Eisbären-Torwart Rob Zepp : Das Gegenteil von Wahnsinn

Der Berliner Torhüter Rob Zepp überzeugt in den Play-offs um die deutsche Meisterschaft. Trotzdem drängt er nicht in den Vordergrund.

Katrin Schulze
EHC Eisbaeren Berlin - Adler Mannheim
Solide, sicher. Torwart Rob Zepp.Foto: ddp

Rob Zepp gab seine Audienz. Vor einer stattlichen Kulisse, die das Schauspiel johlend begeleitete, empfing er seine vorbildlich aufgereihten Kollegen. Einer nach dem anderen fuhr auf Schlittschuhen zu ihm vor und drückte seine Dankbarkeit aus. Hier ein Klaps auf den Helm, da ein anerkennendes Nicken, da noch ein paar großspurige Worte. Die sonntagnachmittagliche Zeremonie auf dem Eis der Arena am Ostbahnhof bildete den gebührenden Abschluss eines beachtlichen 4:0-Erfolgs der Eisbären über die Adler Mannheim im ersten Halbfinale um die deutsche Eishockey-Meisterschaft.

Dass die Danksagungen für den Torhüter in Diensten der Eisbären diesmal so ausgiebig ausfielen, hatte seinen Grund: Im 19. Play-off-Spiel für die Berliner hatte Zepp gerade sein erstes Shutout - eine Partie ohne Gegentor - abgeliefert. Eine Leistung, die seinem Trainer imponierte. In einer Art Endlosschleife verwies Don Jackson nach der Partie gegen die Adler immer wieder auf seinen Torwart. Und auch das Statement seines Mannheimer Trainerkollegen Teal Fowler kam nicht ohne einen Satz über „den großartigen Zepp" aus.

Einer der fleißigsten Profis im Team

Für Zepp selbst fallen diese Lobeshymnen ein bisschen zu überschwänglich aus. „Natürlich ist es ein gutes Gefühl, etwas zum ersten Sieg der Serie beizutragen", sagt er. Aber jetzt sei es doch viel wichtiger, dass die ganze Mannschaft bei der nächsten Begegnung an diese Leistung anknüpft. Dem 27 Jahre alten Torwart tropft kurz nach Spielende noch der Schweiß aus seinen blond-durchwuschelten Haaren und trotzdem denkt er schon an seine nächste Aufgabe, dem zweiten Spiel der „Best-of-five"-Serie am Dienstag in Mannheim (19.30 Uhr, live auf Premiere). Das passt. Denn Zepp zählt zu fleißigsten im Team der Berliner: Nach dem Training legt er schon mal eine Sonderschicht ein – lässt sich ein paar Schüsse auf sein Tor servieren oder übt ganz allein Paraden.

„Rob ist ein Typ, der nie mit sich zufrieden ist", sagt Peter John Lee. Dem Berliner Manager liegt viel an den Diensten seines ruhigen Leistungsträgers. Nach der Saison wird er dafür wohl sogar Nationaltorwart Youri Ziffzer, der bei den Eisbären von Zepp zum Statisten degradiert wurde und bislang nur auf zehn Saisoneinsätze kam, nach Hannover ziehen lassen. „Wir werden im nächsten Jahr wahrscheinlichen einen jungen Deutschen als zweiten Torhüter aufbauen", sagt Lee. „Rob ist bei uns gesetzt, weil er es schafft, immer im richtigen Moment da zu sein." Wie jetzt in den Play-offs.

Schon im nächsten Jahr könnte Zepp ins Nationalteam rücken

Dennoch. Es kaum vorstellbar, dass der Keeper seinen eigenen Beitrag an der Erfolgsstory der Eisbären, die in der diesjährigen Endrunde bisher noch keine Niederlage kassiert haben, überbewerten würde. Rob Zepp gehört nicht in die Kategorie Torhüter, die sich selbst in der Rolle eines verquer denkenden Wahnsinnigen sehen. Er verkörpert das genaue Gegenteil. Bescheiden, teambewusst, leise. Als seine Kollegen in der letzten Saison nach ihrem Finaleinzug hinter ihm in ohrenbetäubender Lautstärke grölten, gab sich Zepp gefasst und beantwortete seelenruhig Fragen. Auch bei der Meisterfeier hielt er sich vornehm zurück, während die Anderen ausschweifend feierten.

Mit so einer professionellen Einstellung empfiehlt sich Zepp quasi von selbst für einen Einsatz in der Nationalmannschaft – in der deutschen Nationalmannschaft wohlgemerkt. Weil der gebürtige Kanadier aus der Provinz Ontario mittlerweile aufgrund seines deutschstämmigen Vaters einen deutschen Pass besitzt, könnte er schon im nächsten Jahr für das Team von Bundestrainer Uwe Krupp auflaufen. Wie wäre es denn mit einem Einsatz bei der Weltmeisterschaft nächstes Jahr in Deutschland? Jetzt gibt der Berliner Profi doch noch seine starre Haltung auf. Er lächelt verschmitzt und reißt seine grünen Augen weit auf. „Das wäre wirklich einmalig", sagt Rob Zepp.

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