Eishockey-Bund : Zeit zum Großwerden

Katrin Schulze fordert mehr Professionalität im Eishockey-Bund.

Katrin Schulze

Es wäre Zeit für einen Glückwunsch. Dass die deutsche Eishockey-Nationalmannschaft bei der Weltmeisterschaft in Kanada den ehemaligen Titelträger Slowakei besiegt hat, ist bemerkenswert. Denn es ist ein Indiz für die gute Entwicklung im deutschen Eishockeysport. Längst haben sich die Reformen in der Deutschen Eishockey-Liga ausgezahlt, dort spielen mittlerweile mehr Deutsche als Ausländer. Davon profitiert die Nationalmannschaft: Im vergangenen Jahr hat sie einen beachtlichen neunten Platz bei der WM erreicht. Und auch in diesem Jahr zeigt die Tendenz nicht zuletzt nach dem Erfolg über die Slowaken nach oben.

Läuft also zwei Jahre vor der WM im eigenen Land alles bestens im deutschen Eishockey? Nein. Zu laut sind die Geräusche im Hintergrund des sportlichen Erfolgs. Denn so fortschrittlich sich das Nationalteam präsentiert, so ewig gestrig ist der Verband, unter dem es firmiert. Der „kleine“ DEB, wie ihn sein Sportdirektor Franz Reindl einmal kindlich bezeichnete, hat sich selbst mit einer Macht belegt, die ihn nun zu Fall bringen könnte. Er hat sich bemächtigt, den Richtlinien der Nationalen Anti-Doping-Agentur zu widersprechen, und versucht, eine komplett eigene Sichtweise zu legitimieren. Und das gleich mehrfach: Erst im Fall Florian Busch, den er nach einer verweigerten Dopingprobe nur mit einer Geldstrafe belegte, obwohl der Nada-Kodex eine Sperre vorsieht. Dann mit der Tatsache, dass der DEB mindestens neun WM-Spieler nicht für Trainingskontrollen der Nada gemeldet hat. Das Verhalten des Alleingängers DEB war ein Rückschritt in der glaubwürdigen Dopingbekämpfung und zog nur zu logisch eine Kündigung der Zusammenarbeit durch die Nada nach sich.

Vielleicht ist das für den DEB ein nötiger Weckruf. Denn nur wenn der Verband endlich damit beginnt, sich selbst zu reinigen, wenn er sich von der provinziellen Arbeitsweise verabschiedet und sich der weitreichenden Konsequenzen seines Handels bewusst wird, erst dann sind vorbehaltslose Glückwünsche erlaubt.

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