Eisbären im Mittelmaß : Sag mir, wo du stehst

Nach mittelprächtigem Saisonstart suchen die Eisbären nach alter Souveränität: Trainer Don Jackson sieht zwar eine gute Entwicklung seiner Mannschaft. Wo sie vor dem Heimspiel gegen Krefeld leistungsmäßig steht, ist jedoch unklar.

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Don Jackson, Trainer der Berliner Eisbären.
Don Jackson, Trainer der Berliner Eisbären.Foto: dpa

Berlin - Der Besuch war peinlich berührt. Schließlich hatte er sich an diesem Abend auch einigermaßen unverschämt benommen. Und so wandte er sich am Ende zweier ereignisreicher Eishockeystunden fast schon entschuldigend an den Gastgeber. „Eigentlich hätten wir das Spiel hier nicht gewinnen sollen“, sagte Derek Mayer mit leicht errötetem Gesicht in Richtung seines Trainerkollegen. „Das war nicht verdient.“ Damit hatte der Assistenzcoach der Nürnberg Ice Tigers recht. Warum seine Mannschaft am Freitag noch zum 4:3-Erfolg über die Eisbären Berlin gekommen ist, konnte er sich selbst nicht erklären. Wie auch?

Die ganze Zeit über beherrschten die Eisbären im Grunde die Partie gegen den Tabellenführer der Deutschen Eishockey-Liga. Sechs Minuten vor Schluss führten sie mit 3:1, acht Sekunden vor dem Ende der regulären Spielzeit mit 3:2 – das sollte reichen. Von wegen. Nürnberg glich tatsächlich noch aus und stellten im folgenden Penaltyschießen sogar den kompletten Spielverlauf auf den Kopf. Das kann man als frech bezeichnen; oder als clever. Auf jeden Fall aber war es nicht nur für den Berliner Trainer „überraschend“. Wohl auch deshalb tat sich Don Jackson bei der Erklärung der Partie schwer. Ein paar Fehlerchen habe er am Ende gesehen, aber sonst?

Sonst hat aller Dominanz zum Trotz das Unterzahlspiel der Eisbären nicht besonders gut funktioniert. Und man hat den Eindruck, dass die Souveränität, mit der die Berliner in vergangenen Tagen einen Vorsprung ins Ziel brachten, noch nicht wieder da ist.

Immerhin erkannte Don Jackson aber „eine gute Entwicklung meiner Mannschaft. Sie hat sich viele Torchancen erarbeitet und ist stark in den Zweikämpfen aufgetreten.“ Es wirkt so, als hätte Jacksons Team nach einem eher mittelprächtigen Start in diese Saison vor allem im Spiel nach vorne zurück zu alter Stärke gefunden. „Wir haben zuletzt sehr gute Leistungen gezeigt“, befand auch Kapitän Stefan Ustorf. „Der Zug zum Tor und unsere Präsenz stimmen wieder.“ Wo der Tabellenfünfte vor dem Heimspiel gegen den Tabellensechsten Krefeld Pinguine am Sonntag (Beginn 14.30 Uhr) allerdings genau steht, ist schwer auszumachen. Im Normalfall taugt eine Partie gegen den Spitzenreiter immer ganz gut für eine Bestimmung der Form, doch gegen die Nürnberg Ice Tigers war eben nicht vieles normal. Am wenigsten das Ergebnis.

Nürnbergs Trainer Andreas Brockmann kümmerte das ausnahmsweise nur wenig. Für ihn dürften Verlängerung und Penaltyschießen in Berlin eher eine zusätzliche Qual bedeutet haben, schließlich musste er direkt nach Spielschluss gen Heimat düsen, wo sein Söhnchen jeden Moment zur Welt hätte kommen können. Der junge Mann geduldete sich zwar bis zum Morgen, dennoch überließ Brockmann seinem Vertreter Derek Mayer am Abend sicherheitshalber die Worte zum Spiel. Viel mehr als die versöhnlichen Sätze für den Gastgeber hatte allerdings auch der nicht parat.

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