Sport : Eisbären in Schlägernot

Die Nachlieferung der 114 gestohlenen Stöcke kann bis zu acht Wochen dauern

Til Knipper

Berlin - „Es wäre ungewohnt, aber es ginge wohl irgendwie“, sagt Steve Walker relativ gelassen. Dabei muss sich der Kapitän der Eisbären mit dem Gedanken anfreunden, demnächst nicht mit den für ihn maßgefertigten Schlägern in der Deutschen Eishockey-Liga (DEL) spielen zu können. Denn Walker ist das Hauptopfer eines Einbruchs ins Materiallager der Eisbären. 24 der 114 Schläger, die Samstagnacht im Sportforum Hohenschönhausen gestohlen wurden, gehörten Walker.

Der Sachschaden des Einbruchs beläuft sich bei Preisen von bis zu 200 Euro pro Schläger auf mehr als 20 000 Euro. Das ist aber das geringste Problem im Moment, da der Schaden wohl von der Versicherung übernommen wird. Schwerer wiegt, dass Leistungsträger wie Walker, Mark Beaufait oder Neuzugang Jeff Jillson bald ohne ihr wichtigstes Arbeitsgerät dastehen könnten. Die Lieferzeit der nordamerikanischen Hersteller beträgt sechs bis acht Wochen, weil die Schläger individuell angefertigt werden müssen. „Ich spiele jetzt seit sieben oder acht Jahren mit exakt dem gleichen Schläger“, erklärt Walker. „Nach dem Diebstahl habe ich nur noch vier Schläger übrig.“

Es sei schwierig vorherzusagen, wie lange er damit auskomme. Um das Material zu schonen, benutzt Walker seine Schläger immer abwechselnd. „Manchmal geht dir mehrere Wochen kein Schläger kaputt. Bei unserer letzten Auswärtsreise sind mir aber gleich drei Schläger in einem Spiel gebrochen.“ Sollte ihm so etwas wieder passieren, muss Stefan Ustorf aushelfen. „Seine Schläger sind meinen noch am ähnlichsten. Die anderen spielen alle mit härteren Stöcken“, erklärt Walker. Bei den Eisbären rätseln sie über die Motive der Täter. „Es wird schwierig werden, diese Schläger zu verkaufen“, sagt Eisbären-Sprecher Moritz Hillebrand. „Bei den maßgefertigten Stöcken sind der Name des Spielers und eine Seriennummer eingraviert, so dass man das leicht zurückverfolgen könnte.“ Auch einen Absatz über Ebay hält Hillebrand für unwahrscheinlich. „Das würden uns unsere Fans sofort mitteilen.“ Die Täter müssen sich aber gut ausgekannt haben im Sportforum. „Die wussten genau, wo die Schläger standen und haben nur die teuersten aus Carbon geklaut“, sagt Hillebrand.

Hillebrand hofft auf Verständnis bei den Herstellern. „Wir versuchen in unser Notsituation jetzt ein bisschen Druck zu machen, um die Lieferzeiten zu verkürzen.“ Kapitän Walker selbst hat Glück im Unglück: „Einige meiner Schläger, die im Sommer produziert wurden, liegen noch in Kanada fertig im Lager.“ Die hofft er spätestens Anfang des neuen Jahres in Empfang nehmen zu können. Mit den vier verbleibenden wird er bis dahin besonders sorgfältig umgehen.

0 Kommentare

Neuester Kommentar