Sport : Eishockey: Bayer ist nicht gleich Bayer

Claus Vetter

Preußische Betrachter neigen dazu, regionale Unterschiede im Süden Deutschlands zu ignorieren. Ein Fehler, denn die Gleichung "Bayer gleich Bayer" geht oft nicht auf. Erst recht nicht in der Eishockey-Szene, wo innige Freundschaften etwa zwischen Allgäuern und Oberbayern die Ausnahme sind, erst recht in der höchsten Spielklasse, der Deutschen Eishockey-Liga (DEL). Man kennt sich zwar bestens und ist doch häufig unterschiedlicher Meinung. Anders ist wohl auch das Verhältnis zwischen dem Tölzer Michael Komma und dem Füssener Uli Egen nicht zu beschreiben. Am Freitag jedenfalls lagen die Trainer der Düsseldorfer EG und der Berliner Eisbären in ihrer Analyse weiter auseinander als ihre Geburtsorte.

Zwei Ergebnisse hatten Egen verärgert: 2:6 stand es nach dem Spiel aus Sicht der Eisbären nach Toren, 50:22 hingegen zu Gunsten der Berliner nach Strafminuten. In dieser Statistik hatte sich besonders Scott Levins profiliert, der Verteidiger kassierte nach einem Kopfstoß gegen einen Düsseldorfer eine Matchstrafe und fünf Strafminuten. Die Überzahl nutzte die DEG zu zwei vorentscheidenden Toren. "Wir spielen nun mal ein bisschen härter als anderere", sagt Egen, "aber offensichtlich haben wir mit Vorurteilen bei den Schiedsrichtern zu kämpfen. In Düsseldorf war es mit den Strafen zu viel des Guten." Komma war anderer Ansicht. "Die Eisbären haben völlig undiszipliniert gespielt", sagt der Düsseldorfer Trainer.

Schiedsrichter Holger Gerstberger aus Essen hatte beide Trainer während der zweiten Drittelpause in seine Kabine zitiert. "Der Gerstberger hat uns nur gesagt, dass er konsequent so weiter pfeift", erzählt Komma, "das hat Uli als Drohung aufgefasst und sich fürchterlich aufgeregt." Egen hat die Szene anders im Kopf: "Gerstberger hat maßlos geschimpft und gesagt, er werde weitere Matchstrafen verteilen. Dann hat der Komma auch noch gemeint, dass seine Mannschaft fair weiterspielen würde, die Berliner ruhig ruppig weitermachen sollen!"

Wie weit die Berliner in dieser Saison kommen, das wird sicher auch eine Frage der Disziplin sein. Die Partie von Düsseldorf zieht in dieser Hinsicht negative Konsequenzen nach sich. Levins, der am Freitag bereits zum zweiten Mal in der Saison vorzeitig vom Eis musste, ist heute gegen die Krefeld Pinguine (18.30 Uhr, Sportforum) gesperrt. Torhüter Richard Shulmistra muss wegen Knieproblemen pausieren. Gegen Krefeld wird Klaus Merk spielen.

Dass es heute zu ähnlichen Differenzen wie am Freitag kommt, ist kaum zu erwarten. Dafür ist die Freundschaft zwischen dem Berliner Manager Peter John Lee und dem Krefelder Trainer Chris Valentine wohl zu innig. "Ich bin froh, dass Chris am Freitag gewonnen hat", sagt Lee, "ein Null-Punkte-Wochenende hätte ich ihm nicht gegönnt." Kanadier ist im Eishockey eben oft gleich Kanadier. Dabei liegen die Geburtsorte von Valentine und Lee weiter auseinander als die des Allgäuers Egen und des Oberbayern Komma: Valentine ist in der kanadischen Provinz Ontario geboren, Lee im englischen Chester.

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