Eisbären Berlin : Gegner als Vorbild

Beim Werben um neue Zuschauer können die Eisbären viel von ihrem Finalkontrahenten Köln lernen.

Claus Vetter

Berlin - 17 Minuten hat es gedauert. Nach einer guten Viertelstunde hatten die Eisbären alle Tickets für ihre ersten beiden Heimspiele der Finalserie um die deutsche Eishockeymeisterschaft verkauft. Beim Finalgegner Köln geht das langsamer, am ersten Verkaufstag waren die Karten für das zweite Spiel der Serie Best-of-five noch nicht sofort weg. Schlecht für Köln? Nein, knapp 10 000 Karten konnten die Eisbären für zwei Heimspiele nur verkaufen, über 15 000 Tickets hatten die Haie für ein Heimspiel schon an den Fan gebracht. Zwischen Wellblechpalast und Kölnarena liegen eben Welten, was das Fassungsvermögen betrifft. Die Kölner sind schon lange dort, wo die Berliner ab September mit ihrer neuen Großarena hinwollen.

Die Haie spielen bereits im zehnten Jahr in der größten Mehrzweckarena Deutschlands, haben seit dem Einzug konstant einen Zuschauerschnitt um die 12 500 Zuschauer in der Hauptrunde einer Saison, in den Play-offs oder den Derbys gegen die Düsseldorfer EG ist die Arena oft ausverkauft: Am Dienstag werden 18 500 Zuschauer das zweite Endspiel gegen die Eisbären sehen, verspricht Kölns Geschäftsführer Thomas Eichin. Die Haie sind in Deutschland außerhalb des Fußballs der Sportverein mit den meisten Zuschauern und für die Eisbären daher auch der Klub, wo sich in der Zuschauerwerbung viel abschauen lässt, sagt ihr Manager und Geschäftsführer Peter John Lee. „Die Haie sind für uns das Vorbild, wir haben bei denen auch schon genau hingeschaut, da können wir viel lernen.“

Zum Beispiel, dass es sich nicht unbedingt lohnen muss „jeden Hardcorefan“ aus der alten Halle in die neue Halle mitzunehmen, wie Thomas Eichin sagt. Es gäbe eben Leute, die sich nicht überzeugen ließen. „Als wir aus dem alten Stadion an der Lentstraße in die Kölnarena umgezogen sind, haben wir natürlich versucht, unser Stammpublikum mit herüberzunehmen.“ Das sei aber nur etwa zum 80 Prozent gelungen, berichtet Eichin. „Wichtig ist, dass man von Beginn an gute Stimmung hat in der neuen Arena.“ Ein Vorprogramm nach amerikanischen Muster in einer Großarena sei schön, aber danach wollten die Leute „Eishockey pur“ sehen in Deutschland. Den Mut, etwas Neues zu wagen, sei wichtig, dessen müssten sie sich in Berlin bewusst sein. „Die klassische Wellblechpalastatmosphäre kann nicht mit umziehen, schließlich wollen die Eisbären ja 200 Prozent mehr Zuschauer haben.“

Große Hallen seien im Sportgeschäft kein Selbstläufer, sagt Eichin, einst Fußballprofi bei Borussia Mönchengladbach. „Wir arbeiten in Köln seit Jahren mit Konzepten und Aktionen.“ So werden einmal im Jahr 3000 Kölner Erstsemester zu einem Spiel eingeladen und es gibt zu einer Saisonpartie Tickets für Taxifahrer – ansonsten aber gebe es bei den Haien wenig umsonst, sagt Eichin. „Zuletzt gab es bei uns gar keine Freikarten, man darf sein Produkt schließlich nicht verramschen.“ Das haben sie auch nicht vor in Berlin. „Wir haben das Ziel, pro Spiel alle 14 200 Karten zu verkaufen in der neuen Halle“, sagt Lee. Auf jeden Fall sei der Umzug überfällig: „In einer kleinen Halle kannst du ein Projekt wie unseres auf Dauer nicht rentabel finanzieren.“

In Köln haben sie vor dieser Saison 5500 Dauerkarten verkauft, in Berlin peilen sie für die neue Arena eine Zahl von 4000 Saisontickets an, knapp 2000 davon sind bereits jetzt verkauft. Der Weg zum Erfolg bei den Fans wie in Köln ist halt ein harter. „Einmal hatten wir in dieser Saison sogar fünf Heimspiele binnen zwölf Tagen und trotzdem 60 000 Zuschauer“, sagt Haie-Geschäftsführer Eichin stolz. Eine imposante Zahl, auf die sie bei den Eisbären dieser Tage nur im Traum kommen. Billy Flynn, neben Lee Geschäftsführer der Eisbären, sagt: „Der Ansturm ist unglaublich, wir hätten 15 000 Tickets verkaufen können. Wir bräuchten die O2-World schon jetzt.“ Ab September können die Eisbären beweisen, dass sie die neue Arena brauchen – vielleicht sogar als Deutscher Meister.

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