Sport : Eishockey: Das Verhindern neu gelernt

Claus Vetter

Zwei Mannschaften und zwei Tore gehören zu den Voraussetzungen für ein Eishockeyspiel. Neben dem Erzielen ist auch das Verhindern von Toren ein probates Mittel, um zu gewinnen. Dies schien sich bis zum Sportforum Hohenschönhausen, der Heimstätte des EHC Eisbären, bis vor zehn Tagen noch nicht herumgesprochen zu haben. Bis zu jenem Zeitpunkt war ein gewisser Glen Williamson Trainer des Berliner Teams aus der Deutschen Eishockey-Liga (DEL).

Der Kanadier war ein Freund häufigen Torjubels. Dass der nicht immer den Sieg bringt, bewiesen die Berliner unter Williamson mitunter eindrucksvoll. Etwa beim 4:5 gegen Hannover, beim 6:7 gegen Essen oder beim 5:8 in Augsburg. Dieses Ergebnis war dann das letzte in der Ära Williamson. Uli Egen löste den überforderten Kanadier ab. Im ersten Spiel seiner Amtszeit schien Egen nahtlos an die Arbeit des Vorgänger anzuknüpfen. 5:1 hatten der EHC im Derby gegen die Capitals geführt, schließlich noch vier Treffer kassiert und nur glücklich im Penaltyschießen gewonnen. "Beim ersten Spiel", sagt Egen, "war mein Einfluss naturgemäß noch nicht groß."

Inzwischen aber wissen die Eisbären, was künftig gespielt werden muss. Egen hat seinen Stürmern verdeutlicht, dass ihre Aufgaben nicht nur in der Offensive liegen. "Spieler wie Chris Govedaris und Derek Cormier", sagt Egen, "die haben gegen die Capitals noch geglaubt, dass nur das Toreschießen zählt. Die haben nicht gewusst, dass es auch ein eigenes Tor gibt." Nun haben betreffende Herren dazugelernt: 4:1 in Frankfurt, 3:1 gegen Kassel - die jüngsten Ergebnisse des EHC können sich sehen lassen. In den 23 Spielen zuvor hatten die Eisbären im Schnitt mehr als vier Gegentreffer kassiert. Eine Partie mit nur drei Toren zu gewinnen, das war ihnen bis zum Sonntag, bis zum 3:1-Sieg gegen Kassel, nicht vergönnt.

Die Abwehrarbeit der Eisbären sei ja kaum wiederzuerkennen, sagte Kassels Trainer Hans Zach am Sonntag. Das Kompliment des einstigen Mitstreiters - vor ein paar Jahren war Egen Manager in Kassel - freute den neuen Berliner Trainer: "Ich spiele eben dasselbe System wie der Hans." Unter Egen seien die Aufgaben eindeutiger verteilt als zuvor, sagt Stürmer Benjamin Hinterstocker.

Spieler wie Eckmair, Czajka oder Patrzek wissen schon lange, was Egen verlangt. Schließlich haben sie bei den Eisbären-Juniors unter dem 44-Jährigen trainiert. Dass ein EHC-Trainer in einer wichtigen Partie wie am Sonntag auf Akteure aus dem Oberligateam zurückgreift, ist trotzdem neu. "Wir haben ein Farmteam", sagt Egen, "also setzen wir die Spieler auch ein, erst recht, wenn wir viele Verletzte haben. Ich spiele doch nicht nur mit zwölf Leuten, um dann nach 40 Minuten einzubrechen." Genau das war unter Egens Vorgänger Williamson an der Tagesordnung.

Nun bleibt da noch die Frage, warum die Eisbären den Trainerwechsel nicht schon früher vollzogen haben. Vielleicht rächt sich das lange Zögern bei der Beförderung Egens am Ende ja trotzdem nicht. Bei zehn Punkten Rückstand auf einen Play-off-Rang scheint unter Egen bei 35 ausstehenden Partien der Hauptrunde noch etwas möglich. Vorausgesetzt natürlich, dass kein Spieler vergisst, wo das eigene Tor steht.

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