Eisbären in der Analyse : An Defensive verloren

Ein Drittel der Hauptrunde ist in der Deutschen Eishockey-Liga vorbei und die Eisbären stehen zwar nicht schlecht, aber doch etwas schlechter da, als erhofft. Eine Zwischenbilanz.

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Zum Schreien. An seiner Verteidigung hatte Trainer Jackson wenig Spaß. Foto: dpa
Zum Schreien. An seiner Verteidigung hatte Trainer Jackson wenig Spaß.Foto: dpa

Im Sportforum Hohenschönhausen ist in dieser Woche weniger los als sonst. Mitten in der Saison können die meisten Profis der Eisbären die Zwangspause der Deutschen Eishockey-Liga (DEL) genießen. Weil die Nationalmannschaft vom 9. bis 11. November beim Deutschland-Cup gegen Kanada, die Schweiz und die Slowakei antritt, dürfen die meisten Spieler der Eisbären ein paar Tage verschnaufen. In München sind nur Rob Zepp, Frank Hördler und Jens Baxmann für die deutsche Mannschaft sowie Mark Katic und Julian Talbot für das kanadische Team im Einsatz.

Wenn die Eisbären am kommenden Montag mit dem Training beginnen, wird sich Jackson wieder seinem wichtigsten Projekt widmen müssen: der Verbesserung der Abwehrarbeit. Viel zu viele Torchancen lasse sein Team zu, kritisierte Jackson zuletzt immer wieder. Die Zahlen belegen, dass bei den Eisbären in der Defensive noch viel im Argen liegt, nachdem knapp ein Drittel der Hauptrunde absolviert ist: In 17 Spielen kassierten sie 55 Gegentore. Nur zwei DEL-Teams stehen noch schlechter da. Und daher liegt der Meister nur auf dem fünften Tabellenplatz, obwohl er mit 68 Treffern die meisten Tore aller Mannschaften erzielt hat.

Abwehrprobleme hatten die Eisbären vom ersten Spieltag an: Bei der 1:3-Heimniederlage gegen Straubing ließen sie sich auskontern. Anfällig für schnelle Gegenangriffe waren die Berliner auch in der vergangenen Saison. Angesichts des Spielsystems, in dem sich auch die Verteidiger ständig in die Offensive einschalten, ist das kaum zu verhindern. Zum systembedingten Risiko kamen Personalsorgen. Mit Richie Regehr und Nick Angell hatten zwei routinierte Verteidiger den Klub verlassen, zudem fehlte Constantin Braun nach einer Sprunggelenksoperation mehrere Wochen. Verletzungen und Sperren rissen weitere Löcher in die Abwehr. Jackson setzte zuerst auf Nachwuchsspieler, später funktionierte er erfahrene Angreifer zu Abwehrspielern um. Aufgrund der ständigen Umstellungen blieben die Probleme aber bestehen.

Dass die Eisbären in der Liga überhaupt den Kontakt zur Tabellenspitze halten konnten, hat in erster Linie zwei Gründe: Claude Giroux und Daniel Brière. Anfang Oktober nutzte Manager Peter John Lee den Arbeitskampf in der NHL und verpflichtete beide für die Zeit der Spieler-Aussperrung in Nordamerika.

Die kanadischen Stürmer bewirkten mit ihrer individuellen Klasse, dass die Abwehrschwächen fortan weniger ins Gewicht fielen: In den ersten neun Spielen hatten die Berliner ohne sie 27 Tore, durchschnittlich drei pro Spiel, erzielt, in den folgenden acht Spielen mit den NHL-Stars waren es 41, also im Schnitt mehr als fünf. 37 Scorerpunkte verbuchte das Duo bisher, auch das zuvor schwache Überzahlspiel wurde gefährlicher. Zudem profitieren die Mitspieler von den Zugängen: „Sie bringen neuen Schwung in die Mannschaft, unser Ehrgeiz ist größer geworden: Wir schauen uns an, wie die beiden spielen, und versuchen, es genau so oder sogar besser zu machen“, sagt Angreifer Laurin Braun.

Das Grundproblem der Eisbären konnten Giroux und Brière aber nicht lösen, sondern nur kaschieren: Auch seit sie dabei sind, kassieren die Berliner im Schnitt rund drei Tore pro Spiel. Und wie lange sie bleiben, ist ungewiss. Das hängt davon ab, ob und wann sich die Vertreter der NHL und der Spielergewerkschaft einigen werden. Beide Seiten sprachen am Wochenende nach längerer Pause wieder miteinander, die Verhandlungen wurden am Dienstag fortgesetzt. Im Falle einer Einigung könnte die NHL-Saison schon Anfang Dezember beginnen – dann stünden Brière und Giroux wieder für die Philadelphia Flyers auf dem Eis.

Trainer Jackson bleibt daher wachsam: „Wir haben zuletzt Giroux und Brière integriert, nun ist es Zeit, wieder am Spiel der ganzen Mannschaft zu arbeiten“, sagt er. Und das bedeutet: die Lücken in der Defensive zu schließen.

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