Eishockey : Das neue Leid der Eisbären

Die Unterzahlspiele haben ihnen zu schaffen gemacht. Und nach der Niederlage gegen die Kölner Hai müssen die Berliner in der Finalserie einen weiteren Ausfall kompensieren.

Katrin Schulze[Köln]
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Drin ist er. Eisbären-Torwart Rob Zepp ist geschlagen, Kamil Piros hat das 1:1 für Köln geschossen. Schließlich siegen die Haie...Foto: dpa

Die Eisbären waren durcheinander. Nach der 1:2-Niederlage gegen die Kölner Haie verlief sich René Kramer in den Gängen der Kölnarena. „Hier lang!“, schrie ihm sein Mannschaftskollege Stefan Ustorf hinterher. Der 20-Jährige drehte sich um und fand nach der Anweisung seines erfahrenen Kollegen schließlich doch noch den Weg zum Mannschaftsbus. Vielleicht war der Verteidiger Kramer noch ein bisschen irritiert von dem quirligen Auftritt der Kölner gegen Ende des zweiten Finalspiels um die deutsche Eishockey-Meisterschaft. Da nämlich fanden die Eisbären kaum einen Weg aus dem eigenen Drittel – zu sehr wirbelten die Haie vor dem Tor der Berliner.

„Am Ende haben uns die anfänglichen Unterzahlspiele wohl doch zu viel Kraft gekostet“, sagte Ustorf. „Teilweise haben wir ja nur mit sieben Stürmern agieren können.“ Die anderen mussten Strafen absitzen oder wurden gleich ganz vom Spiel ausgeschlossen. Bereits in der 17. Spielminute verließ Nathan Robinson mit einer Spieldauerstrafe die Eisfläche, nachdem er dem Kölner Sebastian Furchner einen Stockschlag ins Gesicht verpasst hatte. Robinson fehlt den Berlinern deshalb auch am Freitag in der dritten Begegnung der nach dem Modus Best of five ausgespielten Finalserie. Und das könnte für die Eisbären weitreichende Konsequenzen haben.

Denn Nathan Robinson ist sozusagen das sportliche Pendant zu Florian Busch, der den Klub mit seinem am 6. März verweigerten Dopingtest ordentlich in Aufruhr versetzt hat: Beide könnten die Eisbären am Ende die Meisterschaft kosten. Busch, weil er die Konzentration weg vom Geschehen auf dem Eis gelenkt hat. Und Robinson, weil er den sowieso schon angeschlagenen Eisbären nun im wichtigen Spiel am Freitag einen weiteren unnötigen Ausfall beschert hat.

Das Fehlen von Robinson wiegt schwer

Während die meisten Profis der Eisbären bestreiten, dass der Fall Busch sie belastet, geben sie zu, wie schwer das Fehlen von Robinson wiegt. „Der Verlust von Nathan schmerzt uns sehr, jetzt haben wir noch einen Mann weniger“, sagt Stefan Ustorf. Und es ist kein unbedeutender Mann: Schließlich war Robinson bisher mit vielen Vorlagen der Ideengeber im Spiel der Berliner. Wie sehr der 26 Jahre alte Kanadier den Eisbären fehlt, war bereits bei der Partie in Köln zu beobachten. Zwar gingen die Berliner durch Kapitän Steve Walker in Führung, schafften es aber nicht, diese souverän zu verteidigen. Trainer Don Jackson sagte: „Wir hatten die Chance, hier 1:0 zu gewinnen. Aber wir haben unsere Überzahlspiele einfach zu wenig genutzt.“ Das ist erstaunlich, denn bisher spielten die Eisbären von allen Mannschaften in der Hauptrunde und den Play-offs das beste Powerplay. Doch gegen gut sortierte Kölner schafften sie es zu Beginn des Schlussdrittels selbst bei einer 100 Sekunden langen 5:3-Überzahl nicht, den Puck im Tor unterzubringen. „Diese Situation war der Knackpunkt des Spiels“, fand der beste Spieler der Kölner, Philip Gogulla. Tatsächlich schienen die Berliner danach so perplex, dass sie nicht mehr ins Spiel fanden. Mit dem 1:2 waren sie noch gut bedient, schließlich wurden „wir von dem Druck der Haie regelrecht überrumpelt“, wie Jackson sagte.

Finden die Eisbären nun nach dem Ausgleich der Kölner wenigstens den Weg in die Serie zurück? Dagegen sprechen die vielen personellen Ausfälle, die angeschlagenen Spieler und die anscheinend kaum zu schlagende Moral der Kölner. Die Haie haben in beiden Spielen Rückstände aufgeholt. Für einen Sieg der Eisbären spricht ihr Kampfgeist, mit dem sie auch die Düsseldorfer EG im fünften Halbfinalspiel niederringen konnten. Und dann ist da natürlich noch der Heimvorteil. „Wir haben 56 Hauptrundenspiele dafür gekämpft, im entscheidenden Moment zu Hause zu spielen“, sagt Kapitän Walker. Davon könnten die Eisbären am Ende profitieren, denn seit dem Play-off-Halbfinale gab es in dieser Saison der Deutschen Eishockey-Liga nur Heimsiege. 

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