Sport : Eishockey: Capitals wenden Insolvenz ab und zittern weiter

Claus Vetter

Betrachter der Ereignisse bei den Berlin Capitals müssen an eine Seifenoper denken. Und zwar einer von der Sorte, bei der man mangels schlüssiger Handlungsfäden irgendwann die Lust verliert, am nächsten Tag wieder einzuschalten. Denn auch am Montag herrschte bei den Capitals das Chaos, ein seit Monaten gewohntes Bild. Die Berliner konnten durch eine Zahlung an eine Anwaltskanzlei, die ehemalige, auf ihr Geld wartende Spieler vertritt, die Einleitung eines Insolenzverfahrens abwenden. Doch die derzeitigen Angestellten und Spieler warteten auch gestern vergeblich auf ihr Gehalt.

Die Entwicklungen um den Berliner Klub der Deutschen Eishockey-Liga (DEL) produzieren immerhin noch manche Kapriole. Geschäftsführer Andreas Fettchenhauer hat am Wochenende einigen Fans schon mal erklärt, dass der neue Sportdirektor Olle Öst künftig allein für die Öffentlichkeitsarbeit zuständig sei und Sprecher Peter Harbig degradiert werde. "Man hat mit mir darüber noch nicht gesprochen", sagte Harbig dazu am Montag. Harbig hat seit Januar kein Geld gesehen, auch gestern erfreute sich der gegenüber dem Klub loyale Angestellte nicht beim Blick auf seinen Bankauszug. "Es kann ja sein", sagte Harbig, "dass ich am Dienstag Geld bekomme."

Geld ist das Stichwort. Wer am Montag vom Klub wissen wollte, wo jene 10,6 Millionen Mark, welche die Capitals am 10. August zur Lizenzbestätigung per Bankauszug vorlegen mussten, schlummern, war an der falschen Adresse. Auch mit dem Zugriff auf vier Millionen Mark, die Hauptgesellschafter Egon Banghard den Capitals angeblich am Freitag zukommen ließ, konnte es noch nicht so weit her sein. Die Forderungen der ausbezahlten Anwaltskanzlei beliefen sich nämlich nur auf eine knappe Million Mark. Also müssten die Capitals noch etwas übrig haben. Genug, um endlich mit dem Betreiber der Deutschlandhalle, der Messe Berlin, einen Nutzungsvertrag abzuschließen. Doch dieser Kontrakt kam auch gestern nicht zustande, die Capitals haben bei der Messe noch 200 000 Mark Schulden. Ob die Profis heute in ihrer neuen Arena trainieren dürfen, war unklar.

Bei der DEL beobachtet man das Geschehen an der Spree machtlos. "Die Capitals haben die Auflagen zur Lizenzbestätigung erfüllt", sagte DEL-Sprecher Andreas Ulrich nochmals. "Ansonsten unterliegen sie den rechtlichen Anforderungen wie jede andere Kapitalgesellschaft." Bisher ist die Justiz noch geduldig, doch der nächste Gläubiger wartet schon: Das Finanzamt will bis Monatsende 4,5 Millionen Mark sehen. Immerhin, die von einer großen Krankenkasse drohende Gefahr eines Insolvenzantrages soll laut Fettchenhauer heute vom Tisch sein. Doch wann immer eine Bedrohung abgewendet wird, beginnt das Zittern von vorne - bis zur nächsten Frist.

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