Sport : Eisern gefeiert

Die Union-Fans gewinnen in Köln

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Berlin. Spät nachts rauschten sie in ihren Golfs und Toyotas über die trübselige, feuchtglänzende A2 wieder Richtung Berlin, rot- weiße Schals stolztrotzig in die Fenster geklemmt: Weit mehr als tausend Union-Fans hatten zusehen müssen, wie ihre Mannschaft am Montagabend in Köln von einem Karnevalsverein mit angeschlossener Fußballabteilung der Lächerlichkeit preisgegeben und – Tätää! – mit stilechtem rheinischen Tusch aus den Lautsprechern verabschiedet wurde.

„Wie ein portioniertes Spanferkel“ kam sich einer vor, und das in Köln ganz besonders provozierend wirkende Transparent „Union-Fans Leverkusen“ war schon bald nach dem Anpfiff nicht mehr zu sehen. Aber am nächsten Tag kamen sehr ungewöhnliche Anrufe und E-Mails aus Köln bei den niedergeschlagenen Unionern an. Allgemeiner Tenor: Respekt – ihr seid die besten Gästefans, die je in Müngersdorf waren!

Und tatsächlich: Was für ein beeindruckender Auftritt, nicht nur der Zahl der Fans wegen, die sich an diesem trüben Werktag auf den langen Weg gemacht hatten. Noch nach dem vierten Gegentor feuerten die Berliner ihre verwirrte Mannschaft so unverdrossen und hoffnungsfroh an, als könnte sie das Spiel jederzeit drehen. Und selbst, als nach dem siebten Treffer nun wirklich nichts mehr drin war, gab es keine Pfiffe, keine Schmähungen, allenfalls Ironie: „Das ist ’ne ganz enge Kiste“, „Die Null muss stehen“, „Nur noch acht“ (Tore bis zum Sieg). Und immer wieder, ganz ernst: „Eisern Union!“ Einmalig.

Die Fans, in ihren roten Perücken auch für Kölner jeck genug, feierten sich selbst, singend und Fahnen schwenkend. Am Ende zwangen sie sogar noch die peinlich berührten Steffen Menze und Ronny Nikol zum Trost spendenden Umweg in die Kurve. Verdient hatten sie das eigentlich nicht. Aber vielleicht bezahlt die Mannschaft ihren Verehrern zum Dank ja die Fahrt zur nächsten Party – diesmal in Karlsruhe. Lorenz Maroldt

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