Eisbären in den Pre-Play-offs : Umweg über Ingolstadt

Die Eisbären haben ihr erstes Saisonziel in der Deutschen Eishockey-Liga (DEL) verpasst – und müssen sich nun in den Pre-Play-offs beweisen.

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Heimvorteil! Mit dem 4:1 in Ingolstadt verteidigten die Eisbären Platz acht.
Heimvorteil! Mit dem 4:1 in Ingolstadt verteidigten die Eisbären Platz acht.Foto: Imago

Mit dem Ziel, nach der Hauptrunde einen der ersten vier Tabellenplätze in der Deutschen Eishockey-Liga (DEL) zu belegen, waren die Eisbären im September in die Saison gestartet. Dann verpatzten sie den Start, im Winter behinderten zahlreiche Verletzungen die Aufholjagd. Die Ziele mussten immer weiter heruntergeschraubt werden, am Ende reichte es knapp zu Platz acht. Damit hatte der Deutsche Meister immerhin das vorzeitige Aus vermieden und am letzten Spieltag doch noch den Heimvorteil in den Pre-Play-offs gesichert. Dort starten die Berliner am Montag mit einem Heimspiel gegen den ERC Ingolstadt (19.30 Uhr, Arena am Ostbanhof).

Die Hauptrundenbilanz von Trainer Jeff Tomlinson fällt entsprechend zwiespältig aus: „Wir können natürlich nicht zufrieden sein“, sagt er, „wir haben unser Ziel nicht erreicht.“ Der Aufwärtstrend der vergangenen Wochen hellt sein Fazit aber gehörig auf: „Ich bin damit zufrieden, wie sich alles unter den gegebenen Umständen entwickelt hat, und wie wir jetzt spielen“, sagt er.

Doch die Punkte, die zuvor verloren worden waren, konnte sein Team nicht mehr gutmachen. Und so müssen die Eisbären sich nun über den Umweg der Qualifikationsrunde einen Platz im Viertelfinale sichern. Ihnen steht eine brisante Woche bevor: Würden sie gegen den ERC Ingolstadt ausscheiden, der seine Saisonziele ebenfalls nicht erreicht und gegen die Berliner alle vier Hauptrundenspiele verloren hat, wäre das eine herbe Enttäuschung. Entsprechend hoch ist der Druck: Denn große Erfahrungen hat die Mannschaft mit der Situation nicht. Erst einmal fanden sich die Eisbären in so einer Lage: Im Frühjahr 2007, als die Pre-play-offs in der DEL erstmals ausgespielt wurden, trafen sie dort auf die Frankfurt Lions – und schieden als Deutscher Meister aus. Damit endete seinerzeit die Ära von Trainer Pierre Pagé.

Die besondere Brisanz liegt auch darin, dass anders als in einer längeren Serie der kleinste Fehler entscheidende Bedeutung haben kann. „Es gibt keinen Raum für Nachlässigkeiten“, sagt Tomlinson und dämpft die Hoffnungen auf einen schnellen Erfolg: „Das wir gegen Ingolstadt alle Spiele gewonnen haben, war Glück.“ Er erwartet, dass die Serie über die vollen drei Spiele gehen wird. Sollte es so kommen, dürften die Eisbären immerhin zwei davon in der eigenen Halle austragen. „In einer kurzen Serie ist der Heimvorteil besonders wichtig“, sagt der Trainer. Jeff Tomlinson erwartet also nervenzehrende Tage, in denen sich der Saisonerfolg entscheiden kann.

Die alte Regelung, die bis 2006 galt und nach der die ersten acht Teams für das Viertelfinale qualifiziert waren, wünscht er sich trotzdem nicht zurück, auch wenn die Eisbären aktuell davon profitiert hätten. „Ich finde, die Pre-play-offs sind eine gute Sache“, sagt er. Vor knapp acht Jahren wurde der sportliche Abstieg in der DEL abgeschafft. Mit der Einführung der Pre-Play-offs, in denen die Mannschaften auf den Plätzen sieben bis zehn zwei Viertelfinalplätze ausspielen, wollten die Verantwortlichen daraufhin für Spannungsausgleich in den unteren Tabellenregionen sorgen. Unumstritten ist die Regelung nicht: Sie mindere den sportlichen Wert der immerhin 52 Spieltage dauernden Hauptrunde, weil Mannschaften eine durchwachsene Saison mit zwei guten Spielen retten könnten, lautet die Kritik.

Jeff Tomlinson sieht das anders: „Iserlohn hat es verdient, noch dabei zu sein. Und wenn wir Zehnter geworden wären, hätte das nicht bedeutet, dass wir zu schlecht für die Play-offs sind.“ Auch die oft lustlosen Leistungen zu Saisonbeginn, als Tomlinson „Arroganz“ bei seinem Team ausgemacht hatte, mag der Trainer der Eisbären nicht darauf schieben, dass die Liga durch die Pre-play-offs weniger selektiv geworden sei. „Die vielen Erfolge hatten unserer Mentalität geschadet. Alle dachten: Wir sind sowieso Top vier.“ Auf Platz zehn schielte da bei den Eisbären definitiv noch keiner.

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