Eisbären in der Krise : Verteidigen fällt aus

Die Eisbären können die personellen Nöte in der Defensive kaum kompensieren und bekommen zum Ende der Hauptrunde ungeahnte Probleme. Am Sonntag müssen sie in München wieder auf einige Stammspieler verzichten.

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Verteidigender Stürmer: Travis James Mulock.
Verteidigender Stürmer: Travis James Mulock.Foto: Kitty Kleist-Heinrich

Dass die Eisbären nach der 2:5-Niederlage gegen Düsseldorf die Tabellenführung in der Deutschen Eishockey-Liga (DEL) abgeben mussten, konnten sie verschmerzen. „Darüber dürfen wir nicht zu sehr nachdenken, wir müssen uns Gedanken über unser eigenes Spiel machen“, sagte Angreifer Tyson Mulock. Und da gibt es einiges zum Grübeln: Sieben der letzten zehn Partien hat der Meister verloren. „Solche Phasen kommen vor, daraus müssen wir für die Play-offs lernen“, sagte Mulock.

Aber ob die Probleme bis zum Viertelfinale in gut zwei Wochen zu lösen sind, erscheint bei den Eisbären zweifelhaft. Kritisch ist vor allem die Berliner Personalsituation. Verteidiger Constantin Braun fällt wegen einer Fraktur im Sprunggelenk länger aus, gegen Düsseldorf waren auch sein Bruder Laurin und Richie Regehr nicht dabei. Gerade dessen Abwesenheit können die Eisbären nicht kompensieren. In engen Partien ist das Überzahlspiel oft entscheidend, und dort hat sich Regehr in dieser Saison unverzichtbar gemacht. 46 Tore – mehr als jedes andere DEL-Team – erzielten die Berliner im Powerplay, an 21 war der Verteidiger als Schütze oder Vorbereiter direkt beteiligt, bei vielen weiteren stand er auf dem Eis. Mittlerweile sorgt er nicht nur mit seinen Distanzschüssen für Torgefahr, sondern prägt das Überzahlspiel der gesamten Mannschaft. Adäquaten Ersatz gibt es im Kader nicht. Das war gegen Düsseldorf deutlich zu spüren.

Ohne Regehr und Constantin Braun, einen weiteren Abwehrmann mit Offensivqualitäten, musste Trainer Don Jackson improvisieren. Zeitweise stellte er im Powerplay recht experimentelle Formationen auf, die ausschließlich aus Stürmern bestanden. „Wir müssen jetzt eben einiges ausprobieren“, erklärte er. Zählbarer Erfolg blieb aus: Sechs Überzahlsituationen ließen die Eisbären ungenutzt, und zwar zu Zeiten, als das Spiel noch keineswegs entschieden war. Mit Regehr wäre die Partie vermutlich anders verlaufen. Immerhin einer profitiert vom Personalengpass in der Abwehr. Der 20-jährige Thomas Supis bekommt dadurch eine Menge Eiszeit. „Er macht seine Sache sehr gut“, sagte Nationalspieler Frank Hördler.

Aber nicht nur in der Defensive ist Jackson aufgrund der vielen Ausfälle zu Experimenten gezwungen. Im Angriff hat nur die Reihe mit Florian Busch, Darin Olver und Barry Tallackson fast konstant durchspielen können – und bereits 51 Treffer erzielt. Ansonsten müssen sich die einsatzfähigen Spieler ständig an neue Nebenleute gewöhnen. Der Trainer nimmt auch sie in die Pflicht: „Die Olver-Reihe schießt ihre Tore, von den anderen muss mehr kommen“, sagt er vor dem Spiel in München (Sonntag, 16.30 Uhr). Leichter gesagt als getan, wenn Fluktuation der Normalfall ist und einige Spieler nach Verletzungen noch ihre Form suchen. Intuitives, einfaches Eishockey, wie es der Trainer fordert, ist da nur schwer zu spielen.

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