Eisbären in den Pre-Play-offs : Auf dem Wellblech in die nächste Runde?

Bei ihrem Abstecher in den Wellblechpalast haben die Eisbären zur nötigen Leidenschaft für das Saisonfinale gefunden. Im entscheidenden dritten Spiel in Nürnberg heißt es nun: Play-offs oder Saisonende.

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In Hohenschönhausen kehrte die Leidenschaft zurück zu den Eisbären.
In Hohenschönhausen kehrte die Leidenschaft zurück zu den Eisbären.Foto: Jörg Leopold

Auf dem Eis verkeilten sich die Spieler ineinander, hinter der Bande brüllten sich die Trainer an. „Alles typische Play-off-Scharmützel“, sagte Uwe Krupp nach dem 6:3-Sieg seiner Eisbären am Freitagabend gegen die Nürnberg Ice Tigers und verzog dabei keine Miene. Einerseits richtig, andererseits doch nur die halbe Wahrheit. Denn das zweite Spiel der Pre-Play-off-Serie zwischen Berlin und Nürnberg im Wellblechpalast war dann doch ein ganz und gar ungewöhnliches. Schon wegen der nicht eben alltäglichen Begleitumstände. Kleine Arena, brüllend-lautes Publikum, dazu eine Heimmannschaft, die gewinnen musste – und auch so spielte. „Endlich wieder Eishockey“, sangen die offiziell 4695 Zuschauer in der ausverkauften Halle im Sportforum Hohenschönhausen kurz vor dem Ende des Spiels freudetrunken. Zumindest die, die nach dem Anfeuerungsmarathon noch bei Stimme waren.

„Wir haben Emotion und Leidenschaft gezeigt. Wir hatten keine andere Wahl als zu gewinnen“, sagte André Rankel. Über das Gesicht des sonst eher für nüchterne Analysen bekannten Kapitäns der Eisbären huschte ein Strahlen. Und dann wirkte Rankel fast selig, als er hinzufügte: „Die Stimmung war unglaublich. Wir haben zum richtigen Zeitpunkt hier gespielt.“ Die Frage ist müßig, ob die Berliner bei einem Heimspiel in der angestammten, aber anderweitig belegten Arena am Ostbahnhof ähnlich furios aufgetreten wären. Geschadet hat ihnen der Ausflug in den Wellblechpalast ganz sicher nicht.

Das lag auch daran, dass sich der Gegner sichtlich beeindruckt zeigte von der Atmosphäre. Dabei waren die Nürnberger früh in Führung gegangen, nur um anschließend regelrecht auseinander zu fallen. „Es war laut in der Halle, typisch für ein Play-off-Heimspiel. Für einige meiner jungen Spieler war das vielleicht eine Lehre für die Zukunft“, sagte Nürnbergs Trainer Martin Jiranek. „Aber auch in Augsburg und Iserlohn ist es laut.“ Die Absicht hinter diesen Worten ist klar: Dem Gegner bloß keine Vorlagen liefern, denn diese Best-of-3-Serie ist längst auch Kopfsache. Und der soll möglichst frei sein für das alles entscheidende dritte Spiel am Sonntag in Nürnberg (14.30 Uhr, live bei Servus TV).

Auswärts gab es für die Eisbären zuletzt sieben Niederlagen am Stück

„Wir sind so aufgetreten, wie wir die ganze Saison auftreten wollten“, sagte André Rankel. Zuvor hatte bei den Berlinern in dieser Spielzeit immer eine große Lücke geklafft zwischen Wollen und Können. Auf gute Heimspiele folgten zuverlässig schwache Auswärtsspiele. Zuletzt gab es sieben Niederlagen am Stück auf fremdem Eis. Das 2:6 am Mittwoch im ersten Pre-Play-off-Spiel bei den Ice Tigers war nah am Offenbarungseid. Ohne körperliche Präsenz, fast ängstlich hatten sich die Eisbären seinerzeit ihrem Schicksal ergeben.

„Am Sonntag in Nürnberg geht es wieder bei Null los, aber wir müssen diesmal von Anfang an bereit sein“, forderte Marcel Noebels. Der Stürmer der Berliner zeigte stellvertretend für seine Mannschaft in den beiden bisherigen Partien zwei Gesichter. Am Mittwoch noch nahezu unsichtbar und ohne jeglichen Torschuss, rannte Noebels am Freitag wie aufgezogen über das Eis im Wellblechpalast. Sieben Schüsse feuerte der 22-Jährige ab, einer davon führte Anfang des zweiten Drittels zum schon entscheidenden 4:1. „Die Fans haben uns getragen. So etwas habe ich noch nicht erlebt“, sagte Noebels mit glänzenden Augen und fügte dann hinzu: „Jetzt werden die Karten neu gemischt.“

Uwe Krupp kennt seine Spieler inzwischen gut genug, um zu wissen: Bei den Eisbären ist derzeit nichts kalkulierbar

In die allgemeine Euphorie wollte nur einer an diesem denkwürdigen Abend in Hohenschönhausen nicht so recht einstimmen. Uwe Krupp gab sich schmallippig, Freude über den starken Auftritt seiner Mannschaft war weder seinen Worten zu entnehmen noch in seiner Mimik zu erkennen. Der Trainer kennt seine Spieler inzwischen gut genug, um zu wissen, dass bei den Eisbären derzeit eben nichts kalkulierbar ist. Deshalb tut Krupp gut daran, Vorsicht walten zu lassen. Denn immer noch ist das Saisonende für die Berliner nur eine Niederlage entfernt.

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