Eisbären verlieren drittes Halbfinale : RB München hat mehr Kraft

Die Eisbären haben im dritten Halbfinalspiel keine Chance und verlieren 1:5 beim Meister. Schon nach einer Viertelstunde war praktisch alles klar.

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Der Anfang vom Ende in Spiel drei. Münchens Kapitän Michael Wolf bejubelt sein Tor zum 1:0. Danach lief es fast wie von selbst für den Meister.
Der Anfang vom Ende in Spiel drei. Münchens Kapitän Michael Wolf bejubelt sein Tor zum 1:0. Danach lief es fast wie von selbst für...Foto: Buthmann/Imago

In der Olympia-Eishalle von München war es am Dienstag kuschelig wie eh und je. Wie schon seit Jahrzehnten weht ein leichter Duft von Pommes Frites und anderem Frittiergut durch die Arena aus den Siebzigerjahren. Aber dafür sei es in ihr eben lauter als in den modernen Multifunktionsarenen, behauptete am Dienstag der Stadionsprecher keck. Wenn das mal nicht der Boss der Firma hört, schließlich will Dietrich Mateschitz seinem Eishockeyklub RB München in zwei Jahren eine topmoderne Arena hinstellen. Die passende Mannschaft hat der österreichische Brausemogul jetzt schon zusammen, davon konnten sich am Dienstag die Eisbären vor Ort überzeugen. Im dritten Spiel der nach dem Modus „Best of Seven“ ausgetragenen Halbfinalserie um die deutsche Eishockeymeisterschaft waren sie ohne Chance und verloren 1:5 (0:3, 0:2, 1:0).

Etwas überraschend kam die Klatsche von München aber schon aus Berliner Sicht. Spiel eins hatten die Eisbären 3:2 nach Verlängerung in München gewonnen und am Sonntag hatten sie sich beim 1:2 in Berlin achtbar gegen die Bayern verkauft, die nun 2:1 in der Serie führen.

Das war schon ein fröhliches Eishockey-Spektakel, dass die Münchner da in der ersten Viertelstunde veranstalteten. Den Berlinern ging alles viel zu schnell, die Kombinationen des Gegners verfolgten sie oft als hilflose Zuschauer, in Zweikämpfe konnten sie die flinken Gegenspieler zu selten verwickeln.

Michael Wolf, Steve Pinizzotto und Dominik Kahun lauteten die Namen der ersten drei Münchner Torschützen, nach 15 Spielminuten bereits sah es schlecht aus für die Eisbären. Offensichtlich haben die vielen und zum Teil langen Spiele Substanz gekostet. Fünf Mal mussten die Berliner in elf Play-off-Auftritten in eine Verlängerung, so etwas schlaucht Dass Eisbären-Kapitän André Rankel jüngst behauptete, keiner in der Mannschaft sei körperlich geschafft, war wohl auch taktisch motiviert. Nur dem Gegner keine Schwäche zeigen oder darüber reden – aber die Münchner wussten wohl auch so, dass die Berliner längst an ihre Reserven gehen müssen. Insofern war die Taktik, den Gegner im ersten Drittel an die Wand zu spielen, aus Sicht von Münchens Trainer Don Jackson ganz richtig.

Erstmals in den Play-offs verlieren die Eisbären zwei Spiele in Folge

Danach konnten die Bayern das Tempo gegen Mitte des Spiels sogar etwas drosseln und geduldig auf ihre Chancen warten, etwa im Powerplay. Der Berliner Verteidiger Constantin Braun sah von der Strafbank aus, wie Münchens Kapitän Michael Wolf auf 4:0 erhöhte.

Die 6142 Zuschauer in der ausverkauften Halle konnten sich danach mit ihren eigenen Gesängen beschäftigen oder dem Rahmenprogramm – zumeist – lauschen. Während sie in anderen Arenen der Liga in den Pausen Gassenhauer spielen, feuern sie in München vor allem verlängerte Werbesongs ab. Aber bei einem Team, das laut Stadionsprecher „Red-Bull-Eishockey spielen“ sollte und auch spielte, da gehört so etwas wohl dazu.

Am Dienstag konnten die Eisbären einfach nicht dagegengehalten. Ein Pfostenschuss von Daniel Fischbuch war Anfang des zweiten Drittels ein zartes Lebenszeichen, doch nach dem 0:4 hatten die Spieler von Trainer Uwe Krupp dann nicht nur ihre Kraft sondern auch ihren Mut verloren. Symptomatisch dafür war eine Szene gegen Ende des Mittelabschnitts, in der die Berliner den Puck an der gegnerischen blauen Linie verdaddelten und dann München in Unterzahl mit zwei Spielern einen Konter fahren konnte ohne dass ein Berliner noch hinterhergekommen wäre. Brooks Macek erzielte in besagtem Konter das fünfte Tor für die Bayern, Eisbären-Torwart Petri Vehanen musste sich vorkommen, als habe ihn jemand in die Hauptrunde der Saison zurückgebeamt. Seine Vorderleute unterstützen ihn zu selten. Im letzten Drittel durfte sich der Finne dann ausruhen, Marvin Cüpper musste ins Berliner Tor.

Laurin Braun gelang im letzten Drittel zumindest der Ehrentreffer für die Berliner in einer insgesamt völlig missratenen Darbietung ihrerseits. Das sah wohl auch Peter John Lee so. Der Geschäftsführer der Eisbären sagte schulterzuckend: „Zu dem Spiel kann man einfach nicht viel sagen.“

Die spannende Frage ist nun, wie sehr sich die Eisbären von diesem Spiel erholen können. Von Vorteil könnte sein, dass sie nun einmal zwei Tage Spielpause haben, erst am Freitag geht es in Berlin mit Teil vier der Serie weiter. Aber wenn alles normal läuft, sind die Münchner jetzt im Vorteil. Die Bayern bezwangen als erstes Team in der Endrunde die Berliner zweimal in Folge. Die Hoffnung der Eisbären aber wird sein, dass bei ihren Gegnern bislang in den Play-offs selten etwas erwartbar lief – eben weil die Eisbären immer wieder für überraschende Momente gut waren. Da waren sie allerdings physisch noch stärker als zu dieser Saisonphase.

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