Eisbären heute in Köln : Der Auswärtsvorteil

Warum sich die Eisbären Berlin und die Kölner Haie in den Finalspielen um die deutsche Eishockeymeisterschaft in ihren Heimspielen so schwer tun.

Jan Schröder/Claus Vetter
Glück in der Ferne? Heute tritt Darin Olver (blaues Trikot) mit den Eisbären wieder in Köln an. Da gewannen die Berliner Spiel eins.
Glück in der Ferne? Heute tritt Darin Olver (blaues Trikot) mit den Eisbären wieder in Köln an. Da gewannen die Berliner Spiel...Foto: dpa

Der Heimvorteil. Im Sport wird er oft beschworen. Aber was, wenn sich eine Mannschaft auswärts leichter tut als daheim? Dann greifen die Trainer schon mal zu Maßnahmen, um vor den Heimspielen bei ihren Spielern ein Auswärtsgefühl zu erzeugen. Im Berliner Eishockey gab es das schon oft: Dale McCourt, Ende der Neunzigerjahre Trainer der Berlin Capitals, ließ seine Team mal vor Heimspielen mit dem Mannschaftsbus über die Avus kurven und Pierre Pagé hat einst bei den Eisbären seine Spieler in Berlin ins Hotel gesteckt: Auswärts rückt eine Mannschaft näher zusammen, der Fokus auf das Spiel ist oft größer, als wenn die Spieler wenige Stunden zuvor in der heimischen Küche mit dem Abwasch beschäftigt sind. Derartiges ist zwar von den Teilnehmern der beiden Finalisten um die deutsche Eishockeymeisterschaft nicht überliefert – aber offensichtlich fühlen sich Eisbären Berlin und Kölner Haie auf gegnerischem Eis wohler: Nach zwei Auswärtssiegen steht es vor dem dritten Spiel der Finalserie am Freitag in Köln (20.30, live auf Servus TV) 1:1.

Offensichtlich gibt es einen „Auswärtsvorteil“. Besonders kurios ist: Bereits in der Hauptrunde verloren Eisbären und Haie ihre Heimspiele gegen den Finalgegner: Nach Siegen steht es saisonal gesehen also 3:3 – nach Auswärtssiegen auch. Für Eisbären-Verteidiger Constantin Braun spielt diese Vorgeschichte allerdings keine Rolle mehr: „Die Kölner haben schon zwei Gesichter, je nachdem, ob sie auswärts oder zu Hause spielen. Aber Finalspiele sind mit der Hauptrunde nicht zu vergleichen“, sagt er. Auch Kölns Trainer Uwe Krupp möchte von einem Heimnachteil nichts wissen. „Es sind zwei gleichstarke Mannschaften, da entscheidet mehr, wer jeweils in einem Spiel das erste Tor schießt“, sagt er.

Ganz egal scheint es aber nicht zu sein, in welcher Halle gespielt wird. Für die Kölner erwies sich das Heimrecht im Auftaktspiel als Bürde: Angesichts der Begeisterung und des hohen Erwartungsdrucks begannen sie übernervös und verstolperten das erste Drittel. Krupp sprach davon, dass die äußeren Faktoren hemmend gewirkt hätten. Mit der Dimension des „Hypes in Köln“ seien seine Spieler zunächst nicht gut umgegangen, sagte er. In Berlin allerdings spielten die Kölner dann so auf, als hätten sie trotz 0:1-Rückstands in der Serie gar keinen Druck. Offensichtlich fühlten sie sich aber nun in die Außenseiterrolle gedrängt gegen den Serienmeister aus Berlin, der wohl im Geiste schon bei möglichen Titelfeiern war.

Natürlich wirken äußere Faktoren. Die Eisbären wurden nach ihren ersten Sieg schon gefeiert als alter und neuer Meister. Zu viel Lob kann dem Favoriten schaden. Als Außenseiter dagegen lässt sich eine Mannschaft über öffentliche Äußerungen besonders gut beeinflussen. Krupp soll das gemacht haben, indem er seine Spieler mit Aussagen von Florian Busch konfrontiert hat. Der Kölner Trainer bestreitet das allerdings mit Nachdruck. Egal, der Berliner Angreifer hat im Fernsehen gesagt, die Kölner „hätten die Hosen voll“. Es ist angekommen beim Gegner, mit Sicherheit auch ohne Krupp. Womöglich hat der Kölner Trainer die Qualität des Gegners auch besonders betont, um eine Trotzreaktion bei seinem spielenden Personal zu erwirken. So unter dem Motto: Jetzt zeigen wir dem Trainer, dass wir es auch können – beim Spiel in Berlin und ohne tausende zitternde raunende Fans in der Kölnarena, deren Stimmungschwankungen in Finalspiel eins kaum an der Heimmannschaft vorübergegangen sein dürften.

Jeder Spieler spürt, wenn auch die Zuschauer den Glauben an einen Sieg verlieren. „Bei unseren Heimspielen hast du 14 000 Leute im Rücken, die du nicht enttäuschen möchtest“, sagt Verteidiger Constantin Braun. Das gilt wohl besonders für die Finalserie um die deutsche Eishockeymeisterschaft und die erwartungsfrohen Fans der Eisbären, für die Meisterfeiern schon fast zur Selbstverständlichkeit geworden sind.

Constantin Braun sagt: „Es ist auswärts leichter, aufzuspielen, gerade in so einer Situation, wie wir sie am Freitag haben“. Den Auswärtsvorteil haben die Berliner auf jeden Fall auf ihrer Seite – für den Rest der Serie sogar. Denn ein möglicherweise entscheidendes fünftes Spiel wäre in Köln.

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