Eisern Union : Altmodische Försterei

Robert Ide über die Zukunft des 1. FC Union Berlin

Robert Ide

Das Stadion an der Alten Försterei hat eine große Tradition. Das sieht man schon, wenn nach einem jeden Tor ein Mann aus dem Stadionhäuschen lugt und eine Tafel aus Plaste mit der aufgemalten Toranzahl an der Fassade befestigt. Mit der Anzeigetafel, die noch eine ist, wirkt der Fußball-Regionalligist 1. FC Union Berlin, der sich schon zu DDR-Zeiten als Gegenentwurf zum Establishment gesehen hat, sympathisch. Aber auch von gestern.

Jetzt steht Union in seinem maroden Stadion vor dem Aufstieg in die neue Dritte Liga, vielleicht kann es der Klub sogar in die Zweite Liga schaffen. Doch mit der Arena der verfallenden Tribünen gibt es keine Lizenz, es fehlt ja nicht nur an der Rasenheizung. Der Verein, lange von der Stadt im Glauben auf eine große Zukunft gelassen, fordert nun Soforthilfe vom Senat. Doch eine verschuldete Metropole, die Schwimmhallen schließt und in der die BVG streikt, hat andere Sorgen, als dem Profifußball in Köpenick aufzuhelfen. Union muss sich – bei allen Versäumnissen der Behörden – selbst kümmern. Das heißt: sich selbst hinterfragen.

Andere haben es vorgemacht. Die Basketballer der BG Charlottenburg wurden zu Alba Berlin und entwickelten sich nach dem Umzug in den Osten zum Gesamt-Berliner Klub. Gerade begeistern die einstigen Reinickendorfer Füchse als Berliner Verein immer mehr Fans. Auch die Eisbären lassen ihre Nische in Hohenschönhausen hinter sich und wagen trotz Fan-Protesten den Schritt in die Großarena am Ostbahnhof. Union dagegen stemmt sich gegen einen Umzug etwa nach Prenzlauer Berg in den moderneren Jahn-Sportpark (hier braucht es nur eine Rasenheizung). Emotional ist das verständlich, denn zu DDR-Zeiten riefen die Union-Fans bei Freistößen „Die Mauer muss weg“, während der Stasi-Klub BFC Dynamo seine Meisterschaften im Jahn-Sportpark gewann. Doch das neugierige junge Berlin, das selbst Bundesligist Hertha BSC nicht recht begeistern kann, ließe sich genau hier erreichen. Die Stadt wäre mit der Vision eines alternativen Gesamt-Berliner Fußballklubs, der in einem Stadion mit weniger Investitionsbedarf spielt, eher zu überzeugen.

Der 1. FC Union steht vor einer Grundsatzfrage: Will er Profifußball spielen? Oder will er in Köpenick bleiben? Beides wird wohl nicht gehen.

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