Sport : Eisbären in der Defensive

Weil Derrick Walser nun in der NHL spielen wird, haben die Berliner ein Problem in der Verteidigung

Claus Vetter

Berlin - Gut zwei Jahre ist es her. Die Eisbären hatten ihr erstes Halbfinalspiel gegen den ERC Ingolstadt verloren. Wieder einmal schien die beste Hauptrunden-Mannschaft der Deutschen Eishockey-Liga (DEL) in der Endrunde um die Meisterschaft zu scheitern. Doch dann, im zweiten Spiel von Ingolstadt, hatte Derrick Walser seinen großen Auftritt. Der Kanadier kam spät, schoss aber zwei Tore und die Eisbären siegten 3:2 – Walser spielte mit starker Grippe, war dem Team nachgereist und erst drei Stunden vor dem ersten Bully auf dem Flughafen München gelandet.

Die Berliner gewannen die Serie 3:1 und wurden 2005 erstmals Meister, 2006 beim zweiten Titelgewinn war Walser wieder ihr offensivstärkster Verteidiger in den Play-offs. Gute Leistungen waren bei dem Kanadier in entscheidenden Phasen selbstverständlich, so wie sein ihm eigener Humor. Nach seinem Auftritt von Ingolstadt sagte er: „Ich habe einfach nur geschossen, warum der Puck zwei Mal im Tor gelandet ist, weiß ich auch nicht.“ Seine vielen Tore in Berlin blieben der National Hockey-League (NHL) nicht verborgen: 2006 wechselte er zu den Columbus Jackets, was ihm kein Glück brachte: Nur neun Mal spielte er in der NHL, sonst in den Farmteams. Er wollte zurück nach Berlin. Vor wenigen Wochen dann präsentierten die Eisbären den inzwischen 29-Jährigen als prominentesten Zugang, ausgestattet mit einem Zweijahresvertrag. Manager Peter John Lee war glücklich, endlich war ihm nach der Verpflichtung von Stürmer Nathan Robinson aus Mannheim der zweite große Wurf gelungen. Seit Mittwoch aber gibt es nur noch einen starken neuen Eisbären. Lee erfuhr, dass Walser seine Ausstiegsmöglichkeit aus dem Berliner Vertrag bei einem NHL-Angebot nutzt: Er unterschrieb bei den Toronto Maple Leafs einen sogenannten „Ein-Wege-Vertrag“, der ihn vor Abschiebung ins Farmteam schützt.

„Wenn eine so traditionsreicher Klub wie die Maple Leafs ruft“, sagt Lee, „dann können wir trotz unseres Umfeldes einfach nicht mithalten.“ Das macht die Angelegenheit für die Eisbären nicht besser: Am 30. Juli ist Trainigsbeginn in Hohenschönhausen, am 28. August treten die Berliner in der ersten Runde des Eishockey-Pokals bei Zweitligist EV Landsberg an. Viel Zeit, Ersatz für Walser zu finden, ist nicht. Zumal ein Mann mit seinen offensiven Qualitäten zurzeit schwer zu finden sein dürfte. Doch mit den US–Amerikanern Deron Quint und Andy Roach sowie den jungen Nationalsspielern Frank Hördler und Tobias Draxinger haben die Eisbären nur vier Verteidiger, die höheren Ansprüchen genügen – und nur zwei mit Offensivdrang (Quint und Roach).

Don Jackson nahm die Absage Walsers noch recht gelassen. „Dann müssen Hördler und Draxinger eben mehr Verantwortung übernehmen“, sagte der Trainer der Eisbären. Manager Lee wirkte weniger locker: „Wir müssen bis Saisonstart Ersatz für Walser finden, das ist keine Frage.“ Und dabei geht es den Eisbären weniger um die gute Stimmung, für die Walser immer im Team gesorgt hat, als um die Tore, die er geschossen hätte: Denn mit nur vier guten Verteidigern können die Berliner kaum in der Spitze der DEL mithalten.

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