Eisbären verlieren zu Hause : Guten Morgen, liebe Sorgen

Beim 1:3 im Frühschoppen-Spiel gegen die Krefeld Pinguine setzt sich die Formschwäche der Eisbären Berlin fort.

Katrin Schulze
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Banden-Debatte. Der Berliner Weiß (rechts) und der Krefelder Blank.Foto: Jürgen Engler

Guten Morgen! Und herzlich willkommen zum Eishockey. An diese Form der Begrüßung müssen sich wohl nicht nur Fans dieser Sportart erst noch gewöhnen. Erstmals in der Geschichte der Deutschen Eishockey-Liga begann eine Partie gestern schon um 12 Uhr mittags. Für ihre frühe Einsatzbereitschaft wurden die 14 200 Zuschauer in der ausverkauften O2-World mit einem spannenden, aber längst nicht hochklassigen Spitzenspiel zwischen den Eisbären und den Krefeld Pinguinen belohnt, das die Berliner 1:3 (0:1, 0:1, 1:1) verloren.

Vom Berliner Experiment Frühschoppen-Eishockey zeigten sich jedoch längst nicht alle Profis begeistert. „Normalerweise stehe ich sonntags um diese Zeit erst auf“, sagte Eisbären-Stürmer Nathan Robinson. „Das letzte Mal, als ich ein Punktspiel um 12 Uhr hatte, war ich 14 Jahre alt.“ Robinson konnte seine Abneigung gegen die frühe Anfangszeit während des Spiels kaum verbergen – der Kanadier agierte unkonzentriert und fahrig. Gleich mehrere Pässe seiner Kollegen ließ er an sich vorüber ziehen und fand sich zum Höhepunkt seiner unglücklichen Aktionen gegen Ende des ersten Drittels nach einem Strauchler schließlich bäuchlings auf dem Eis wider.

Robinsons Nachlässigkeiten waren symptomatisch für das Spiel der Eisbären, denn auch seine Kollegen präsentierten sich besonders zu Beginn der Partie alles andere als ausgeschlafen: Sie produzierten viele Fehler und liefen uninspiriert über das Eis ihrer neuen Arena. Etwas aufgeweckter als die Berliner waren die Gäste aus Krefeld. Wenn sie sich spielerisch auch nicht deutlich von den Eisbären absetzten, so nutzen sie wenigstens ihre Torchancen: Nach 16 Minuten musste Rob Zepp im Tor der Eisbären nach einer schönen Kombination der Pinguine, die Stürmer Herbert Vasiljevs erfolgreich abschloss, das erste Mal hinter sich greifen.

Selbst das Gegentor ließ die Berliner danach nur bedingt munterer agieren. Zwar erarbeiteten sie sich vor allem in ihren zahlreichen Überzahlspielen Gelegenheiten, doch die eigene Spielanlage und vor allem der Krefelder Torhüter Scott Langkow verhinderten den Ausgleich. „Unser Powerplay hat nicht gut funktioniert, das war der Knackpunkt“, sagt der Berliner Kapitän Steve Walker. Doch auch im Spiel Fünf gegen Fünf waren die Pinguine den Eisbären oft einen Schritt voraus – so auch in der 37. Minute, als Patrick Hager für die Krefelder sogar auf 2:0 erhöhte.

Erst zu Beginn des Schlussabschnittes waren dann auch die Eisbären körperlich und geistig vollkommen in der Partie angekommen. Aus kurzer Distanz schaffte es Walker endlich, den ausgezeichneten Krefelder Torhüter zu überwinden – der Anschlusstreffer zum 1:2. Ein Weckruf für die Eisbären, die nun alles daran setzten, den Ausgleich herbeizuführen. Doch kaum hatten sie auf Anweisung von Trainer Don Jackson ihren Torwart zugunsten eines sechsten Feldspielers vom Eis genommen, traf Charlie Stephens in der letzten Minute zum 3:1 für die Gäste.

Jackson war nun endgültig bedient. Mit wütendem Gesichtsausdruck stopfte der Berliner Trainer seinen Notizzettel ins Jackett und begnügte sich in den verbleibenden Sekunden damit, hinter der Bande zu meckern. „Wir sind auf keinem guten Weg“, sagte er nach der Partie. Vier Punkte aus den vergangenen fünf Spielen – ein guter Weg sieht in der Tat anders aus. Doch worin liegt die Ursache der Formschwäche bei den Berlinern? Viele Profis der Eisbären sind verletzt oder spielen, wie Verteidiger Richie Regehr, angeschlagen. „Dadurch werden unsere Reihen durchmischt und sind nicht richtig eingespielt“, sagte Stürmer Alexander Weiß. „Aber ich bin überzeugt, dass wir bald wieder zurück zu gewohnter Stärke finden.“

Dass sich Berliner in Zukunft aber auch vom Mehrwert eines Eishockeyspiels am Mittag überzeugen lassen, bleibt nach der sportlichen Leistung vom Sonntag zumindest fraglich.

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