Eisbären - Hannover : Erst nach der Verlängerung ist Schluss

Über 59 Minuten lang deutete alles darauf hin, dass die Berliner ihren Saisonauftakt vermasseln würden. Doch die Eisbären profitieren von ihrer Willensstärke.

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Hartes Ringen. Constantin Braun (li.) und der Hannoveraner Thomas Dolak. Foto: dapd
Hartes Ringen. Constantin Braun (li.) und der Hannoveraner Thomas Dolak.Foto: dapd

Berlin - Mit Fragen wie dieser kann Don Jackson gar nichts anfangen. Ob sein Team im Spiel gegen die Hannover Scorpions müde gewesen sei, wollte am späten Freitagabend jemand von ihm wissen. Man sah dem Trainer der Eisbären sein Unverständnis an – dennoch antwortete er gewohnt höflich-amerikanisch: „Nein, keineswegs. Wir haben bis zum Schluss gekämpft.“ Wie kann eine Mannschaft müde sein, wenn sie sich kurz vor Schluss nach einem beinahe 60-minütigen Kraftakt auf dem Eis noch zum Ausgleich aufrafft und nur wenig später in der Verlängerung das 2:1-Siegtor schießt? So hätte Jacksons Antwort auch lauten können.

59 Minuten und knapp 42 Sekunden lang deutete alles darauf hin, dass die Berliner ihren Saisonauftakt in der Deutschen Eishockey-Liga vermasseln würden. Bis Jeff Friesen den Puck im Geknäuel vor dem Tor irgendwie über die Linie wurschtelte. Zwar ließ sich der Schiedsrichter per Video davon überzeugen, dass das Tor regulär war, Hannovers Coach Anton Krinner wusste dennoch nicht recht, „ob der Treffer wirklich hätte zählen dürfen“. Doch auch wenn der Ausgleich „vielleicht etwas glücklich“ zustande kam, wie Verteidiger Jens Baxmann fand, profitierten seine Eisbären am Ende auch und vor allem vom Glauben an die mögliche Wende – und von ihrem Willen. „Wir wollten unbedingt siegen; auch, um das frühe Ausscheiden vom Vorjahr vergessen zu machen“, sagte Baxmann, der mit seinem Schuss in der Verlängerung für eine völlige Umkehrung der bis dato herrschenden Verhältnisse sorgte.

Es war nicht das erste Mal, dass die Willensstärke und die Siegermentalität der Berliner eventuelle Müdigkeitserscheinungen besiegt hatten – schon oft überlisteten sie vermeintlich ausgeruhtere Gegner auf diese Art. Aber was heißt schon ausgeruhter? Don Jackson glaubt generell nicht, dass seine Mannschaft durch die vielen Vorbereitungsspiele geschwächt sei. Einen kleinen Seitenhieb konnte sich der Berliner Trainer im Hinblick auf das nächste Spiel seiner Mannschaft am Sonntag beim ERC Ingolstadt (19.05 Uhr, live bei Sky) dann auch nicht verkneifen. „Sie können davon ausgehen, dass wir auch dort alles andere als müde sein werden“, sagte er und grinste.Katrin Schulze

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