Eishockey : Das Erbe längst verspielt

Keine Siege, keine Zuschauer: Der Eishockey-Traditionsklub Düsseldorfer EG versinkt immer mehr in der Krise

Katrin Schulze,Claus Vetter

Berlin - Verzweifelt sind sie bei der Düsseldorfer EG. Die ganze Saison schon läuft der Traditionsklub den eigenen Zielen hinterher. Bei den Heimspielen im riesigen Düsseldorfer ISS-Dome war das knallige Rot der leeren Zuschauersitze zuletzt die beherrschende Farbe. Kein Erfolg, keine Zuschauer und Spieler, die anscheinend auch nicht mehr weiter wissen: Vor dem heutigen Heimspiel gegen den Tabellenführer der Deutschen Eishockey-Liga (DEL) Eisbären Berlin wenden sich die Profis der DEG in einem offenen Brief an ihre Fans. Weil „sich das Team in einem tiefen sportlichen Loch befindet“, bittet Stürmer Klaus Kathan die Fans um Unterstützung. Der Assistenz-Kapitän schreibt: „Auch wenn es zurzeit seltsam klingt: Mit dieser Mannschaft ist noch alles möglich.“

Seltsam war im Düsseldorfer Eishockey so einiges in den vergangenen Jahren. Der Umzug aus der betagten Eishalle an der Brehmstraße in die neue Arena brachte beim traditionsbewussten Anhang mehr Frust als Freude. „Kein Wunder“, findet Manager Lance Nethery. „Da gab es Fans, die in der alten Halle 30 Jahre an derselben Stelle standen, die gewöhnen sich nicht so schnell an etwas Neues.“ Daher haben sie beim achtmaligen Deutschen Meister die „größte Werbekampagne des deutschen Eishockeys“ (Nethery) gestartet. Unter dem altbackenen Motto „Großer Sport und Gänsehaut“ sollte „neuer Anhang generiert“ werden. Der erhoffte Erfolg blieb jedoch aus, Fannachwuchs sieht man in der neuen Arena selten: Das Publikum so überaltert wie die glorreichen Zeiten der DEG, die letztmals 1996 mit dem Gewinn der Deutschen Meisterschaft einen Höhepunkt fanden.

Dabei schienen sie in Düsseldorf wieder auf einem guten Weg, mit Don Jackson. In den vergangenen zwei Spielzeiten holte er mit der DEG einmal den Pokal, erreichte vergangene Saison das Play-Off-Halbfinale und stand 2006 sogar im Finale um die Deutsche Meisterschaft, in dem Düsseldorf den Eisbären unterlag. Der seit dieser Saison bei den Berlinern beschäftigte Jackson kann sich die momentane Lage seines ehemaligen Teams selbst nicht so recht erklären, hat sich die Düsseldorfer Mannschaft im Vergleich zum letzten Jahr personell doch kaum verändert. Eines fällt dem Eisbären-Trainer dann aber doch noch ein: „Beim Aufbau einer Mannschaft ist die wichtigste Person der Torwart, dann kommen die Verteidiger und zuletzt erst die Stürmer.“ Wenn man diese Reihenfolge bedenke, wisse man, warum es in Düsseldorf nicht so gut laufe, glaubt Jackson.

Was der Berliner Trainer da einigermaßen glimpflich formuliert, stellt sich in Wirklichkeit schlimmer da: Sieben von acht Spielen hat die Düsseldorfer EG in der DEL zuletzt verloren, gegen Augsburg konnten sie dabei erst in der Verlängerung gewinnen. Die Verletzungen von Torwart Jamie Storr und anderen Leistungsträgern wie Robert Dietrich sind für den Manager allerdings keine Ausrede. „Ich erwarte von allen mehr Leistung“, sagte Nethery, der nach der Entlassung von Trainer Slavomir Lener im November nun in Doppelfunktion als Trainer und Manager tätigt ist. Obwohl er noch vor einem Monat sagte, dass er bis zu Saisonende Trainer bleiben wird, räumt Nethery nun ein, dass er „vielleicht doch noch einen neuen Coach einstellen wird“.

Nach der langen Niederlagenserie hat das heutige Spiel hat für den tranierenden Manager eine besondere Bedeutung. „Egal – auch wenn wir fünf Verletzte haben – gegen den Tabellenführer aus Berlin können wir nur glänzen und vor allem Selbstvertrauen zurückgewinnen.“ Und das brauchen sie in Düsseldorf, denn den Tabellenneunten trennen nur wenige Punkte von den unteren Rängen, selbst die Teilnahme an der Play-off-Qualifikation ist damit in Gefahr. Mancher im Umfeld des Klubs sieht die DEG so schon längst im freien Fall. „In dieser Saison ist da leider alles möglich“, sagt Andreas Niederberger, der langjährige Verteidiger des Traditionsklubs.

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