Eisbären-Trainer Jackson im Interview : "Gretzky war kein Chef"

Trainer Don Jackson über Führungspersönlichkeiten im Eishockey und Perspektiven seiner Eisbären Berlin.

Don Jackson, eine Eishockey-Weisheit sagt, die Offensive gewinnt Spiele, die Verteidigung gewinnt Meisterschaften...



Das stimmt. So, wie wir uns am Sonntag beim 4:6 in Augsburg präsentiert haben, geht es natürlich nicht.

In den drei Spielen zuvor hatte Ihr Team nur ein Tor kassiert. Warum funktionierte Ihre Ordnung in der Defensive nicht mehr?

Der Gegner hat uns physisch gefordert, Fouls provoziert und dazu kamen einige Schiedsrichterentscheidungen.

Schuld war also der Schiedsrichter?

Er war mitschuldig. Es kann doch nicht sein, dass neue Regeln verkündet werden und dann nicht danach gepfiffen wird.

Nennen Sie ein Beispiel.

Die Spieler dürfen das Eis nicht verlassen, wenn der Linesman einen unerlaubten Weitschuss anzeigt. Das ist eine neue Regel. Aber was nützt es, wenn sie nicht immer angewandt wird?

Das erklärt doch nicht die Höhe der Niederlage. Vier Mal haben die Eisbären diese Saison erst verloren, aber wenn sie verlieren...

...dann gibt es acht oder sechs Tore. Und das macht mir Sorgen. So etwas passiert, wenn unser Torwart Rob Zepp einen schlechten Tag erwischt. Vergangene Saison hatten wir da mehr Möglichkeiten, weil Youri Ziffzer ein guter Ersatz war.

Markus Keller, Ihr neuer Ersatztorhüter, ist es nicht?

Er ist noch jung. Aber er wird seine Chance erhalten, vielleicht holen wir auch noch einen Torhüter. Aber es besteht kein Grund zur Panik, wir sind das bestimmende Team in der Liga.

Die meisten Zuschauer, vier Mal in fünf Jahren Meister: Erklären Sie doch mal das Erfolgskonstrukt Eisbären Berlin.

Das beginnt mit der Hilfe unseres Eigners Philip Anschutz. Entscheidend ist aber die Kreativität eine Etage tiefer: Unser Manager Peter John Lee setzt sein Budget seit Jahren clever ein. Er hat auf deutsche Spieler gesetzt und Geld gespart. Nun muss er Florian Busch oder André Rankel zwar mehr zahlen, aber sie sind Leistungsträger geworden. Dazu kommt, dass Peter bei ausländischen Spielern ein glückliches Händchen hat. Jeff Friesen und T.J. Mulock bringen uns in dieser Saison einen neuen Schub. Wir haben uns die Kontinuität erarbeitet und nun müssen wir schauen, dass wir da bleiben.

Wie wollen Sie das anstellen?

Für mich als Trainer ist es wichtig, immer wieder neue Wege zu finden, die Mannschaft zu sortieren. Jeder Spieler hat eine andere Perspektive. Man muss ihn entsprechend seiner Fähigkeiten ansprechen, Hierarchien schaffen. Man braucht Führungspersönlichkeiten in einem Team, sonst funktioniert nichts. Da habe ich schon viel erlebt...

Immerhin haben Sie ja bei den Edmonton Oilers mit der Persönlichkeit des Eishockeys überhaupt zusammengespielt...

Sie meinen Wayne Gretzky? Nein, der war kein Chef bei uns, kein Mann der lauten Töne. Wenn überhaupt, dann war er ein stiller Anführer, weil er hart gearbeitet hat und immer topfit war. Bei den Eisbären erfüllt Steve Walker diese Kriterien und ist darüber hinaus auch der Anführer mit der Unterstützung des Trainers.

Der heißt im dritten Jahr bei den Eisbären Don Jackson und auch noch darüber hinaus, oder?

Ich war drei Jahre Trainer in Ottawa, Pittsburgh und Quebec, meine Zeit in Berlin läuft ab (lacht). Nein, ich hoffe nicht, dass es so kommt: Die Situation, so lange konstant Erfolg zu haben, ist für mich neu. Und ich hätte nichts dagegen, wenn es in Berlin noch ein paar Jahre so weitergeht.

Das Gespräch führte Claus Vetter.

Don Jackson, 53, war Verteidiger in der National Hockey League (NHL), wo er zwei Mal mit Edmonton den Meistertitel gewann. Seit 2007 ist der US-Amerikaner Trainer der Eisbären Berlin.

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