Eisbären-Manager Lee im Interview : "Wir brauchen mehr Eis"

Der Manager der Eisbären Berlin, Peter John Lee, spricht mit dem Tagesspiegel über Probleme im Berliner Eishockey. Lee bedauert unter anderem, dass es immer weniger Eisflächen in der Stadt gibt.

249170_0_ae0a8f0b.jpeg
Manager der Eisbären. Peter John Lee.Foto: dpa

Peter John Lee, am Freitag spielen die Eisbären in der O2-World gegen Iserlohn. Wie viele Karten gibt es denn noch?

Keine. Wir sind schon ausverkauft.

Sie haben über 14 000 Zuschauer im Schnitt bei den Heimspielen, warum läuft das bei den Eisbären so gut?

Weil wir ein gutes Produkt anbieten und weil Eishockey viele Fans hat. Und dann haben wir viel Werbung vor unserem Umzug in die Arena gemacht. Außerdem sind wir ein Klub für Berlin geworden, das war ganz wichtig. Nicht zuletzt kommen die Zuschauer natürlich auch, weil sie Siege sehen wollen.

Die bieten Sie zuverlässig. Droht der Liga angesichts des Serienmeisters aus Berlin nicht die große Langweile?

Das ist doch Unsinn, die Konkurrenz ist groß. Ein Klub wie Mannheim gibt mehr Geld aus als wir. Unsere Erfolge sind auch das Resultat kontinuierlicher Aufbauarbeit im Nachwuchs.

Mit dem Nachwuchs aus Berlin wird es künftig dünner aussehen, nachdem in der Deutschlandhalle kein Eishockey mehr gespielt wird und aus den Capitals ein besserer Hobbyverein geworden ist, oder?

Ja, das ist traurig. Das Derby mit den Capitals fehlt uns, aber was am meisten fehlt, ist ein Unterbau. Einen zweiten André Rankel wird es so schnell nicht mehr geben. Der hat bei den Capitals angefangen und ist als Teenager zu uns gekommen.

Jetzt sind die Eisbären allein für Nachwuchsförderung auf hohem Niveau zuständig. Ihr Kooperationspartner Fass spielt ja nur in der vierten Liga, da lassen sich kaum Spieler an die DEL heranführen?

Das ist ein Problem, aber wir brauchen auch mehr Hobbyspieler. Sport ist nicht nur Profisport. Die Jugend muss die Chance haben, etwas auszutesten.

Was sagen Sie denn einem sechsjährigen Eisbären-Fan, der selbst spielen will?

Er soll zu uns kommen, wir wollen ja mit unseren Spielen auch fürs Eishockeyspielen begeistern. Wir könnten über 1000 Kinder dafür begeistern, wenn wir nur die Eisflächen hätten. Das ist es doch: Wir brauchen in Berlin mehr Eisflächen. Wir wollen bei den Eisbären zwei Teams in jeder Altersklasse haben, haben aber nicht genug Eiszeiten. Da ist die Politik gefragt.

Der Politik begegnen Sie regelmäßig bei den Meisterfeiern auf dem Rathausbalkon. Dort hat der Regierende Bürgermeister Klaus Wowereit, erst im April davon gesprochen, dass die Eisbären ein Werbeträger für Berlin seien …

… Das war ja schön und gut. Allerdings hilft es dem Nachwuchs nicht, wenn die Begeisterung nicht kanalisiert werden kann. Es ist für ein Kind nicht einfach, von Stahnsdorf nach Hohenschönhausen zu kommen, um bei uns, den Eisbären, zu trainieren. Es muss sich etwas tun, sonst werden wir künftig vor allem auf unser Scouting angewiesen sein. Es kann keiner erwarten, dass wir in ein paar Jahren so viele Berliner im Team haben wie jetzt, wenn man in Berlin fast nirgendwo mehr Eishockey spielen kann.

- Das Gespräch führte Claus Vetter.

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben