Eisbären-Manager Lee : „Giroux und Briere machen die anderen besser“

Der Manager der Eisbären, Peter John Lee, spricht mit dem Tagesspiegel über die NHL-Stars in Berlin, die Planungsschwierigkeiten rund um den Lockout und die Frage, ob Eishockey noch ein Teamsport ist.

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Vorne dran. Claude Giroux (r.) gibt den Kollegen bei den Eisbären den Takt vor.
Vorne dran. Claude Giroux (r.) gibt den Kollegen bei den Eisbären den Takt vor.Foto: dpa

Herr Lee, Eishockey gilt gemeinhin als Mannschaftssport. Für Sie auch noch?

Schon. Aber ich gebe zu, dass die Qualität einzelner Spieler immer wichtig ist. Und wenn man zwei qualitativ so hochwertige Spieler bekommt wie wir, dann ist das Talent des Einzelnen natürlich ein Faktor.

Seitdem Sie Daniel Brière und Claude Giroux, die NHL-Stars von den Philadelphia Flyers, nach Berlin gelockt haben, spielen die Eisbären überragend. Beinahe alle Spiele hat Ihr Team gewonnen. Davor hatte es oft nicht geklappt. Können zwei Spieler also wirklich alles ändern?

Zu Beginn der Saison hatten wir in der Tat ein paar Probleme. Wichtige Spieler waren verletzt und die Abstimmung funktionierte manchmal nicht. Wir haben gesehen, dass sich nicht immer alle Lücken mit jungen Spielern füllen lassen. Brière und Giroux können die anderen Spieler mitreißen, sie besser machen. Und sie können andere auch aus einem Loch herausholen. Das ist schon erstaunlich.

Was machen die beiden denn anders?

Es sind super Typen, absolute Vollprofis. Sie nutze jede Minute auf dem Eis und wollen sich in jeder einzelnen Trainingseinheit verbessern. Sie spielen mit einer unglaublichen Intensität und haben eine physische Präsenz, die beeindruckt. Sie sind Leute, die die Mannschaft auch ein bisschen mehr zusammenhalten können.

Aber es ist nicht absehbar, wie lange sie Ihnen erhalten bleiben.

Es ist nicht so, dass wir die ganze Saison mit ihnen planen. Das sollte man nicht tun, solange nichts entschieden ist. Aber wir profitieren ja so oder so. Wir genießen jeden Tag mit den Jungs.

Momentan sieht es so aus, dass der Spielbetrieb in der nordamerikanischen Profiliga NHL wegen des Tarifstreits noch länger aussetzt. In dieser Woche gab es wieder keine Einigung.

Dass eine komplette Saison ausgespielt wird, könnte schwierig werden. Aber ich rechne damit, dass im Hinblick auf das Winter Classic eine Entscheidung fällt. Das ist ein entscheidender Punkt, ein Highlight, bei dem die ganze Welt zuschaut. Der Lockout könnte theoretisch noch eine Weile dauern, vielleicht die ganze Saison lang. Es kann aber auch alles ganz schnell gehen.

Dann würde es bei den Eisbären wieder auf Spieler ankommen, die infolge der spektakulären Verpflichtungen etwas in den Hintergrund gedrängt wurden. Schwierig, oder?

Niemand ist sauer, dass die beiden dazu kamen. Im Gegenteil. Jeder sieht, was sie können, und alle respektieren das. Die Mannschaft ist jetzt wieder in einem guten Rhythmus und in Form. Sie kann den Schwung mitnehmen. Und in der European Trophy beispielsweise haben wir schon gezeigt, dass es ohne die NHL-Spieler funktionieren kann.

Zuletzt half der NHL-Effekt den Eisbären aber auch im europäischen Wettbewerb, bei dem sie sich als einziges deutsches Team in die Endrunde vorgespielt haben.

Es war sehr wichtig, dass wir das geschafft haben. Für uns als Team, aber auch für das Standing der Deutschen Eishockey-Liga insgesamt. Sonst reden immer viele über Finnland und Schweden. Jetzt auch von Deutschland. Ohne gute Liga gibt es keine guten Mannschaften.

Vom Auftritt auf großer europäischer Bühne geht’s am Freitag ins kleine Straubing. Herr Lee, wie erklären Sie das Ihren Stars?

Das brauche ich gar nicht. Die geben einfach immer einhundert Prozent – ob in der Trophy oder in der Liga. Nach einem Bier, das wir auf den Finalrundeneinzug getrunken haben, waren die Gedanken der Spieler wieder beim nächsten Ligaspiel.

Das Gespräch führte Katrin Schulze.

Peter John Lee, 56, spielte 450 Mal in der nordamerikanischen Profiliga NHL.

1996 kam er zu

den Eisbären, erst als Spieler, später als

Trainer und schließlich als Manager.

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