsturniers selbst gerade neun Mal in Serie gesiegt hat.

Und mit dem Selbstvertrauen eines Champions starteten die Gastgeber am Freitag zunächst auch. Flink kombinierten sie in den ersten Minuten durch die Reihen der Hannoveraner. Ihr Pech war nur, dass einige Pässe nicht immer den gewünschten Abnehmer fanden und dass Laurin Braun in der siebten Minute nur den Pfosten anstelle des Tores traf. Der 19 Jahre junge Braun hatte sich für diesen Abend offensichtlich viel vorgenommen und schaffte es im ersten Drittel tatsächlich bis hin zum Hauptdarsteller – allerdings auf eine für die Eisbären unangenehme Weise. Nach einem allzu harten Einsatz seines Schlägers gegenüber Gegenspieler André Reiß wurde er frühzeitig vom Eis geschickt.

Wettbewerbsvorteil Hannover? Es schien so. Denn auch wenn die Scorpions ebenfalls nicht vor ruppigen Checks zurückschreckten, spielten sie doch bedachter als die Berliner. Überaus viele Chancen erarbeiteten sie sich zwar nicht, aber wenn sie mal vor dem Tor von Rob Zepp auftauchten, wurde es richtig gefährlich. Nachdem Paul Manning im ersten Drittel noch zweimal gescheitert war, erzielte Matt Dzieduszycki im Mittelabschnitt die logische Führung für die Gäste. „Die Hannoveraner stehen eng und wissen, wie sie gegen uns zu spielen haben“, befand auch André Rankel.

Was der Berliner Angreifer genau meinte, war im letzten Abschnitt zu beobachten – Hannover ließ da nur in Ausnahmefällen einen Torschuss der Eisbären zu. Erst 18 Sekunden vor Schluss schafften es die Gastgeber, die Gäste-Abwehr zu knacken. Torwart Zepp verließ das Eis zugunsten eines weiteren Feldspielers und Jeff Friesen schoss mit seinem Treffer zum 1:1 eine ganze Arena ins Glück. Das Publikum grölte. Und als dann auch noch Jens Baxmann zu Beginn der Verlängerung das Siegtor für die Eisbären nachlegte, blitzten die Ränge gänzlich in rot-weiß-blau.

So sah es aus, als ein am Ende glücklicherer Europameister den Deutschen Meister schlug.

0 Kommentare

Neuester Kommentar