Eisbären in der Krise : Da ist nichts zu retten

Zwei neue Spieler haben die Eisbären noch kurz vor Toreschluss geholt - doch die werden ihnen auch kaum helfen können, weil sich nicht alle im Berliner Team helfen lassen. Ein Kommentar.

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Sieben Treffer gegen die gute Laune. Uwe Krupp beim 1:7 in Wolfsburg.
Sieben Treffer gegen die gute Laune. Uwe Krupp beim 1:7 in Wolfsburg.Foto: Imago/Regios

Drake Berehowsky, Ian Moran oder Jonathan Sim – das sind Namen, die zumindest den harten Fans der Eisbären Berlin noch ein Begriff sein sollten. Darüber hinaus allerdings nicht, nicht mal in der aktuellen Szene der Deutschen Eishockey-Liga. Denn Berehowsky, Moran und Sim sind nur drei Spieler von einigen, die die Berliner in den vergangenen Jahrzehnten noch vor den Play-offs geholt haben und die danach wieder im internationalen Eishockey-Nirwana verschwanden. Dabei kamen alle zuvor als Verstärkungen nach Berlin, ja als Retter – ein tonnenschweres Prädikat, das nun Charles Linglet und Louis-Marc Aubry bei den Berlinern auf dem Eis als Bleiweste mit sich herumschleppen müssen. Bei den ersten Einsätzen war es wohl zu viel Ballast, besonders zum Ausklang des Wochenendes der Eisbären, am Sonntag beim 1:7 in Wolfsburg. Aubry saß schon nach wenigen Sekunden beim ersten Gegentor auf der Strafbank und Lingley hatte offensichtlich mit dem Tempo um ihn herum Probleme.

Nein, die Saison können die beiden Kanadier den Eisbären nicht mehr retten, müssen sie auch nicht. Das müssten die anderen Spieler machen. Aber womöglich ist nichts mehr zu retten bei den Berlinern, die auf Tabellenplatz zehn den Pre-play-offs entgegentaumeln. Hoffentlich, wenn Schwenningen nicht doch noch vorbeizieht.

Wer jetzt noch Verstärkungen braucht, der hat am Anfang der Saison nicht alles richtig gemacht

Es wäre unfair, von Aubry und Linglet Kunststücke zu erwarten. Spieler, die kurz vor Toreschluss einen neuen Klub suchen, werden nicht von ihren vorherigen Arbeitgebern entlassen, weil sie dort alle mit ihren Künsten verzückt hätten. Und: Wer zu diesem späten Zeitpunkt der Saison noch Verstärkungen braucht, der hat am Anfang der Saison nicht alles richtig gemacht. Oder er verstärkt sich wirklich und gibt ganz viel Geld aus, wie etwa die Nürnberg Ice Tigers.
Aufgabe von Aubry und Linglet ist bei den Eisbären vor allem, die Hierarchie im Team auf eine Probe zu stellen und somit die angestammten Spieler zu motivieren. Die können sich nun nicht mehr damit herausreden, dass das Aufgebot angesichts vieler Verletzter zu klein sei. Nur wollen oder können die anscheinend bei den Eisbären nicht mehr motiviert werden. Was in der Verteidigung Bruno Gervais (Minus 12 in der Plus-Minus-Statistik) und Constantin Braun (minus 18) zur Zeit abliefern, reicht nicht. Was Kai Wissmann (plus 6) und der wiedergenesene Jonas Müller (plus 4) abliefern, könnte reichen, wenn dass, was Gervais und Braun abliefern reichen würde.

Fünf Spiele sind es noch bis zu den Pre-Play-offs, zwei oder drei Spiele später ist dann die Saison für die Berliner – gemessen an der aktuellen Form – vorbei. Und die Zeit für einen neuen Start kann endlich beginnen, davor sollte genau überlegt werden, wer und was alles in Frage gestellt werden muss, damit die Eisbären wieder Erfolg haben können – vom Kader über das Management bis hin zum Trainer.
Und was macht eigentlich Ian Moran? Der hat seine Karriere beendet, 2008 bei den Lowell Devils, Nachdem er ein Jahr zuvor mit den Eisbären in den Pre-play-offs gescheitert war.

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