Eishockey-Bundestrainer Cortina : Ein Verband verliert sich

Pat Cortina ist neuer Eishockey-Bundestrainer. Daran ist nicht er schuld, sondern der Verband.

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Pat Cortina wird Eishockey-Bundestrainer. Der 48 Jahre alte Italo-Kanadier hat sich über Italien, Ungarn, die zweite Liga und den EHC München nach oben gearbeitet. Bessere Referenzen oder besondere Kenntnis des deutschen Nachwuchses waren nicht nötig, um das wichtigste Traineramt im deutschen Eishockey zu bekleiden. Cortina ist kein Vorwurf zu machen, dass er für drei Jahre Sportdirektor und Bundestrainer – das Erste im Nebenjob – sein kann. Dem Deutschen Eishockey-Bund (DEB) schon.

Es ist unfassbar, was beim Verband seit dem Abgang von Uwe Krupp als Bundestrainer passiert ist. Krupp kannte die Spieler, den Nachwuchs und hatte ein Konzept, mit dem er das deutsche Team 2010 bis ins WM-Halbfinale führte.

Als Krupp bei den Kölner Haien anheuerte, wollte der DEB keinen Bundestrainer im Nebenjob. Stattdessen durfte der ahnungslose Jakob Kölliker das Team betreuen; es gab ein Desaster bei der WM. Der Schweizer, als Statthalter für Ralph Krueger gedacht, wurde gefeuert. Krueger aber war wegen seiner Verpflichtung bei den Edmonton Oliers nicht mehr zu haben und nun begann ein langes, seltsames Trainer-Casting. Schließlich sollte es eine „Task-Force“ um Peter John Lee, Manager der Berliner Eisbären, richten.

Dann wurde Krupps Vorgänger Hans Zach zum Kölliker-Nachfolger hochgeredet. Danach boten sich Hinz und Kunz an und der DEB tat so, als gäbe es viele ernstzunehmende Kandidaten. In Wirklichkeit gab es keinen einzigen: Einen Tag vor dem Freundschaftsspiel am Dienstag in Wien gegen Österreich wurde Cortina zum Bundestrainer gekürt. Ihm sind zwei Dinge zu wünschen: Viel Glück im Amt und wenig Einmischung von der Verbandsspitze.

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