Eisbären : Neuer Ärger um die neue Halle

Die Fans des Berliner DEL-Tabellenersten fühlen sich beim Umzug in die Arena am Ostbahnhof übergangen: Nur 2000 Stehplätze sollen in der nächsten Saison zur Verfügung stehen. Außerdem fehlt ein Platz für Erinnerungen aus der DDR-Zeit.

Claus Vetter
Arena am Ostbahnhof
Zur inneren Ausgestaltung der zukünftigen Spielstätte gibt es verschiedene Meinungen. -Foto: Thilo Rückeis

BerlinDas Volk protestierte. Ganz leise. Drei Schweigeminuten legten die Fans der Eisbären am Freitagabend ein, dann begann auch für die Anhänger des zweimaligen deutschen Eishockeymeisters das Spiel gegen die Hannover Scorpions. Akustisch gesehen jedenfalls. Dass sich die Fans im Sportforum Hohenschönhausen nicht nur für das Geschehen auf dem Eis interessierten, illustrierten Transparente auf der Stehtribüne. Das stehende Publikum fühlt sich beim nach der Saison anstehenden Umzug in die neue Arena am Ostbahnhof übergangen vom Klubeigner und Hallenbauer, der Anschutz-Gruppe. „Weniger Stehplätze“ war auf den Banderolen zu lesen oder „Stille statt Emotion – ist das die Zukunft des Eishockeys?“.

Der Hintergrund der Aktion ist einfach. Zurzeit ist in der 14 200 Zuschauer fassenden neuen Arena für Spiele der Eisbären eine Stehplatztribüne für 2000 Besucher vorgesehen. Den Fans ist das zu wenig, sie pochen darauf, dass ihnen 3000 Plätze zugesichert worden seien. Das bestreitet Eisbären-Sprecher Daniel Goldstein auch nicht: „Es ist möglich, die Kapazität auf 3000 Stehplätze zu erweitern, die Plätze über der Kurve sind geblockt.“ Bei Bedarf würde man Sitzplätze umwandeln. „Bisher haben sich aber viele Fans schon eine Sitzplatzdauerkarte für die kommende Saison geholt“, sagt Manager Peter John Lee. „Die wollen nicht mehr stehen.“

Es existiert wohl ein kommunikatives Problem zwischen Klubeigner und Anhängern. Am 6. März gibt es nun ein Treffen zwischen Fanklubvertretern und Anschutz-Europachef Detlef Kornett. „Da lassen sich Missverständnisse ausräumen“, sagt Lee. Davon gibt es nicht wenige. Schließlich wollen die Fans etwa wissen, ob sie ihre Meisterbanner in der Arena aufhängen dürfen – auch die aus der DDR-Zeit. „Dynamo“-Schriftzüge an der Decke der Mehrzweckarena? Es ist schwer vorstellbar, dass Popstar Madonna beim Konzert unter Dynamo-Bannern herumturnt.

Weniger strittig ist dafür zurzeit die sportliche Leistung der Eisbären, die ist kurz vor Ende der Hauptrunde in der Deutschen Eishockey-Liga (DEL) sehr gut. Am 8:2 gegen Hannover gab es nichts auszusetzen. Alles andere als ein Berliner Erfolg bei der Hamburger Filiale am Sonntag wäre eine Überraschung. Der zweite Anschutz-Klub in der DEL ist nämlich in sportlicher Schieflage, die Freezers sind nur Tabellenzwölfter. Es ist davon auszugehen, dass heute in der Color-Line-Arena die Hamburger Fans rebellieren werden. Fanproteste gegen Geschäftsführer Boris Capla und Trainer Bill Stewart gab es in Hamburg zuletzt häufiger, schließlich ist das ja Mode in der Liga. Auch die angereisten Fans der Scorpions protestierten am Freitag in Berlin, forderten bei 2:8-Rückstand „nur noch zwei“ Tore. Allerdings haben die Hannoveraner einen Trainer, der mit klaren Antworten kontert. Angesprochen auf den Fan-Unmut sagte Hans Zach: „Wir haben Meinungsfreiheit in Deutschland.“ Da könne jeder sagen was er wolle. „Auf was für einem Niveau auch immer.“

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