Sport : Eishockey: Der starke Mann verlässt die Eisbären

Claus Vetter

Martin Müller und der EHC Eisbären, diese Liaison wird zum Saisonende der Deutschen Eishockey-Liga (DEL) am 30. April wohl Geschichte sein. Öffentlich mag sich der Generalbevollmächtigte des Klubs noch nicht äußern, doch gestern sickerte durch, dass Müller ein anderes lukratives Angebot aus der deutschen Sportbranche einem Verbleib in Berlin vorzieht.

Seit 1991 ist Müller beim EHC, zunächst als Berater, dann als Schatzmeister. Die schwerste Phase erlebte er in der Saison 1995/96, als er gleich 16 Konkursanträge abwenden musste. 1996 wurde Müller Generalbevollmächtigter. "Das Konzept SOS" habe er damals entwickelt, sagt Müller heute. "Ich wollte den Klub auf Dauer finanziell konsolidieren. Am 3. September 1999 war Müller am Ziel seiner Träume: Mit dem Einstieg der amerikanischen Anschutz-Gruppe hatte er nicht nur einen potenten Geldgeber gefunden, sondern auch ein Unternehmen, dass als Eigentümer beim EHC einstieg.

Seit dem Engagement von Anschutz gelten die Berliner als einer der am krisenfestesten geführten Klubs in der DEL. Dass im gleichen Zeitraum die sportliche Entwicklung beim EHC steil nach unten ging, in der Vorsaison die Play-offs verpasst wurden und aller Vorrausicht auch dieses Jahr verpasst werden, brachte trotz soliden Finanzgebarens immer häufiger Kritiker auf den Plan. Insbesondere bei den Spielerverpflichtungen wurde Müller und Manager Peter John Lee vorgeworfen, sie seien falsche Wege gegangen. Müllers Abgang steht sicherlich im Zusammenhang mit dieser Kritik.

"Mein vorrangiges Anliegen war es nun mal, den Klub auf eine gesunde wirtschaftliche Basis zu stellen", sagt Müller. "Das haben wir geschafft, jetzt muss sich der Verein in der nächsten Saison noch stärker auch auf den sportlichen Teil konzentrieren." Dafür wird sein Nachfolger verantwortlich sein.

Es könnte aber noch eine Weile dauern, bis der neue Generalbevollmächtigte präsentiert wird. An Gerüchten, dass Dave Taylor, General-Manager der Anschutz Sports Holding, am Freitag Licht ins Hohenschönhausener Dunkel bringt, ist nichts dran. Es war zu hören, dass Taylor heute beim Duell der Eisbären gegen den zweiten Anschutz-Klub der DEL, die München Barons, (Beginn 19.30 Uhr, Sportforum) vorbeischauen würde. "Ich glaube der Dave hat momentan anderes im Kopf als die Eisbären", sagt Müller. Zum Beispiel die Los Angeles Kings aus der nordamerikanischen Profiliga NHL, auch dort ist Taylor Manager. Der prominenteste Anschutz-Klub zittert derzeit um die Play-offs. Nun kommt Taylor erst in zwei Wochen nach Europa, aber nach Schweden und nicht nach Berlin: In Stockholm findet zu diesem Zeitpunkt die "Mini-WM" statt, ein Turnier mit Nationalteams aus Schweden, Finnland, Russland und Tschechien. Und das lässt sich Taylor nicht entgehen.

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