Sport : Eishockey: Der Wohlfühlfaktor hilft

Claus Vetter

Schwedische Brillanz auf dem Eis, schwedische Akribie abseits der Eisfläche: Die Capitals hatten am Freitag nach dem 5:4 gegen Krefeld ihre Tabellenführung in der Deutschen Eishockey-Liga (DEL) verteidigt. Das Spiel war lange vorbei, Anders Huusko hatte es noch nicht abgehakt. Der schwedische Stürmer der Capitals studierte den Spielberichtsbogen, hielt vor ein paar Interessierten ein Kurzreferat in Sachen Statistik: "Beim Penaltyschießen hat kein Krefelder getroffen, bei uns haben drei getroffen. Da ich als erster verwandelt habe, bekomme nur ich ein Tor gutgeschrieben."

Huusko strahlte: Zwei Tore geschossen, eins vorbereitet, dazu den entscheidenden Penalty verwandelt. Zahlen, die andeuten, dass der Erfolg gegen Krefeld zu einem Großteil auf die Kappe des 29-Jährigen ging. Zahlen, die nicht alles über die Fertigkeiten des Stürmers aussagen. "Der Anders kann Tore schießen, wo andere keine Tore schießen können", weiß Chris Valentine. Huusko sei der Wunschspieler eines jeden Trainers. "Technisch hervorragend", sagt der Capitals-Coach, "dazu ein sehr umgänglicher Typ." Attribute, die man Huusko bei seinem vorherigen Arbeitgeber, den Kölner Haien, nicht zugestehen wollte. Dort bestritt er in der Vorsaison nur neun Spiele, blieb ohne Tor. Froh waren sie am Rhein, als sie den Schweden im Oktober 1999 an die Capitals losgeworden waren. "Anders hat bei uns seinen Weg leider nicht gefunden", sagte der damalige Kölner Trainer Lance Nethery.

"Kanadische Mafia", fluchte Huusko im Stillen. Inzwischen ist aller Ärger über den Abgang von Köln verfolgen. Bei den Capitals ist der Wohlfühlfaktor für den Schweden, der 1998 mit der Auswahl seines Landes Weltmeister wurde, besonders groß. "In der zurückliegenden Saison war der Druck in Berlin nach der Geschichte von Köln enorm groß." Inzwischen habe er sein Selbstbewusstsein wieder, sagt Huusko, die gute Kameradschaft im Team habe ihm enorm geholfen. Vom Ausgebooteten in Köln zum Leader in Berlin: 16 Tore hat Huusko für die Capitals in dieser Saison schon auf sein Konto gebracht.

Von einer solchen Trefferquote können die Stürmer beim EHC Eisbären nur träumen. Alex Hicks kommt der Marke von Huusko mit elf Toren noch am nächsten. Pech für den Tabellenvorletzten, dass Hicks heute gegen die Kölner Haie (Beginn 15 Uhr, Sportforum Hohenschönhausen) fehlt. Uli Egen ist trotzdem frohen Mutes. "Verletzte haben die anderen auch", sagt der EHC-Coach, "aber die gute Stimmung in der Kabine macht mich optimistisch." Auch nach dem 1:2 am Freitag bei den Hannover Scorpions habe er keine hängenden Köpfe gesehen. Noch sei der Kampf um die Play-off-Ränge nicht verloren, meint Egen. "Die nächsten zwei Wochen sind für uns entscheidend, schließlich haben wir da fünf Heimspiele." Fünf Heimspiele? "Das Derby bei den Capitals habe ich mitgezählt", klärt Egen auf. Einfach dürfte es für den EHC trotz häufigen Heimvorteils nicht werden, nicht nur mangels schwedischer Brillanz im Team. Gegen Köln gibt nicht mal das erhoffte Comeback eines Schweden, Hammarström (Fingerverletzung) wird wieder pausieren. Während die Eisbären ihren Gast vom Rhein empfangen, gastieren die Capitals im Rheinland bei der Düsseldorfer EG - ohne Corriveau. Der Kanadier zog sich einen Leistenbruch zu und wird operiert.

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