Eisbären-Stürmer Florian Busch : Das Kind in ihm ist zu groß

Florian Busch hat sich entschieden. Er will sich nur noch auf die Eisbären Berlin konzentrieren, das Thema Nationalmannschaft erklärt er für erledigt. Dennoch hofft der Bundestrainer auf ein Comeback.

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Immer vorn dabei. Stürmer Florian Busch gibt nicht nur auf der Eisfläche, sondern auch sonst gerne mal den Ton an.
Immer vorn dabei. Stürmer Florian Busch gibt nicht nur auf der Eisfläche, sondern auch sonst gerne mal den Ton an.Foto: dpa

Die Flausen wird er wohl nicht mehr los. Zwar sind seine flotten und mitunter auch grenzwertigen Sprüche in den vergangenen Jahren weniger geworden, ein paar Späßchen und ein paar dumme Kommentare in Richtung seiner Kollegen dürfen es aber schon noch sein. „Das Kind in mir kommt immer mal wieder durch“, sagt er. Es ist die Tatsache, dass Florian Busch sich und seinen Aktionen manchmal selbst nicht recht traut, die ihn dazu veranlasst hat, seine Karriere in der Eishockeynationalmannschaft aufzugeben. „Das Thema ist komplett abgehakt“, sagt Busch. „Ich will mich der Gefahr nicht mehr aussetzen, wegen irgendwelchem Blödsinn meine Karriere zu gefährden.“

Um das zu verstehen, muss man ein wenig zurückblicken. Denn den vermutlich größten Blödsinn seiner Karriere hat der heute 26 Jahre alte Angreifer im März des Jahres 2008 angestellt, als er einem Dopingkontrolleur eine Probe verweigerte. Mit dieser Geschichte und den anschließenden juristischen und ethischen Auseinandersetzungen hat es der Eishockeyprofi zu einiger Berühmtheit gebracht. Inzwischen ist ihm die Angelegenheit und der daraus entstandene Rummel um seine Person peinlich. „Ich möchte mit meinen Leistungen Schlagzeilen machen und nicht mit so etwas“, sagt er.

Deshalb schützt sich Busch vor sich selbst: vor etwaigen Fehlern bei den Meldeverfahren der Nationalen Antidopingagentur Nada. Ziemlich genau ein Jahr ist es her, dass er dem Deutschen Eishockey-Bund (DEB) aus Angst vor einem Verstoß gegen die Richtlinien eine – damals völlig überraschende – Absage erteilte. Kurz vor dem ersten Bully beim Deutschland-Cup überlegte er es sich anders, obwohl er doch längst wieder spielberechtigt war. Auch der neue Bundestrainer Jakob Kölliker konnte ihn nun nicht dazu bewegen, zurückzukehren. Kölliker sagte dem Tagesspiegel: „Es ist eine schwierige Situation für ihn. Natürlich hätte ich ihn gerne im Team, aber ich möchte ihm keinen Druck machen.“

So wird Florian Busch ein paar freie Tage genießen, wenn in knapp zwei Wochen der nächste Deutschland-Cup in München ansteht. Am heutigen Dienstag absolviert er mit den Eisbären gegen den ERC Ingolstadt das letzte Heimspiel vor der Länderspielpause (19.30 Uhr). Dass er seine zuweilen kunstvollen Darbietungen exklusiv bei den Eisbären Berlin vorträgt, sei für ihn „absolut ausreichend“. Hier versteht man seinen Schabernack, hier ist er geachtet. Hier wird er auch geschützt, wenn es mal wieder heikel werden könnte oder nicht so läuft – wie zu Saisonbeginn, als er mit den neuen Kollegen Darin Olver und Barry Tallackson Abstimmungsprobleme hatte. Bis 2014 hat ihn Manager Peter John Lee an Berlin gebunden. „Er weiß, dass er damals einen blöden Fehler gemacht hat, aber irgendwann ist auch mal gut“, sagt Lee, der Buschs Entscheidung gegen das Nationalteam akzeptiert.

Der DEB muss das auch, aufgeben jedoch wird er im Kampf um Busch nicht. „Vor der WM werde ich das Gespräch mit ihm auf jeden Fall noch einmal suchen“, sagt Bundestrainer Kölliker. „Ich hoffe, dass er wieder auf den Geschmack kommt und es sich irgendwann anders überlegt.“ Im Moment allerdings scheint Florian Buschs Lust auf ein unbeschwertes Leben mit eventuellen Fehlern größer als die Lust auf die Nationalmannschaft.

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