Sport : Eisbären wehren Pleite ab

Schwenningen verliert in Berlin 3:4 und kündigt Insolvenz an

Claus Vetter

Berlin. Als Schabernack kann man das bezeichnen, was gestern im deutschen Eishockey aufgeführt wurde. Es war eine Art Dreiteiler der Lächerlichkeit. Den Anfang hatten die Schwenninger Wild Wings gemacht. Der Tabellenletzte aus der Deutschen Eishockey-Liga (DEL) war angeblich plötzlich pleite, dann wieder nicht und dann doch: Den für Donnerstag angekündigten Insolvenzantrag verschob der Klub auf heute. Bei der DEL sind sie sauer über die finanzielle Schieflage im Schwarzwald.

Und beim EHC Eisbären, da stellten die Spieler 4100 Fans gegen den Pleite-Klub aus Schwenningen im Sportforum Hohenschönhausen auf eine lächerliche Geduldsprobe. Nach einem überflüssig spannenden Spiel schlugen die überlegenen Berliner die Wild Wings schließlich noch mit 4:3 (1:2, 3:1, 0:0) und übernahmen die Tabellenspitze.

Am Mittwoch hatten die Schwenninger Profis von den finanziellen Schwierigkeiten ihres Arbeitgebers erfahren. Dass derlei Kunde nicht unbedingt gut fürs Spielergemüt ist, darf vorausgesetzt werden. Trotzdem schlugen sich die Wild Wings in Berlin für ihre Verhältnisse ordentlich. In jedem Fall waren sie im Ausnutzen ihrer Chancen effektiver als ihr Gegner. So kam es dann auch, dass sich die harmlosen Schwenninger bei den viel zu arrogant agierenden Eisbären fast bis zur Hälfte der Partie über eine Führung freuen durften: Erst nach 29 Minuten setzte Kelly Fairchild mit seinem Treffer zum 3:3 dem bunten Treiben auf dem Eis und allen Schwenninger Träumen von einer Sensation ein Ende.

Zuvor hatte Fairchild zum zwischenzeitlichen 1:2 getroffen und David Roberts das Tor zum 2:3 geschossen. Nach dem Tor zum 3:3 sorgte Mark Beaufait nach 35 Minuten mit dem 4:3 für den erwarteten Ausgang eines Spieles, das die verantwortlichen Funktionäre in der DEL gestern nur am Rande interessierte. Der Geschäftsführer der DEL, Gernot Tripcke, befand die Vorgänge bei den Wild Wings „als ärgerlich". Schließlich sorge die Liga, die momentan mit der durchschnittlichen Besucherzahl von mehr als 5000 Zuschauern pro Partie besser dastehe als je zuvor, sonst nur für positive Schlagzeilen. Bei der nächsten Gesellschafterversammlung soll laut Tripcke nun eine Sonderprüfung im Fall Schwenningen beantragt werden. Der Verdacht besteht, dass im Schwarzwald bei der Lizenzvergabe geschummelt wurde. Schließlich fallen die Gründe für die Selbstanzeige der Wild Wings zu lapidar aus. Ihr Vorsitzender Gerhard Henisch spricht von wenigen 100000 Euro an Verbindlichkeiten, andere Quellen aber davon, dass der Schwenninger Schuldenberg 3,8 Millionen Euro betragen soll.

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