Sport : Eisern trauern

Der 1. FC Union kehrt in die Fußball-Regionalliga zurück und steht vor einer ungewissen Zukunft

Karsten Doneck,Klaus Rocca

Von Karsten Doneck

und Klaus Rocca

Berlin. Trainer Aleksandar Ristic fuhr gleich weiter nach Düsseldorf. Familientag war bei ihm angesagt. Präsident Jürgen Schlebrowski hetzte am Tag danach von einer Sitzung in die nächste, alles rein beruflich. Die Spieler erholten sich, sie hatten trainingsfrei. Eine gute Gelegenheit, um Abstand zu gewinnen und sich wieder zu sammeln. Am Sonntag um 16.48 Uhr waren im Ahlener Wersestadion viele Tränen geflossen: bei den Fans des 1. FC Union und auch bei dem einen oder anderen Spieler. Nach dem 0:1 bei LR Ahlen stand nämlich fest: Nichts geht mehr, Union ist abgestiegen in die Regionalliga. „Im Moment ist der Kopf leer“, sagte Mannschaftskapitän Steffen Baumgart unmittelbar nach dem Schlusspfiff in Ahlen. Drei Jahre Zweitligazugehörigkeit, freudvolle und bittere Momente, exakt 100 Spiele zwischen einem 5:0 gegen SSV Reutlingen und einem 0:7 beim 1. FC Köln – für Union ist das Geschichte. Vor drei Jahren kämpften die Köpenicker noch im brechend vollen Olympiastadion gegen Schalke 04 im Endspiel um den DFB-Pokal, in naher Zukunft wird sich der Verein vor weitaus weniger Publikum mit Schalkes Amateuren um Punkte in der Regionalliga streiten.

Wenn er das denn darf. In Fragen der Lizenzierung für die Regionalliga gab es am Montag mit der Post vom Deutschen Fußball-Bund (DFB) und der Deutschen Fußball Liga (DFL) zwar einen kleinen, aber mit höchster Vorsicht zu genießenden Lichtblick. „Die Bedingungen sind deutlich abgemildert worden“, teilte Unions Pressesprecher Lars Töffling mit, schränkte jedoch ein: „Aber sie sind immer noch sehr heftig. Wir müssen nun in einem Maßnahmenkatalog versuchen, sie zu erfüllen.“ Ursprünglich war mal die Rede davon gewesen, dass Union eine Bürgschaft von 1,2 Millionen Euro aufbringen muss. Einige der neuen, reduzierten Bedingungen muss Union bis zum 9. Juni erfüllen. Sonst droht der Absturz in die Oberliga. Der für die Regionalliga veranschlagte Etat mit 1,9 Millionen Euro steht derzeit noch auf recht wackligen Füßen, weil einige Werbeeinnahmen zwar zugesichert, aber vertraglich noch nicht abgesichert sind.

Zögerlich ist auch noch die Haltung des Hauptsponsors, der Berliner Stadtreinigung. Sabine Thümler, Unternehmenssprecherin der BSR, sagt: „Wir werden in den nächsten Wochen entscheiden, ob wir den Vertrag verlängern. Für uns ist nicht entscheidend, ob Union in der Zweiten Bundesliga oder in der Regionalliga spielt, auch die Personen sind nicht entscheidend. Konzept und Perspektive müssen stimmen.“

Konzept und Perspektive – verfügt Union darüber? Mit Ausnahme von Torwart Wulnikowski hat kein Stammspieler einen Vertrag über das Saisonende hinaus für die Regionalliga. Schlebrowski hat angekündigt, „schon der Fairness halber“ mit allen Spielern sprechen zu wollen. Für den Präsidenten ist aber vorrangig die Trainerfrage zu klären, „vielleicht schon in dieser Woche“. Aleksandar Ristic hat nach der Partie in Ahlen seine Bereitschaft erklärt, bei Union weiterzumachen. „Die Chance ist groß, dass ich bleibe, wenn mindestens 60 bis 70 Prozent der Mannschaft bleiben“, sagte Ristic. Schlebrowski ließ aber bereits durchblicken, dass diese Forderung aus finanziellen Erwägungen heraus nicht zu erfüllen ist. Deshalb sucht er anderweitig nach einem Trainer. Im Gespräch sind Frank Wormuth, der frühere Dortmunder Profi Ralf Loose, zuletzt Nationaltrainer von Liechtenstein, und Andreas Zachhuber, kurzzeitig mal Bundesliga-Coach von Hansa Rostock sowie Hermann Andreew (früher Babelsberg 03).

Steffen Baumgart, der Kapitän, gönnte sich nach der Partie in Ahlen noch einmal einen kritischen Rückblick, erinnerte sich an Pleiten, Pech und Pannen. „Die Saison haben wir nicht in diesem einen Spiel versaut“, lautete sein bitteres Resümee.

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