Eisbären sind Tabellenführer : Zurück nach vorn

Wie 2015 sind die Eisbären früh Tabellenerster – doch diesmal hat das wohl mehr Substanz. Aber abheben will nach dem 3:2 von Ingolstadt keiner bei den Berlinern.

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Gleich ist er drin. Sean Backman trifft aus dem Gewühl zum 1:1, am Ende siegten die Eisbären 3:2 in Ingolstadt. Foto: Imago
Gleich ist er drin. Sean Backman trifft aus dem Gewühl zum 1:1, am Ende siegten die Eisbären 3:2 in Ingolstadt.Foto: Imago

Jens Baxmann drehte ab, als habe er gerade mit der größten Selbstverständlichkeit der Welt den Puck ins Tor gelegt. War vielleicht ja auch so, gemessen an der noch jungen Saisonstatistik des Berliner Verteidigers. Beim 3:2-Erfolg der Eisbären in Ingolstadt erzielte Baxmann am Donnerstag ja schon sein drittes Tor im siebten Spiel. Das ist eine gute Quote – für einen Torjäger. Aber für einen Baxmann? Ist das ein Hammer! Vergangene Saison kam der Defensivverteidiger gerade mal auf einen Treffer in 62 Spielen, die Play-offs mit eingerechnet.

Der Erfolg Baxmanns ist auch ein Erfolg der auf gutem Niveau ausgeglichenen Mannschaft der Eisbären, die nach ihrem siebten Spiel zumindest bis Freitagabend auf dem ersten Tabellenplatz der Deutschen Eishockey-Liga standen. Die Berliner bringen nicht nur von der ersten bis zur vierten (kompletten) Sturmreihe ordentlich Qualität auf das Eis, sie sind auch defensiv solide besetzt und haben das Toreschießen in den ersten Spielen gut verteilt: 13 verschiedene Schützen haben die insgesamt 22 Tore erzielt. Zum Vergleich: Beim Gegner vom Donnerstag haben zehn Spieler 21 Treffer erzielt, allerdings davon drei Angreifer gleich 13 (allein Thomas Greilinger hat sechs Tore erzielt).

Wer weiß, was bei den Eisbären geht, wenn die bislang vor dem Tor etwas glücklos agierenden Stürmer Marcel Noebels und Florian Busch erst aufblühen. Trainer Uwe Krupp sagte nach dem Sieg bei den zuvor drei Mal in Folge ungeschlagenen Bayern: „Insgesamt waren die letzten 20 Minuten von uns gutes Eishockey.“ Das klang nach zweckgebundenem Pessimismus. Nur nicht zu sehr hochjubeln das Ganze, mag sich Krupp gedacht haben – in dem Wissen, dass seine Mannschaft gegen stark besetzte Gegner, wie etwa die Adler Mannheim am kommenden Sonntag, zulegen muss. Die beiden Niederlagen der Saison gab es gegen die Schwergewichte Nürnberg und München.

Die Eisbären haben sich weiterentwickelt

Krupp redet aus Erfahrung vorsichtig. Angesichts einer Tabellenführung und eines Sieges gegen Ingolstadt am siebten Spieltag hat der Berliner Trainer zuvor schon einmal gesagt: „Natürlich freut es mich, dass sich die Mannschaft da belohnt hat. Aber wenn ich mir so die Kader von einigen Konkurrenten anschaue...“ Das Zitat ist zwei Jahre alt. Nach dem Sieg gegen Ingolstadt am siebten Spieltag holten die Eisbären am 3. Oktober 2015 die Tabellenführung. Die Saison endete im Viertelfinale gegen die Kölner Haie.

Aber seitdem haben sich die Eisbären und ihr Trainer weiterentwickelt. Vor zwei Jahren gelang einem jungen Verteidigertalent das 1:0 beim 2:1 gegen Ingolstadt – Jonas Müller. Müller gehört heute zu den Leistungsträgern in der Berliner Defensive. Wie ein Jens Baxmann, der mit 32 Jahren inzwischen nicht nur trifft, sondern in der Kabine der Berliner oft die treffenden Worte findet, wie kolportiert wird. Claus Vetter

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