Eishockey : Die Eisbären beißen nicht mehr

Über drei Jahre lang ist Don Jackson nun schon Coach bei den Eisbären Berlin, doch so etwas wie in dieser Saison ist ihm noch nicht untergekommen. Warum die Eisbären an Stärke verloren haben.

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Lautsprecher. Trainer Don Jackson kritisierte seine Mannschaft heftig.
Lautsprecher. Trainer Don Jackson kritisierte seine Mannschaft heftig.Foto: ddp

Berlin - Oft kommt es nicht vor, dass Don Jackson die Contenance verliert. Der Mann mit der Statur eines Möbelschleppers kommt meist eher ruhig, gediegen, ja beinahe schüchtern daher. Wenn er dann aber mal in Rage gerät, kann es gefährlich werden. So wie am späten Freitagabend, als der Eishockeytrainer den angestauten Ärger der vergangenen Wochen anscheinend auf einmal loswerden wollte. Eine kleine Nachfrage reichte da aus, und Jackson hielt einen erbosten Vortrag über die jüngsten Darbietungen seines Teams.

Über drei Jahre lang ist Don Jackson nun schon bei den Eisbären Berlin angestellt, doch so etwas wie in dieser Saison ist dem US-Amerikaner noch nicht untergekommen. Lediglich zwei der zurückliegenden fünf Spiele hat seine Mannschaft in der Hauptrunde der Deutschen Eishockey-Liga gewonnen – zu wenig für den Coach. Beim Höhepunkt der Negativserie, dem 2:4 am Freitag gegen die Hamburg Freezers, hat Jackson nicht nur ein „ganz schlechtes Unter- und Überzahlspiel“, sondern auch verheerende Nachlässigkeiten beobachtet: „Wir hatten keine Konzentration, keine Intensität und keinen Respekt vor dem Gegner.“ Es ist nicht allein die Tatsache, dass die Eisbären gegen die Freezers zwei desolate Drittel abgeliefert haben, die Jackson nervt. Vielmehr ist es die Tendenz.

„Wir spielen nicht mehr souverän“, findet der Trainer. Es scheint in der Tat, als hätten die Eisbären viel von ihrer Dominanz eingebüßt, die sie in den zurückliegenden sechs Jahren zu vier Meisterschaften führte. Doch warum eigentlich? Einige Leistungsträger alter Tage – und mit ihnen jede Menge Erfahrung – haben den Klub verlassen. Hinzu kommt, dass „unsere jungen Spieler sich besser entwickeln müssen“, wie der Coach sagt. Dem Großteil der Eisbären-Jugend ist es eben bislang noch nicht gelungen, aus dem großen Erfolgsschatten von Mark Beaufait, Steve Walker & Co. herauszutreten.

Vor allem mit dem Toreschießen hat die neue Generation so ihre Probleme, auch Stürmer André Rankel sagt: „Wir machen vieles richtig, aber wir treffen das Tor nicht. Es war immer unser Spiel, vorm Tor auf Chancen zu lauern und die Rebounds zu verwandeln. Das klappt momentan nicht.“ Schon merkwürdig – bei diesen Voraussetzungen in Berlin, wo die Profis besonders liebevoll umsorgt werden. „In jeder Ecke haben wir jemanden für irgendetwas“, warf Jackson in seiner freitäglichen Grundsatzrede ein. Und brachte damit selbst Stephane Richer aus dem Konzept. Lange hatte es der Hamburger Trainer neben Jackson ausgehalten, ehe er sich das Lachen über die die deftigen Worte des Kollegen nicht mehr verkneifen konnte.

Wie die Eisbären ihre Schwächephase überwinden wollen, weiß der Berliner Trainer selbst nicht genau. Nur wer dafür zur Verantwortung zu ziehen ist, das war Don Jackson gleich bewusst: „Ich nehme das ganz klar auf mich.“

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