Eishockey-Bundestrainer Kölliker : „Die Ausgangslage ist doch super“

Der neue Eishockey-Bundestrainer Jakob Kölliker spricht über sein heutiges Debüt, sein schweres Erbe als Nachfolger von Uwe Krupp und seinen Status als Übergangslösung.

Jakob Kölliker, 58, trainiert die Auswahl des DEB seit Juni.
Jakob Kölliker, 58, trainiert die Auswahl des DEB seit Juni.Foto: dpa

Herr Kölliker, für viele gelten Sie als Mann für Zwischendurch. Wie gehen Sie damit um?

Das ist eine Sache, die Leute von Außen behaupten. Für mich ist das überhaupt kein Thema. Ich bin als Bundestrainer angestellt. Und ich mache meinen Job so gut, wie ich es kann – mit meinem ganzen Wissen und Gewissen. Alles andere werden wir sehen.

Lediglich für ein Jahr hat Sie der Deutsche Eishockey-Bund angestellt. Danach könnte Ralph Krueger kommen, dem Sie bei der Schweizer Nationalmannschaft einst als Assistenzcoach zur Seite standen.

Darüber zerbreche ich mir nicht den Kopf. Was in einem halben Jahr sein wird, weiß niemand. Auch Ralph weiß nicht, ob er Chefcoach wird, ob er nach Russland geht, ob er nach Deutschland kommt oder wieder in die Schweiz zurückgeht. Ich habe regelmäßig Kontakt mit ihm und werde ihn in Kürze auch besuchen. Im Frühling haben wir noch viel über die Zukunft geredet, momentan spielt das aber keine Rolle. Wir haben genug mit unserem täglichen Geschäft zu tun.

Sie leiten Ihr Geschäft sozusagen von einer Zentrale im Ausland. Ihr Lebensmittelpunkt liegt in Bern.

Es ist alles eine Frage der Organisation. Im Moment bin ich nur noch sehr wenig zu Hause. Ich sehe jedes Wochenende zwei Spiele in der Deutschen Eishockey-Liga, ich habe Kontakt mit Trainern und mit Managern. Und ich informiere mich im Internet über das, was in den Klubs passiert.

Reicht das, um die potenziellen Nationalspieler richtig zu kennen?

Die meisten habe ich ja irgendwann in der Vergangenheit schon mal getroffen. Zwar nur als Gegner, aber auch dann setzt man sich natürlich mit ihnen und mit dieser Mannschaft auseinander. Dass ich alle in- und auswendig kennen würde, wäre aber doch zu weit gegriffen. Ich hatte das Team seit einem Lehrgang im Juli nicht mehr zusammen. Richtig kennenlernen werde ich die Spieler jetzt im Wettbewerb. Denn erst im Spiel zeigt sich der wahre Charakter eines Spielers.

Was ist denn mit den Spielern bei Ihrem Debüt möglich? Zuletzt hat das Nationalteam den Deutschland-Cup zweimal in Folge gewonnen.

Wenn man zweimal siegen kann, kann man auch ein drittes Mal siegen. Unser Ziel ist es, den Titel beim Deutschland-Cup zu verteidigen.

Unter Ihrem Vorgänger Uwe Krupp hat es die Nationalmannschaft auch bei Weltmeisterschaften in den zurückliegenden beiden Jahren weit gebracht – bis ins Halb- und ins Viertelfinale. Spüren Sie wirklich keinerlei Erwartungsdruck?

Das ist doch eine super Ausgangslage. Und Druck gehört in unserem Business sowieso immer dazu. Ich finde es eher positiv, dass im deutschen Eishockey etwas bewegt wurde.

Was genau hat sich denn verändert?

Man merkt, dass gut gearbeitet wurde und dass das Teamleben sehr gut ist. Die Spieler sind mit vollem Herzen dabei, da spürt man die Leidenschaft. Das sind wesentliche Sachen, die zu einer erfolgreichen Mannschaft gehören.

Wie können Sie nun dazu beitragen, dass es dabei bleibt?

Ich bin kein Guru oder Hampelmann, der irgendetwas hervorzaubert. Das Team ist selbstbewusst genug. Ich sehe mich als Teil vom Ganzen und will vor allem die Olympia-Qualifikation mit der Mannschaft schaffen. Für mich gehört Deutschland unter die Top Acht. Dort sind wir derzeit, das wollen wir verteidigen und uns weiterentwickeln.

Ihr Heimatland Schweiz, gegen das Sie in München beim Deutschland-Cup starten, liegt in der Weltrangliste noch vor den Deutschen.

Da wurde über viele Jahre etwas aufgebaut. Aber Deutschland ist ebenfalls auf gutem Weg. Vor allem geht es um Kontinuität – auch in den Klubs, die das Spiegelbild der Liga sind. Da gibt es eine gute Generation junger Spieler, die hungrig sind.

Uwe Krupp hat oft kritisiert, dass zu wenig gute deutsche Spieler in der Liga auflaufen.

Das Ziel muss sein, eine gute Breite an jungen deutschen Spielern zu produzieren und an die Spitze zu führen. Dafür brauchen wir gute Jugendprogramme und dazu muss das Ausländerkontingent in der Liga reduziert werden. Es gibt immer etwas zu verbessern.

Was schlagen Sie vor?

In den Vereinen muss man noch professioneller arbeiten. Beim DEB müsste man die Maßnahmen steigern und optimieren und vielleicht auch mal gegen bessere Gegner antreten. Generell muss die Zusammenarbeit zwischen den Verbänden und den Ligen unbedingt enger werden – im Frühjahr gab es da ja ein wenig Knatsch. Es braucht alle Ebenen, um das deutsche Eishockey voranzubringen.

Das Gespräch führte Katrin Schulze.

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