Eisbären : Mit dem Ehrgeiz der Erfahrung

Mehr Tore, weniger Strafzeiten: Eisbären-Stürmer Sven Felski spielt seine Stärken immer besser aus - und der Ehrgeiz scheint ihn nicht zu verlassen.

Claus Vetter

Berlin - Antreiben, mitreißen, Tore schießen. Mit kerniger Entschlossenheit raste Sven Felski vor einigen Tagen über das Eis der Arena von Hannover. Der Berliner wuchs mit seiner neuen Rolle. Beim Deutschland-Cup war er von Bundestrainer Uwe Krupp zum Mannschaftskapitän der Eishockey-Nationalmannschaft ernannt worden. Felski gab seinem Trainer das Vertrauen zurück, wie er sagt. „Ich habe gewusst, was ich machen muss.“ Das war zu sehen: Der Stürmer war nicht nur wegen seiner vier Treffer in drei Spielen vergangene Woche der auffälligste Spieler des gesamten Turniers von Hannover.

Felski und eine neue Rolle, das könnte ihm bei den Eisbären Berlin nicht passieren. Über ein Vierteljahrhundert nach seinen ersten Schritten auf dem Eis im Sportforum Hohenschönhausen sprintet er dort immer noch über das Eis: Am 18. November wird Sven Felski 33 Jahre alt. Kein Spieler gehört so zu den Eisbären wie er. Es war nicht immer nur schön für ihn, als nach dem Bosman-Urteil deutsche Spieler in der Deutschen Eishockey-Liga (DEL) und bei den Eisbären lange die Ausnahme waren. Der Druck auf ihn sei groß gewesen damals, sagt er. Mit Kritik habe er nicht immer gut umgehen können.

Felski ist aber ein Spieler, der Zuspruch braucht. Mitunter nämlich wird die Intelligenz des exzellenten, schnellen Schlittschuhläufers unterschätzt – auf und neben dem Eis. Das liegt wohl auch daran, dass Felski sich den Ruf des zur Überreaktion neigenden Raufboldes durch seine vielen Ausflüge auf die Strafbank erarbeitet hat. Der ehemalige Bundestrainer Hans Zach etwa hat sich nie positiv über Felski geäußert. Zach war der Meinung, dass da einer fahrlässig sein Talent verschleudere. Felski hätte es bis nach ganz oben schaffen können, vielleicht sogar bis nach Nordamerika in die National Hockey-League. Er aber ging den leichten Weg des Publikumslieblings von Hohenschönhausen.

Sein ehemaliger Klubtrainer Pierre Pagé schurigelte Felski wie einst Zach ob dessen vieler Strafzeiten. Pagés Nachfolger bei den Eisbären, Don Jackson, dagegen sieht es ganz anders. „Felski ist eben jemand, der immer Emotionen zeigt“, sagt Jackson. „Und mir ist ein Spieler mit Emotionen lieber als ein Spieler ohne Emotionen.“ Sven Felski sagt sogar: „Ich weiß, dass mir da mit den Strafzeiten zu viel passiert. Aber vielleicht brauche ich das einfach.“ Er sei halt „überehrgeizig“.

Der Ehrgeiz scheint ihn mit zunehmendem Alter nicht zu verlassen. Die Emotionen kann er vielleicht jetzt besser kanalisieren – zum Beispiel in Toren statt in Strafzeiten, so wie zuletzt im Nationalteam. Natürlich komme bei ihm auch immer mehr die Erfahrung dazu, er könne genauer einschätzen, wann er besonders gut in Form sei. „Wenn ich vorher Stress habe, spiele ich am besten.“ Zuletzt habe er nach einer Zahnoperation diese Erfahrung gemacht, sagt Felski, mit humorigem Unterton. Wichtig sei auch der Spaß an der Sache, der helfe ihm momentan auch bei den Eisbären, die heute als DEL-Tabellenführer nach der Länderspielpause den ERC Ingolstadt zum Heimspiel erwarten (19.30 Uhr, live auf Premiere). „Wir zeigen momentan, was für eine gute Mannschaft wir sind.“ Über mehr möchte Felski nicht sprechen. „Die Meisterschaft wird in einem halben Jahr entschieden, nicht vorher.“

Nach dieser Entscheidung steht dann für die Eisbären ein historischer Augenblick bevor, der Umzug in die O2-World und damit der Abschied aus dem Wellblechpalast. Der Abschied von der Stätte, in der Sven Felski sein Eishockeyleben verbracht hat. Nostalgie? Ein bisschen vielleicht, gibt er zu. Aber er sei trotz seiner Klubtreue kein Mensch, der in der Vergangenheit lebe. „Wer so eine Superarena bekommt, der darf sich nicht beschweren. Für den Verein ist der Umzug notwendig.“ Spricht da schon ein künftiger Klubverantwortlicher? Er will den Eisbären nach der Spielerkarriere erhalten bleiben, sagt er. Natürlich habe er sich darüber schon Gedanken gemacht. Sven Felski sagt aber auch: „Ich habe die Lust am Spielen noch nicht verloren. Erst wenn ich keinen Spaß mehr habe, denke ich über das Aufhören nach. Vorher nicht.“

0 Kommentare

Neuester Kommentar