Sport : Eisbären komplett

Die Berliner beginnen mit der Saisonvorbereitung

Claus Vetter

Berlin - Die Trainingseishalle auf dem Gelände im Sportforum Hohenschönhausen ist nicht unbedingt ein schmuckes Bauwerk. Gestern aber kam ein wenig Glanz in die Hütte mit den blau gepinselten Stahlträgern unterm Blechdach: Die Eisbären Berlin hatten am Abend ihr erstes Training unter der Leitung von Don Jackson, knapp einen Monat vor Saisonbeginn in der Deutschen Eishockey-Liga (DEL).

Jackson ist ein großer Mann, der nicht unbedingt die großen Töne liebt. Aber er ist erfolgssüchtig. Das war bei ihm schon als kantiger Verteidiger so, der zweimal mit Edmonton in der National Hockey League (NHL) den Titel gewann, und das ist beim Trainer so, der zuletzt die Düsseldorfer EG bis ins DEL-Halbfinale führte. So sagt Jackson zu seinem Amtsantritt in Berlin: „Wir wollen das beste Team nach der Hauptrunde sein, und wir wollen die beste Mannschaft in den Play-offs sein.“

Dass die Eisbären viel wollen, ist verständlich. Doch wie viel können sie erreichen im Jahr nach Pierre Pagé, der sie zweimal zum Titel führte, bevor dann das Verpassen der Play-offs die Ära des Kanadiers in Berlin unschön abrundete? Mit Pagé gingen auch einige Spieler, die den Eisbären nicht mehr hätten weiterhelfen können – etwa die Amerikaner Fairchild, Moran und Jillson. Nun hat Manager Peter John Lee reichlich Ersatz verpflichtet und überraschte durchaus, als er Nathan Robinson von Meister Mannheim als Zugang und die Rückkehr von Derrick Walser verkündete – bis der einst beste Verteidiger der Eisbären dann bekannt gab, dass er lieber in der NHL spielt. Was danach in Berlin als neues Personal bekannt gegeben wurde, war wenig sensationell: Zweitliga-Torschützenkönig Tyson Mulock kommt aus Essen, Jungstürmer Thomas Pielmeier aus Nürnberg und Verteidiger Brandon Smith feiert mit 34 Jahren sein DEL-Debüt – zuletzt war der Kanadier in der American Hockey League beschäftigt. Der Kader sei nun komplett, sagt Lee.

Nun aber sprang auch der 18-jährige Pielmeier-Bruder Timo ab, der als dritter Torwart aus Köln kommen sollte, aber lieber in Nordamerika sein Glück versucht. Schlecht, schließlich haben Sebastian Stefaniszin (Iserlohn) und Daniar Dschunussov (Hamburg) Berlin verlassen. Doch mit Robert Zepp gibt es ja noch einen Neuen: Zuletzt stand er in Finnlands Erster Liga in Lappeenranta im Tor, mehr schlecht als recht, lassen seine statistischen Werte vermuten. „Aber Zahlen sagen nicht alles aus“, findet Youri Ziffzer. Der bald 21 Jahre alte Torhüter war zuletzt einer der Gewinner bei den Eisbären. Dass ihm der 25-jährige Kanadier den Arbeitsplatz klaut, glaubt er nicht: „Der muss erst mal sehen, dass er an mir vorbeikommt.“

Manager Lee erwartet im Duell Ziffzer gegen Zepp „einen gesunden Zweikampf“. Am Ende liege die Entscheidung bei Jackson, der sein Team erstmals Mitte August bei einem Turnier in Dresden in Tests beobachten kann. Ernst wird es dann am 28. August in der ersten Pokalrunde bei Zweitligist EV Landsberg. Das erste Pflichtspiel läuft bei den Eisbären in ihren Mitteilungen unter der Überschrift „Saisonvorbereitung“. Ein wenig Vorlaufzeit brauchen die Berliner wohl, denn am ersten Trainingstag unter Don Jackson war noch nicht so recht erkennbar, was sich in Hohenschönhausen im Vergleich zur Vorsaison verbessert haben könnte.

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