Eishockey-Bundestrainer : Cortina hat mehr verloren als gewonnen

Die deutsche Eishockey-Nationalmannschaft hat in Helsinki eine ordentliche WM gespielt - aber das war angesichts der Gesamtsituation um Bundestrainer Pat Cortina nicht genug, findet unser Autor Claus Vetter.

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Ansage. Bundestrainer Pat Cortina mit Personal.
Ansage. Bundestrainer Pat Cortina mit Personal.Foto: dpa

Die gute Nachricht: Die deutsche Eishockey-Nationalmannschaft bleibt erstklassig und kann auch im kommenden Jahr bei der WM mit den großen Nationen mitspielen. Die schlechte Nachricht ist, dass dies vor erst zwei Jahren keine Nachricht gewesen wäre. Das Erreichen des Viertelfinales war unter Bundestrainer Uwe Krupp das Ziel, an dem sich sein Team messen lassen musste. Und das Viertelfinale hat Bundestrainer Pat Cortina bei seinem ersten WM-Einsatz nicht geschafft. Und das ist eine ganz schlechte Nachricht: Cortina vermochte es nicht, nach der unter ihm verpassten Qualifikation für die Olympischen Spiele in Sotschi das lädierte Image des deutschen Eishockeys zu verbessern. Das hätte er mit dem Erreichen des WM-Viertelfinales geschafft.

Dabei hatte es Cortina einfacher als vor einem Jahr der überforderte Krupp-Nachfolger Jakob Kölliker, der bei der WM mit einem B-Team auskommen musste. Cortina hatte einen Christian Ehrhoff im Aufgebot und das Glück, dass im Soge der Zusage des Starverteidigers aus der National Hockey-League (NHL) einige gute Spieler vom Meister Eisbären Berlin und vom Finalisten Kölner Haie noch für das Turnier zusagten. Die Mannschaft war stark genug, um knapp und unglücklich gegen große Gegner zu verlieren. Ob der neue Bundestrainer stark genug war und künftig ist, ist strittig. Wieweit zudem die Arbeit seiner renommierten Co-Trainer Andreas Brockmann und Niklas Sundblad in Helsinki half, ist von außen schlecht zu beurteilen - aber der ehemalige Nürnberger Coach Brockmann und der Kölner Co-Trainer Sundblad sind bekanntermaßen starke Taktiker.

Nicht immer wirkten Cortinas Maßnahmen überzeugend. Beim 0:3 gegen die USA gab Cortina gar zu, sein Team taktisch falsch eingestellt zu haben. Vielleicht hat der Kanadier gelernt und wird sich in den kommenden zwei Jahren an die Arbeit machen und die Strukturen des deutschen Eishockeys und den Nachwuchs kennenlernen. Denn einen NHL-Spieler aufstellen kann jeder, junge Spieler fördern dagegen nicht. Cortina wird zeigen müssen, dass er eine Mannschaft aufbauen kann. Sonst ist er – wie es die bisherigen Ergebnisse unter ihm suggerieren – der falsche Mann als Bundestrainer.

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