Sport : Eishockey: Büffet oder Bockwurst mit Schrippe?

Claus Vetter

Der Manager will nicht der Weihnachtsmann sein, den Generalbevollmächtigten gelüstet es nach Bockwurst mit Schrippe und einige Fans fordern, dass beide gemeinsam mit dem Trainer die Koffer packen. Elf Spieltage ist die Saison der Deutschen Eishockey-Liga (DEL) erst alt, und im Umfeld der Eisbären geht es schon turbulenter zu als im Vorjahr, wo die Berliner als Drittletzter weit hinter den Erwartungen zurückblieben.

Das Theater sei angesichts des Tabellenstandes keine Überraschung, findet der Generalbevollmächtigte des derzeitigen Tabellenvierzehnten. "Wenn wir schlecht spielen, kannst du das beste Büffet hinstellen", sagt Martin Müller, "da findet immer noch jemand ein Haar in der Suppe. Wenn wir gut spielen, dann freuen sich alle über Bockwurst mit Schrippe." Peter John Lee ist hingegen nicht nach Scherzen zumute. Viele Fans wollen derzeit mit dem Manager über die - ihrer Meinung nach - verkorkste Personalpolitik diskutieren, und Lee findet an diesen Gesprächen keine Freude. "Ich habe hier doch nicht den Weihnachtsmann gespielt", sagt Lee, "sondern hart gearbeitet." Er müsse eben mit einem schmalen Budget auskommen, könne nicht mehr ausgeben, als da ist. "Es ist doch nicht die Frage, ob ich in einer Woche noch hier sitze. Wichtiger ist, dass es den Klub in zehn Jahren noch gibt."

Angesichts der jüngsten Darbietungen der Mannschaft - von den zurückliegenden sieben Spielen wurden nur zwei gewonnen - bin ich "mehr geschockt, als irgend jemand sonst", sagt Lee. Keine Frage, dass Handlungsbedarf bestehe. Binnen weniger Tage will der Manager einen neuen Stürmer verpflichtet haben. Gespräche mit John Chabot (zuletzt Frankfurt, davor Capitals) und Bob Sweeney (zuletzt München) hat es bereits gegeben. "Zwei gute Möglichkeiten", sagt Lee, "das sind Spieler, die mit unserer derzeitigen Situation umgehen könnten."

Mit dem 38-jährigen Chabot - ohnehin nicht als Kämpfernatur berühmt geworden - oder dem 36-jährigen Sweeney über den Berg? Die beiden Kanadier haben ihren Karrierehöhepunkt nicht unbedingt vor sich. Anders verhält sich das bei Glen Williamson. Der Kanadier kam als Trainer mit eher bescheidenen Referenzen nach Berlin - doch ob er den vorläufigen Höhepunkt seiner Laufbahn bei den Eisbären erleben darf, erscheint fraglich. "Wir hatten in dieser Woche viele Gespräche", sagt Martin Müller. "Glen weiß, was nun von ihm erwartet wird." Solange wie im Vorjahr werde man bei weiterem Misserfolg in der Trainerfrage nicht warten. Auf der Suche nach einem Nachfolger von Williamson sei man aber noch nicht. "Offiziell wird nicht geforstet", sagt Müller, "Entscheidungen fallen nach Ergebnissen." Also vielleicht nach den Spielen am Wochenende in Nürnberg und gegen Essen? "Nichts ist unmöglich." Unmöglich ist auch nicht, dass sich Müller nach der Saison nach einem anderen Arbeitgeber umschauen wird, die Kölner Haie haben bereits Interesse an ihm signalisiert. Müller möchte das nicht kommentieren: "Das hat nichts mit unserer Situation zu tun, ich weiß noch nicht, was ich nächstes Jahr mache."

Mit Leask, Tomlinson und Pyka melden sich für die wichtige Partie am Freitag drei zuvor verletzte Spieler wieder zurück. "Büffet oder Bockwurst?" Welche Speisen werden nach dem Spiel in Nürnberg beim EHC gereicht? Hoffentlich die Bockwurst, sagt Nico Pyka und lacht. Der Verteidiger weiß, dass "das nicht einfach wird, der Druck ist groß". Nach den knappen Niederlagen in Köln und gegen Hannover habe jeder Spieler wohl so "bisschen einen Knacks weg". Ein Erfolgserlebnis sei dringend nötig, um das Nervenkostüm aller zu beruhigen, sagt Pyka. Auf ein Erfolgserlebnis hofft auch Martin Müller, und wenn er den Bus persönlich nach Nürnberg steuern müsse: "Da kann ich auf der Autobahn ein paar Schlangenlinien fahren, dann wachen hoffentlich alle auf."

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